Paderborner Radverkehrsplanung ist völlig unzureichend

Mit unschöner Regelmäßigkeit landet Paderborn in der Radunfallstatistik des Landes NRW auf den Schlussplätzen. Ebenfalls mit unschöner Regelmäßigkeit wird dann über betrunkene und rücksichtslose Fahrradfahrer geschimpft. Anschließend bricht immer wieder ein auch in den regionalen Zeitungen ausgetragener Streit zwischen Fußgängern, Rad- und Autofahrern aus, wer sich denn nun weniger an die Verkehrsregeln hält. Der aktuelle Unfall eignet sich für diese Grabenkämpfe nicht.

Der tragische Verkehrstod eines 13-jährigen Schülers im Dezember führt unmissverständlich vor Augen, wo die tatsächlichen Schuldigen zu suchen sind. Denn der Schüler hat sich völlig richtig verhalten. Es ist auch nicht der erst Unfall mit Radfahrern an dieser Stelle. Jeder Paderborner Autofahrer weiß, dass man Radfahrer an diese Stelle leider sehr schlecht sieht. Und auch der LKW-Fahrer hatte kaum eine Chance, denn er konnte den Radfahrer an dieser Stelle auf dem von Büschen verdeckten Radweg erst sehr spät kommen sehen.

Um die Zahl von Radunfällen gering zu halten, hat der Gesetzgeber Verwaltungsvorschriften zum Bau von Radwegen erlassen. Der fragliche Passus in den Verwaltungsvorschriften lautet: „Das Abbiegen an Kreuzungen und Einmündungen sowie das  Einfahren an verkehrsreichen Grundstückszufahrten ist mit Gefahren verbunden. Auf eine ausreichende Sicht zwischen dem Kraftfahrzeugverkehr und dem Radverkehr ist deshalb besonders zu achten.“ Der Blick auf den Radweg wird über weite Strecken und gerade noch einmal kurz vor der Ampel durch Büsche verdeckt. Erst kurz vor der Ampel ist ein Radfahrer für die zuvorderst stehenden Autofahrer überhaupt sichtbar. Der Gesetzgeber ist noch deutlicher: „So ist es notwendig, den Radverkehr bereits rechtzeitig vor der Kreuzung oder Einmündung im Sichtfeld des Kraftfahrzeugverkehrs zu führen und die Radwegeführung an der Kreuzung oder Einmündung darauf abzustimmen.“ Zwar ist der Radweg sichtbar, aber völlig außerhalb des Sichtfeldes der Autofahrer. Hält man sich die Unfallstelle vor Augen, erkennt man, dass Radweg und Fahrbahn just an der gefährlichsten Stelle, der Abbiegerecke aber dann ohne jeglichen Sicherheitsstreifen spitz aufeinander zulaufen. Man stelle sich nur vor, der Radfahrer weicht hier auch noch einem um die Hausecke kommenden oder an der Fußgängerampel wartenden Fußgänger oder Radfahrer oder einem von der anderen Seite entgegenkommenden Radfahrer aus. Die Rad und Fußwegführung ist hier dermaßen unübersichtlich, dass sich die Stadt fragen lassen muss, inwieweit hier nicht nur Nachlässigkeit sondern schon extrem grobe Fahrlässigkeit bei der Verkehrsplanung vorliegt. Nicht einmal ein gelbes Blinklicht weist an dieser gefährlichen Stelle auf den kreuzenden Rad und Fußverkehr hin.

Unübersichtliche Verkehrsführung ist jedoch nicht der einzige Grund für die häufigen Radunfälle in Paderborn. Eine der meist befahrenen Auto- und Radstrecken in der Paderborner Innenstadt ist der innerstädtische Wall. Gerade hier gibt es einen Radweg, der überwiegend nur einseitig geführt wird. Solch eine einseitige Radwegführung ist nach den Verwaltungsvorschriften zur Straßenverkehrsordnung in Innenstadtbereichen aus gutem Grund nur in Ausnahmefällen erlaubt und auch dann nur vorübergehend. Der Stadt könnte man hier die wiederum  fahrlässige Gefährdung von Radfahrern und Fußgängern – schon seit Jahren – vorwerfen. Untersuchungen zeigen zudem schon lange, dass Radwege mit Zweirichtungsverkehr generell ein vielfach höheres Unfallaufkommen haben, als alle anderen Formen von Radwegen. In Paderborn wird durch den geteilten Rad-/Fußweg das Gefährdungspotential sogar noch unverantwortlich auf die Spitze getrieben. Der Verkehr in Gegenrichtung spielte zwar bei dem Unfall im Dezember keine Rolle, zeigt aber einmal mehr die chaotische Paderborner Radverkehrsplanung.

Die gerade noch erlaubte Ausnahme ist in Paderborn leider viel zu oft die Regel. Schließlich haben Radwege in Paderborn fast durchgängig nicht die Regelbreite sondern gerade mal die Mindestbreite. An einigen Stellen wird sogar diese unterschritten  Die Stadt Paderborn tut für ein gutes Miteinander von Fuß-, Rad-, Bus- und Autoverkehr also nicht etwa das verkehrstechnisch sicherste, oft noch nicht einmal das notwendige, sondern das gesetzlich gerade noch erlaubte. Ein Gesamtkonzept  fehlt für alle drei Verkehrsmittel und für Fußgänger gleichermaßen. Durch etliche Paderborner Rad- und Fußwegneubauten werden Gefahrenstellen sogar noch verschärft statt entschärft, siehe unteres Ende Detmolder Straße, Neubau Bahnhofstraße, Warburger Straße, Schloss Neuhaus, Riemeke usw. Die Grünen Paderborn fordern deshalb eine komplette Umorientierung in der Paderborner Verkehrspolitik, in der der Vorrang für den Autoverkehr endlich aufgegeben wird zugunsten von Konzepten, in denen auf alle Verkehrsteilnehmer, insbesondere auch auf die Schwächsten Rücksicht genommen wird.

Stefan Schwan

Ratsfraktion Paderborn

Der Antrag an den Rat findet sich hier

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