Grüne beantragen Passivhausstandard für städtische Gebäude

Die Paderborner Ratsfraktion der Grünen beantragt, dass zukünftig alle städtischen Gebäude nur noch als Passivhäuser konzeptioniert und gebaut werden. Auch bei künftiger Sanierung von städtischen Gebäuden sollen Passivhaus-Komponenten eingesetzt werden und der Passivhausstandard als Regelfall angestrebt wird.

Antrag zur nächsten Ratssitzung am 28.05.2009

Beschlussvorschlag:

1.      Der Rat beschließt, dass zukünftig alle neuen städtischen Gebäude nur noch als Passivhäuser konzeptioniert und gebaut werden.

2.      Der Rat beschließt, dass auch bei künftiger Sanierung von allen städtischen Gebäuden im Bestand Passivhaus-Komponenten eingesetzt werden (Dämmung, Fenster, Lüftung mit Wärmerückgewinnung) und der Passivhausstandard als Regelfall angestrebt wird.

3.      Sollte der Passivhaus-Standard nicht erreicht werden können, ist dies zu begründen.

4.      Dies gilt auch und insbesondere für alle schon beschlossenen und noch zu beschließenden Maßnahmen aus dem Konjunkturpaket. Die damit verbundenen höheren Investitionskosten werden auch aus Mitteln des Konjunkturprogramms aufgestockt.

5.      Ferner sind Investoren beim Kauf von städtischen Grundstücken zum Bau von Passivhäusern zu verpflichten. Dazu werden die rechtlichen Möglichkeiten überprüft.

6.      Zur Erreichung der oben genannten Ziele werden Leitlinien zum wirtschaftlichen und ökologischen Bauen erarbeitet, die jährlich fortgeschrieben werden. Diese sind zukünftig maßgeblich für alle Baumaßnahmen, Neubau oder Sanierung, und auch die Grundlage aller Architekten- und Ingenieurbeauftragungen. Sie werden dem Rat in absehbarer Zeit zum Beschluss vorgelegt.

Begründung:

Im Rahmen des Konjunkturpaketes werden zurzeit vielfältige Baumaßnahmen an städtischen Gebäuden geplant und kurzfristig durchgeführt. Auch wenn die Zeit drängt, ist es dringend geboten für die Zukunft zu bauen und nicht nur kurzfristige Erfolge mit geringer Energieeinsparung zu erzielen, damit aber die Probleme von morgen vorzuprogrammieren. Wenn man sich bei Gebäuden, die heute saniert werden mit einer energetischen Einsparung von 30% zufrieden zurücklehnt, 90 % aber möglich wären,  dann hat man zwar heute bei der Investition etwas Geld gespart, sich aber für die nächsten 20 – 30 Jahre die Möglichkeit verbaut, sich von den steigenden Energiekosten der nächsten Jahre unabhängig zu machen.

Passivhäuser sind heute keine Zukunftsmusik mehr. Die Technologien sind erprobt und stehen zur Verfügung. Die Komponenten sind gute Wärmedämmung, hochwertige Fenster mit Dreischeibenverglasung, eine Lüftungsanlage mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung und einfache Heiztechnik, die gemeinsam eine Energieeinsparung von 90% gegenüber dem durchschnittlichen Verbrauch in bestehenden Wohngebäuden ermöglichen. Passivhäuser bieten besseren Komfort als die konventionelle Bauweise: vernachlässigbare Heizkosten, gute Wirtschaftlichkeit und einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz. Die Mehrkosten amortisieren sich generell bei Neubauten deutlich vor Ablauf der technischen Lebensdauer betroffener Bauwerke und im Bestand innerhalb angemessener Fristen.

In Paderborn muss das Rad nicht neu erfunden werden, weil es inzwischen eine ganze Reihe von Städten gibt, die sich den Passivhausstandard zu Eigen gemacht haben. In Frankfurt gilt er seit 2007. Hannover hat nachgezogen und selbst in naher Nachbarschaft (Lippe) wird er bereits umgesetzt oder ist kurz vor dem Abschluss (Detmold, Löhne). In Frankfurt rühmt man sich zurzeit damit, dass Dank der Komplettsanierung von 60 Wohnungen der ABG-FH in Frankfurt aus den 50er Jahren mit Passivhauskomponenten sich der Heizwärmebedarf nach PHPP von 290 kWh/(m²a) um über 90% auf 17 kWh/(m²a) reduzierte. Dort zogen selbst die Wohnungsbaugesellschaften nach großer anfänglicher Skepsis mit. Warum sollte das nicht auch in Paderborn gelingen?

Natürlich ist es wichtig, dass nicht nur die Stadt mit ihren eigenen Gebäuden dem Passivhaus-Standard genügt. Wir wollen ihn überall mit dem Ziel, dass künftig neue Gebäudegenerationen entstehen, die keine Energie mehr brauchen, sondern vielmehr Energie erwirtschaften. Die Stadt als größter Auftraggeber für Wirtschaft und Handwerk muss da eine Vorreiterrolle spielen und damit ein Signal sowohl für die heimischen Firmen geben als auch für den privaten Hausbau.

Passivhäuser sind wirtschaftlich. Das zeigen die bisherigen Erfahrungen und die Berechnungen. Deshalb kann sich eine Stadt wie Paderborn auf die Dauer gar nichts anderes leisten. Um die Wirtschaftlichkeit gleich bei der Planung und Auftragsvergabe zu zementieren, sollen die unter Punkt 6 genannten Leitlinien erstellt werden in Anlehnung an die „Leitlinien zum wirtschaftlichen Bauen“ der Stadt Frankfurt (zu beziehen ebenda), die darin den Passivhausstandard festgelegt hat. Dort wird formuliert: „Ziel der Leitlinien ist es, mit einem Lebenszyklusansatz die jährlichen Gesamtkosten (Summe aus Kapitalkosten, Betriebskosten und Umwelt-Folgekosten) über den betrachteten Nutzungszeitraum zu minimieren. Das beinhaltet auch eine verbesserte Qualität und Nachhaltigkeit für den Nutzer und die Umwelt. Weitere Ziele sind eine möglichst weitgehende Herstellung des ´barrierefreien Frankfurt´ und der lokale Bezug zum globalen Klimaschutz (Reduktion der CO²-Emissionen in Frankfurt am Main um 50% bis zum Jahr 2010) sowie die Berücksichtigung des schon heute absehbaren Klimawandels (heißere Sommer, stärkere Stürme, mehr Starkregenereignisse).“ Das ist genau das, was auch für Paderborn jetzt gefordert ist.

In Kürze wird durch das Konjunkturprogramm in Paderborn sehr viel Geld verbaut; deshalb ist es dringend geboten, schnell zu handeln und entsprechende Beschlüsse zu fassen, damit auch in Paderborn für die Zukunft und nicht für die Vergangenheit gebaut wird.

Für die Fraktion, Vera Esders

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