Bürgerbrief zur Verkehrssituation am Westerntor

Zur Verkehrssituation am Westerntor – speziell zum Radverkehr dort – hat uns ein Brief erreicht. Wir dokumentieren den Brief und unsere Antwort.

An die Fraktion der Grünen
im Rat der Stadt Paderborn

Paderborn, den 8. Februar 2009

Betrifft: Verkehrssituation am Westerntor

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Sie bitten, sich dafür einzusetzen, die Straßenkreuzung am Westerntor fahrradgerecht umzugestalten.

Die jetzige Situation ist eine Katastrophe und einer Stadt wie Paderborn unwürdig. Die Stadtverwaltung zeigt an anderer Stelle – ich nenne etwa die Ausfallstraßen nach Benhausen oder nach Wewer – dass sie dem Fahrradverkehr nicht grundsätzlich gleichgültig gegenüber steht, am Westerntor allerdings gibt es seit Jahren keinerlei positive Veränderung. Als Bürger, der seit 23 Jahren in Paderborn lebt, habe ich m. E. auch einen Anspruch darauf, dass meine Interessen als Verkehrsteilnehmer berücksichtigt werden.

Im Folgenden stelle ich Ihnen die Situation am Westerntor detailliert dar:

1) Kommt man über die Borchener Straße, muss man die Bahnunterführung passieren, in der Autofahrer in der Regel ihr sowieso hohes Tempo nicht drosseln. Meinen schulpflichtigen Töchtern habe ich diese Passage immer verboten. An der Ampel wird man dann regelmäßig zur Seite gedrängt und beim Losfahren von Rechtsabbiegern gerne geschnitten. Nach der Kreuzung passiert man die Bushaltestellen, erst nach der nächsten Kreuzung kommt eine Zufahrt zu einem Radweg.

Dazu kommt, dass die Ampelschaltung an dieser Stelle so kurz ist, dass man, wenn man die Ampelanlage bei spätem grünen Licht passiert, regelmäßig in die schon aus der Richtung Westernstraße aus loslaufenden Fußgänger fährt. Ich selbst habe mehrere Stürze von Radfahrern gesehen, die ganz normal die Kreuzung überqueren wollten.

2) Kommt man von der Friedrichstraße, steht man auf einer von vier Autospuren vor zwei Ampeln. Fährt man an der ersten los, schafft man oft die zweite nicht. Steht man auf der mittleren Spur, wird man regelmäßig eingekeilt. Dabei kann es auch passieren, dass man von den Busfahrern, denen ich sonst kein aggressives Fahrverhalten nachsagen kann, beschimpft wird, da man sie angeblich behindert. In der Borchener Straße dann pflegen Autofahrer richtig Gas zu geben, was für Radfahrer immer bedrohlich ist.

3) Kommt man von der Bahnhofstraße, hat man wieder vier Autospuren zur Auswahl, die alle stark befahren werden, auch von Bussen. Nach der Kreuzung beginnt auf der linken Seite ein Radweg, zu dem man aber nicht geleitet wird und den Nicht-Paderborner gar nicht erkennen können. Einheimische wissen um diesen Radweg, eine sinnvolle Anbindung gibt es aber auch für sie nicht. Man kann nicht fahrend zu diesem Radweg gelangen.

4) Kommt man vom Le-Mans-Wall, wird man auf eine Fußgängerzone vor der Herz-Jesu-Kirche gelenkt. Wenn man Fußgänger sowie ein- und ausparkende Autos auf dem kleinen Parkplatz vor der Kirche umkurvt hat – was auch nicht der Sinn des Radfahrens ist – findet man rechts eher zufällig ein Stück Radweg, das aber schon an der stark befahrenen Riemekestraße wieder endet. Fährt man an der Herz-Jesu-Kirche geradeaus, endet der Radweg vor der Ampel an der Florianstraße und man wird auf die Bahnhofstraße gezwungen, die erst viel später wieder einen Radweg aufweist.

Es gibt am Westerntor keinerlei sinnvolle Verkehrsführung für Radfahrer, und das, obwohl die Kreuzung vor einigen Jahren aufwändig umgebaut wurde. Alle Straßen, die ich genannt habe, sind sehr stark befahren und stellen für Radfahrer grundsätzlich eine Bedrohung dar. Es ist nicht einzusehen, warum dem Autoverkehr an diesem wichtigen Knotenpunkt des innerstädtischen Verkehrs insgesamt 22 (in Worten: zweiundzwanzig) Fahrspuren zur Verfügung stehen, Radfahrern aber nur eine einzige, die ins Niemandsland führt.

Ich möchte zum Schluss meine Bitte wiederholen, dass Ihre Fraktion sich dafür einsetzt, diesen Missstand zu verändern. Für einen Ortstermin stehe ich im Übrigen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Andreas Ruppert

Gleiches Schreiben geht an die Ratsfraktionen der CDU, FDP und SPD

Unsere Antwort:

Verkehrssituation am Westerntor

Sehr geehrter Herr Dr. Ruppert,

vielen Dank für Ihren Brief! Auch ich lege die meisten Wege in der Stadt mit dem Fahrrad zurück, und ich habe mich schon oft über die Radverkehrsführung am Westerntor – und nicht nur dort – geärgert. Gegenwärtig kann man mit dem Rad nur versuchen, die Kreuzung zu vermeiden. Leider gelingt es der Stadtverwaltung nicht einmal, die möglichen Alternativstrecken vernünftig und angemessen zu realisieren.

Von Süden kommend oder nach Süden fahrend nutze ich die „kleine Borchener Straße“ – allerdings ist das immer noch illegal, da die Bahnunterführung nach wie vor nur für Fußgänger zugelassen ist. Eine Umgestaltung der Unterführung und des Umfeldes ist beschlossen. Derzeit fehlt es nur an Beschilderung und Fahrbahnmarkierung. Auf unseren Antrag hin, die Unterführung schnellstens für Radverkehr fertig zu machen, hat die Verwaltung im Dezember geäußert, dies sei in Arbeit und sei nur noch von der Witterung abhängig. Wir werden an der Sache dran bleiben.

An der Friedrichstraße gibt es grundsätzlich einen Radweg. Leider endet dieser an der Alten Torgasse. Der Radverkehr soll weiter über die Westernmauer geführt werden. Der Übergang vom Radweg zur Westernmauer ist jedoch gedankenlos gestaltet und völlig unübersichtlich. Wir haben an dieser Stelle bereits einen weniger eckigen Übergang angemahnt, dieser würde jedoch ein oder zwei Parkplätze kosten. Die CDU-Mehrheit hält das für nicht tragbar.

Eine gründliche Lösung der Probleme an der Bahnhofstraße wird derzeit mit dem Hinweis auf die geplante völlige Umgestaltung abgeblockt. Auch unser Antrag wenigstens dort wo es einfach möglich ist eine provisorische Verbesserung zu erreichen, bekam im Bauausschuss nur die beiden Stimmen der Grünen.

Die beschriebenen Verbesserungsvorschläge und -anträge, die wir in der Vergangenheit gemacht haben, sind sicher nur Flickwerk. Letztlich haben Radfahrerinnen und Radfahrer den gleichen Anspruch auf gute Wege, wie alle anderen Verkehrsteilnehmer auch. Vernünftig wäre es, den Radverkehr sogar besser zu stellen, um so mehr Menschen auf das Rad zu bringen – was weniger Lärm, weniger Schadstoffe und letztlich auch weniger Kosten für die Stadt Paderborn bedeuten würde.

Leider sind wir in Paderborn selbst von der Umsetzung einfacher und dringender Maßnahmen weit entfernt. Und solange sich an den Mehrheiten in Paderborn nichts grundlegendes ändert, wird sich auch an dieser Politik nicht viel ändern.

In diesem Jahr sind Kommunalwahlen, darum habe ich eine Bitte an Sie: Wir haben vor ein paar Wochen unsere Webseite, http://www.padergruen.de/, neu gestaltet. Würden Sie uns erlauben, Ihren Brief dort zu veröffentlichen? Wenn es Ihnen lieber ist, können wir das auch tun, ohne Ihren Namen zu nennen. Dazu wäre es praktisch, wenn Sie mir Ihren Brief nochmal ber EMail schicken könnten.

Eine zweite Bitte habe ich noch ganz abgesehen von der bevorstehenden Wahl. Mich würde interessieren, was die anderen Fraktionen zu Ihrem Brief geantwortet haben. Könnten Sie mir dazu ein paar Zeilen schicken?

Mit freundlichen Grüßen

Klaus Schröder

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