Unterbringung der Stadtverwaltung Paderborn

Seit dem letzten Frühjahr wird die Debatte um die Unterbringung der Stadtverwaltung Paderborn geführt – echte Beschlüsse im Rat oder anderswo gab es jedoch nicht.
Das vorliegende Papier gibt den aktuellen Stand der Diskussion in der Fraktion Bündnis’90 / Die Grünen wieder. Wir haben es auf Grundlage unseres Diskussionspapiers vom letzten Sommer fortgeschrieben. Es soll die Grundlage für weitere Gespräche und Überlegungen sein.

Ausgangspunkt unseres Diskussionspapiers vom letzten Jahr war der Ansatz, statt eines Komplettneubaus zur Unterbringung der gesamten Stadtverwaltung auf ein dreigeteiltes Konzept zu setzen – bestehend aus der Sanierung von Verwaltungsgebäuden, der Anmietung von Flächen und dem Neubau von Büroflächen für die Verwaltung. Die Gespräche und Diskussionen der letzten Monate haben uns in diesem Ansatz bestärkt. Wir haben unsere Vorschläge daher weiter konkretisiert.
Im Kern schlagen wir vor:
·    Sanierung der Gebäude um den Franz Stock Platz herum und Nutzung durch die Verwaltung
·    Neunutzung der Gebäudeteile/Grundstücke C und Ca mit einer Investorenlösung
·    Weitere Nutzung der angemieteten Räume am Hoppenhof so lange wie möglich
·    Neubau von etwa 7000 qm Bürofläche an der Florianstraße
·    Zusätzlich langfristige Anmietung von etwa 3000 qm Bürofläche

Zu den bestehenden Standorten:
Hoppenhof
Mit der mittelfristigen Anmietung von etwa 2.000 qm Bürofläche am Hoppenhof ist ein wesentliches Element unseres Lösungsvorschlags bereits zum Teil umgesetzt worden. Allerdings mussten wir feststellen, dass von den 2.000 qm angemieteter Bürofläche effektiv nur etwas mehr als 1.300 qm genutzt werden. Begründet wird dies damit, dass die vorhandene Aufteilung der Büroräume nicht den Anforderungen der dort untergebrachten Ämter entspreche.
Wir Grünen halten es für pure Verschwendung, ein Drittel der Fläche nicht auszunutzen. Es wird Zeit, dass anderswo längst selbstverständliche Nutzungskonzepte ihren Einzug auch in der Paderborner Stadtverwaltung halten.
Schon aus der Arbeitsgruppe ist mehrfach der Wunsch geäußert worden, über modernere Bürokonzepte nachzudenken. Seitens der Verwaltung haben wir aber keine Bereitschaft entdeckt, über etwas anderes als das tradierte Doppel- oder Dreifachbüro nachzudenken – dabei sind solche Varianten anderswo schon seit Jahrzehnten gängige Praxis. Wir verstehen nicht, was an städtischer Verwaltung so besonders sein soll, dass über neuere Bürokonzepte nicht einmal nachgedacht wird.
Unsere Aufforderung, zu einer flexibleren Raumnutzung überzugehen, beschränkt sich nicht auf den Hoppenhof. Auch für zu sanierende oder neu zu bauende Gebäude bietet eine verbesserte Raumnutzung die Möglichkeit, Kosten zu sparen und langfristig flexibel zu bleiben.

Pontanusstraße
Darüber hinaus sind sich alle im Paderborner Rat vertretenen Fraktionen einig, dass der Verwaltungsstandort Pontanusstraße mittelfristig aufgegeben werden soll.
Die Verwaltungsgebäude an der Pontanusstraße wurden in den 60er und 70er Jahren von der damaligen Nixdorf Computer AG als Verwaltungs- und Produktionsgebäude gebaut. Teilweise ist das Gebäude wegen seines fast quadratischen Grundrisses mit großen fensterlosen Innenflächen nicht für Büroflächen nutzbar. Die Gebäude sind ähnlich sanierungsbedürftig wie die Gebäude in der Innenstadt.

Innenstadt, Gebäudeteile A und B am Franz-Stock-Platz
Die Gebäude am Abdinghof um den Franz-Stock-Platz herum sollen nach übereinstimmender Ansicht der Fraktionen erhalten bleiben. Vom Bürgermeister wurde eine Nutzung durch kulturelle Einrichtungen, etwa die Volkshochschule, ins Spiel gebracht. Für die Volkshochschule wurde jedoch eine Unterbringung im Stadelhof beschlossen, Förderanträge laufen bereits. Sollte die Volkshochschule an den Abdinghof ziehen, wäre eine neue Nutzung für den Stadelhof zu finden.
Nach Auffassung der Grünen sollten die Gebäudeteile A und B um den Franz-Stock-Platz herum weiter für die Verwaltung genutzt werden. Dazu sollten die vorhandenen Gebäude aus den 50er-Jahren behutsam saniert werden.

Innenstadt, Gebäudeteile C und Ca am Marienplatz
Auch bezüglich der übrigen Gebäudeteile am Abdinghof (ehemalige Sparkasse mit den Arkaden und das ‚Ostermann‘-Gebäude) bleiben wir bei unserer Einschätzung vom letzten Sommer:
„Probleme machen am Standort Innenstadt vor allem die Gebäudeteile C, die ehemalige Sparkasse mit den Arkaden und das ‚Ostermann‘-Gebäude, die wegen ihres mangelhaften Brandschutzes bereits geräumt wurden.  Sie schaffen erst die unübersichtliche, verwinkelte und behindertenfeindliche Struktur, die die Gutachter zu Recht kritisiert haben. Da die Gebäude völlig unabhängig von den übrigen Gebäuden der Stadtverwaltung geplant und gebaut wurden, passt hier nicht einmal das Niveau der einzelnen Etagen zusammen. Wir halten es daher für nicht praktikabel, auch diese Gebäude kernzusanieren oder anderweitig zu erhalten.“
Deshalb schlagen wir vor, die Flächen durch einen Investor bebauen zu lassen. Um eine attraktive Lösung für das Grundstück sicher zu stellen, darf das Grundstück aber nicht einfach an den meistbietenden Verkauft werden. Wir fordern, stattdessen ein „wettbewerbliches Dialogverfahren“ (vgl. etwa http://www.wettbewerblicher-dialog.de) durchzuführen und dabei auch die Bürgerinnen und Bürger einzubeziehen.

Unterbringung der restlichen Flächen
Nach den uns vorliegenden Zahlen benötigt die Stadtverwaltung etwa 15.000qm Bürofläche. Davon stehen etwa 2.000 qm am Hoppenhof bereit, die Gebäudeteile A+B bieten Raum für etwa 3.000 qm. Somit ist eine Lösung für die fehlenden ca. 10.000 qm zu finden.
Diese Fläche ist an keinem der bestehenden Standorte unterzubringen.

Florianstraße
Wir schlagen vor, ein zweckmäßiges Gebäude zur Unterbringung von 7.000 qm Bürofläche an der Florianstraße neu zu errichten. Damit ist die dort zur Verfügung stehende Fläche bei weitem nicht ausgenutzt. Die verbleibenden Fläche kann  durch einen Investor bebaut werden. Dabei stellen wir uns eine Mischung aus Büro- und Wohngebäuden vor. Ggf. bietet sich auch hier ein wettbewerbliches Dialogverfahren an.

Langfristige Anmietung
Für die verbleibenden 3.000 qm Bürofläche soll eine Möglichkeit zur langfristigen Anmietung für einen Zeitraum von etwa 15 – 20 Jahren gesucht werden. Um zu vermeiden, dass damit ein vierter Verwaltungsstandort geschaffen wird, bietet es sich an, Möglichkeiten in den privat zu errichtenden Gebäuden am Marienplatz oder auf der nicht belegten Fläche an der Florianstraße zu suchen.

Weitere Gesichtspunkte
Moderne Energiekonzepte
Für Sanierung und Neubau sollte der bestmögliche Energiestandard verwirklicht werden, um die Kosten für die Gebäudeklimatisierung in Zukunft möglichst gering zu halten.
Das von uns vorgeschlagene Konzept bietet die Chance, für die neuerrichteten Gebäude eine klimafreundliche Energieerzeugung mit Hilfe von Kraft-/Wärmekopplung zu realisieren. Dabei können, sowohl in der Innenstadt als auch an der Florianstraße, die von Investoren zu errichtenden Gebäude mit einbezogen werden.

Langfristig flexibel
Es ist für niemanden absehbar, welche Aufgaben in den nächsten Jahrzehnten auf die Stadt zukommen – oder welche Aufgaben wohlmöglich auf andere Behörden verlagert werden. Ein Komplettneubau für einen festen, prognostizierten Bedarf wäre gleichsam ein für die nächsten 50 Jahre gekaufter Maßanzug.
Geht man davon aus, dass die sanierten Gebäude am Abdinghof eine Nutzungsdauer von ca. 40 Jahren haben, so sorgt unsere Lösung dafür, dass die Stadt Paderborn langfristig flexibel bleibt und auf sich ändernde Bedarfe reagieren kann. Die vorgeschlagenen Nutzungen würden wie folgt auslaufen:
·    2020 gemietete Flächen am Hoppenhof
·    2035 langfristig gemietete Flächen
·    2050 Abdinghof
·    2060 Florianstraße

Nächste Schritte
Der Rat sollte noch im ersten Quartal dieses Jahres eine Grundsatzentscheidung über die weitere Unterbringung der Stadtverwaltung treffen und der Verwaltung den Auftrag erteilen, dieser Grundsatzentscheidung folgend in die Planung einzusteigen. Ziel sollte dabei ein Baubeginn im Jahr 2014 – wenn möglich noch 2013 sein.

Die Entscheidung kann nicht noch weiter aufgeschoben werden
Im Jahr 2003 hat der Rat beschlossen, die gesamte Verwaltung solle in einen Komplettneubau an der Florianstraße umziehen – damals noch mit dem Erlös aus dem Verkauf der Stadtwerke im Rücken. Gleichzeitig wurde auf Vorschlag der CDU-Fraktion beschlossen, dass „ab sofort keine Investitionen  mehr an den Standorten ‚Abdinghof‘ und ‚Pontanusstraße‘ vorgenommen werden“ sollen. Seitdem werden in den Gebäuden nur noch die allernötigsten Reparaturen vorgenommen.  Ein Teil der Gebäude wurde bereits aus Brandschutzgründen geräumt.
Verschiedentlich haben wir in der laufenden Diskussion dennoch den Vorschlag gehört, statt einer gründlichen Sanierung oder eines Teilneubaus lieber die vorhandenen Gebäude „noch eine Zeitlang“ zu nutzen, um so den Anschein großer Ausgaben zur Unterbringung der Stadtverwaltung zu vermeiden. Wir lehnen diese Augenwischerei ab! Man kann die vorhandenen Gebäude nicht weiter mit Leukoplast und Spucke zusammenhalten. Der Weiterbetrieb würde mehr teurer als eine konsequente Lösung der Probleme.

Klaus Schröder

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