Ehrenamtliche nicht im Regen stehen lassen!

Noch vor einem Jahr hätte es niemand geglaubt: Paderborn schließt die Stadtteilbibliotheken. Unvorstellbar, denn bis zu diesem Zeitpunkt waren die Stadtteilbibliotheken hoch geschätzte Bildungseinrichtungen für die Paderborner BürgerInnen. Vor allem für Schulen, Jugendliche und Kinder bis zu den Kleinsten im Kindergarten stellten sie ein regionales Angebot dar, was gerade für diese Zielgruppen auch durch unkomplizierte Erreichbarkeit ein unschätzbarer Vorteil war.

Im Rahmen der Haushaltskonsolidierung wurden sie dann, angeregt durch Rödl & Partner, von CDU und FDP für verzichtbar erklärt. Sollte sich jedoch eine Lösung durch das Ehrenamt finden, so könne man die Stadtteilbibliotheken als eigenständige Bibliotheken weiterführen.  Die Frist dafür war ursprünglich sogar nur bis zum 30.09.2010 vorgesehen. Mit diesem Beschluss allerdings zeigten CDU und FDP ihren Mangel an Interesse zum Erhalt der Bibliotheken. Darüber hinaus zeigten sie auch ihre Unfähigkeit, Rahmenbedingungen zu schaffen, die einen Aufbau ehrenamtlichen Engagements überhaupt möglich machen.

In Dahl, Sande, Wewer, Elsen und in Schloss Neuhaus haben sich viele Bürgerinnen und Bürger bereit gefunden und sich für den Erhalt der Stadtteilbibliotheken ins Zeug gelegt. Allerdings ist es ein Unding anzunehmen, dass dies ohne die Unterstützung durch die Politik oder auch die Verwaltung funktionieren kann. Hier haben die Kolleginnen und Kollegen, die für die Schließung der Stadtteilbibliotheken gestimmt haben, nicht zu Ende gedacht. Während die engagierten Bürgerinnen und Bürger nach Lösungen suchen und diese auch entwickeln, suchen sie verzweifelt nach den Ansprechpartnern im Rat und in der Verwaltung.

Es kann und darf nicht Aufgabe des Ehrenamtes sein, hauptamtliche Kräfte zu ersetzen. Die sinnvolle Unterstützung hauptamtlicher Kräfte durch ehrenamtliches Engagement kann allerdings ein großer Gewinn für die Bibliotheken darstellen, bei dem auch beide Seiten profitieren können. Was in kleinen Bibliotheken ohne großen zeitlichen Anlauf funktionieren kann, wird aber bei den großen Stadtteilbibliotheken nicht funktionieren.

Die Schlossbibliothek mit ihren jährlich 58.942 Besuchern und 18.000 Medienangeboten sowie in ihrer Funktion als Schulbibliothek lässt sich nicht mit einer halben Fachkraft weiterführen. Hier werden die Bürgerinnen und Bürger, die sich für das Ehrenamt engagieren möchten, im Regen stehen gelassen.

Dass es auch anders gehen kann, zeigen andere Institutionen der Sozialverbände, aber auch Bibliotheken anderer Städte. Hier werden die Ehrenamtlichen organisatorisch und fachlich unterstützten und Schulungen werden angeboten.

Mit welcher Gleichgültigkeit und Unverantwortlichkeit seitens der Verwaltung und CDU / FDP sowohl gegenüber den Ehrenamtlichen als auch gegenüber den Interessen der Bürger und Bürgerinnen in den Stadtteilen, die ihre Bibliotheken wertschätzen und erhalten wollen gehandelt wird, ist unfassbar.

CDU und FDP sind gefordert, ihre politischen Hausaufgaben zu machen und sich mit realistischen Konzepten in Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen für den Erhalt der Stadtteilbibliotheken einzusetzen. Die dilettantische Halbversuche müssen beendet werden. Noch ist es nicht zu spät!

Wenn CDLU und FDP nicht in der Lage sind, bestandserhaltende Lösungen zu finden, die auch im täglichen Betrieb funktionieren, dann sollten sie schnellstens ihren Beschluss korrigieren, um den Bestand der Stadtteilbibliotheken in bewährter Form zu sichern.

Ralf Pirsig

Brigitte Tretow-Hardt

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