Einzelhandelskonzept zügig und unverwässert verabschieden

Die Grüne Ratsfraktion begrüßt das Einzelhandelskonzept für Paderborn und hält entsprechende Regelungen für dringend erforderlich um, ein weiteres Ausbluten der Innenstadt zu verhindern.

Noch laut im Ohr haben wir die Kritik von Geschäftsleuten, von Bürgern, Kunden und Besuchern der Stadt, die mit teilweise krassen Formulierungen die Situation in der Paderborner Flaniermeile beschrieben haben. Da war von Verödung und Verwahrlosung die Rede und das Aussterben von inhaberbetriebenen Geschäften mit einem gesunden und attraktiven Branchenmix, die Filialisierung wurde angeprangert. Eine Vielzahl von Ketten, Handyshops, Ein-Euro-Shops und sonstigen Billigläden sorgen für Individualitätsverlust, Unattraktivität und Umsatzrückgänge. Das kann niemand wollen

Die Fehler der vergangenen Jahrzehnte, in denen man der Ausbreitung von Geschäftszentren an der Peripherie weitgehend freien Lauf ließ, haben zum Ausbluten der Innenstadt und der heutigen Situation geführt. Dies muss endlich gestoppt werden und es muss gerettet werden, was noch zu retten ist. Dafür bietet das vorliegende Einzelhandelskonzept ein solides Grundkonzept, das in Zusammenarbeit mit allen maßgeblichen Entscheidungsträgern erarbeitet worden ist. Wichtig ist aber nicht nur ein Konzept, es muss auch konsequent und unverwässert umgesetzt werden, um seine Zielsetzung, nämlich wieder eine attraktive Innenstadt zu bekommen und gleichzeitig die Nahversorgung für Wohngebiete und die Nebenzentren zu sichern, auch zu erreichen. Die Zeit, in der man seine persönliche Nähe zur Paderborner Mehrheitsfraktion oder Verwaltung nutzen konnte, um seine individuellen Ziele zu realisieren (das so genannte Schwagermodell), muss endgültig vorbei sein. Verfolgt man allerdings die Diskussion der letzten Wochen, kann man sich des Eindrucks nicht erwähren, dass es genau der Verlust des Schwagermodells ist, der befürchtet wird.

Das nun vorliegende Konzept mit der „Paderborner Liste“, die die innenstadtrelevanten Sortimente festlegt, lässt genügend Entwicklungsspielräume für die Ortsteile, im Einzelfällen sogar noch zu viele, und ist darauf ausgerichtet, mittelfristig wieder eine Stärkung der Innenstadt zu ermöglichen. Wir brauchen nicht mehr Geschäftsfläche, Paderborn hat nicht nur im Hinblick auf den demographischen Faktor schon viel zu viel davon. Aber die verbleibende Geschäftsfläche muss an Attraktivität gewinnen und mit einem kundenfreundlichen Branchenmix muss sie auch der Konkurrenz zu Nachbarzentren standhalten können, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Auch in anderen Städten ist es schon gelungen, beispielsweise den Elektronikfachhandel, der üblicherweise seine Märkte in den Einkaufszentren auf der grünen Wiese unterhält, wieder in die Innenstadt zurückzuholen.

Im Übrigen basiert das vorliegende Einzelhandelskonzept auf dem auf Landesebene einstimmig von allen Fraktionen beschlossenen Landesentwicklungsprogramms (LEPro NRW), das im Juni 2007 in Kraft getreten ist und klare Zielvorgaben und Regelungen für die Ansiedlung von großflächigem Einzelhandel trifft. Die Grünen im Rat haben schon im Herbst 2007 einen Antrag auf Umsetzung auf Paderborner Ebene gestellt. Damals verweigerte die Mehrheitsfraktion ihre Zustimmung. Deshalb ist es heute umso erfreulicher, wenn Versäumtes nachgeholt worden ist und inzwischen ein Konzept vorliegt, das dann aber auch zügig umgesetzt werden muss.

Vera Esders

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