Grüner Wahlkampfauftakt mit NRW-Umweltminister Johannes Remmel mitten im geplanten OWL-Nationalpark

Eröffnung am Eggeturm/ Velmerstot

Vier heute nacht mutwillig gefällte Fichten konnte unsere Wandergruppe von mehr als hundert Leuten nicht aufhalten. Selbst den Bollerwagen der Bad Lippspringer Grünen nicht. Sinnlose Aktion der radikalen Nationalpark-Bekämpfer. Wir sind am Eggeturm angelangt. Ganz schön windig hier oben auf der Turmplattform. Gerangel mit den jungbäuerlichen Nationalparkgegnern, als wir das Transparent ausrollen. Es ist zwanzig Meter lang. Die Parole ist klar: NATIONALPARK – JETZT.

Johannes Remmel ist aus dem Lippischen mit hoch gewandert und die Presse hängt an seinen Lippen. Den Gegnern ist er noch nicht aufgefallen. Der Umweltminister schlägt gerade vor, dass Befürworter und Gegner gemeinsam hochgewandert wären, und auf dem Weg die Argumente hin und hergewendet hätten. Die Leute in den neogelben Warnwesten verkünden: „Nationalpark? Nein Danke“ Und, dass Horn-Bad Meinwerk eingezäunt werden solle. Absurd. Da freue ich mich doch auf die Rede. 12.51 Uhr

Jetzt geht die Kundgebung los. Johannes Remmel steht auf dem Transparent. „Eine sachliche Auseinandersetzung sollte sein“, sagt Werner Loke, grüner Kreisvorsitzender in Lippe. „Ein gutes NRW ist ein grünes NRW, mit einem zweiten Nationalpark“.

Johannes Remmel steht am Fuße des Eggeturms im JETZT. Und plötzlich im Zentrum der Aufmerksamkeit. Über ihm das weiße Band mit NATIONALPARK. Viele gelbe Schilder mit Nationalpark – Ja Bitte-Logo. Jetzt sammeln sich auch die Gegner um den Minister. Kräfteverhältnis 250 Befürworter zu 150 Kritikern.

Dass so viele mitgekommen sind, beginnt Remmel, sei ein starkes Zeichen für den Nationalpark, Pfui-rufe, starker Beifall. „Was für ein schöner Sonntag. Schön, dass wir zusammenkommen und Argumente austauschen“. „Das darf doch nicht wahr sein“, tönt es von der Gegnerschaft“.

Auf das  Minister-Argument, in globaler Welt geht es in den Regionen darum, heimatliche Schätze an weitere Generationen weiter zu übertragen, hört man  wilde Buhrufe. Dachte, es ginge hier allen um das Naturerbe. Muss mich wohl getäuscht haben.

Während Johannes Remmel den Zusammenhang mit dem Klimaschutz und Artenschutz herausstellt, brüllt einer mit rotem Kopf: „Am Artenschutz gehen wir kaputt!“ 45 % der Pflanzen und Tiere in NRW sind vom Aussterben bedroht. Ein Nationalpark wirkt dem Sterben entgegen.

Der grüne Minister bleibt cool, wartet den Beifall und die Pfiffe ab, ehe er das nächste Argument setzt. Diesmal das internationale Abkommen zur Biodiversitätsstrategie, das die unionsgeführte Bundesregierung unterzeichnet hat. Deshalb bekomme gerade ein Nationalpark besondere Bedeutung.

„Dieses Gegröhle der Gegner ist so wie beim Handball“, meint der Mann neben mir. Genau, denke ich. Von der Aussichtsplattform lässt sich das wunderbar beobachten. Unklar ist, wer die Einsätze gibt. Dann Pfeifen, bis die Luft ausgeht …

Jetzt kommt gerade die Zusicherung des NRW-Umweltministers, mit betroffenen Jägern und Bauern zu sprechen. Die pfeifen darauf. „Wir rollen als grüne Regierung nicht nur der Wirtschaft den roten Teppich aus“. Dafür müssten aber die Wünsche und Befürchtungen in der Region gebündelt werden. Politik der Grünen sei es, gemeinsam den Nationalpark zu entwickeln.

Das stößt einerseits auf große Begeisterung, auf der anderen Seite steigert sich noch mal das Gejohle. Da geht vielleicht unter, dass der Umweltminister eine über die B 64 hinausgreifende Gebietskulisse in aller Deutlichkeit ausschließt. Durch dies undifferenzierte Gepfeife lässt sich eine Gesprächskulisse kaputtmachen. Ein Faktencheck ist gefragt und die meisten Argumente sprechen für den Nationalpark.

Wichtig ist, wie wir mit Natur in Zukunft umgehen wollen, ergreift Ute Koczy das Wort und Megaphon. Die regionale Bundestagsabgeordnete von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN plädiert für die Erhaltung des verbliebenen Naturerbes. Immer wieder unqualifiziert unterbrochen weist sie darauf hin, dass Deutschland sich bereits verpflichtet habe, fünf Prozent seiner Waldflächen bis zum Jahr 2020 aus der Nutzung zu nehmen und der natürlichen Entwicklung zu überlassen. Dem Zwischenrufer: „wir haben schon hier Natur“ entgegnet sie, die heimischen Buchenwälder seien einzigartig und sie gelte es mit den Nationalpark OWL zu schützen.

Während unten Werner Loke lautstark fordert, die jeweiligen Interessen offenzulegen, kommt die Polizei auf die Aussichtsplattform sorgt dafür, dass das Gemüt der gegnerischen Jungbauern mit dem Gegentransparent abkühlt, das Spruchband hängenbleibt und wir mit kalten Fingern weitertippen können.

„Lasst uns weiterstreiten, aber argumentativ!“, erklärt Werner Loke und löst die Versammlung auf. Die Gegner rollen ihre Transparente ein. Auf der Hügelkuppe wuseln die Aktivsten beider Seiten durcheinander.

Johannes Remmel ist inzwischen auf die Aussichtplattform gestiegen und geht rundum, einen Panorama-Rundblick wagen: Der Nationalpark ist aussichtsreich und es war eine gelungene Veranstaltung, findet der grüne Umweltminister und freut sich, dass so viele gekommen sind. Auch von den Skeptikern. „Wenn es konkret wird, dann kneift ihr immer“, widerspricht er einer besonders aufgebrachten Gruppe.

Im Interview mit Radio Hochstift wiederholt er den Vorschlag, vielleicht sollten Befürworter und Gegner mal gemeinsam wandern gehen und Argumente und Fakten austauschen, bis der Nationalpark gemeinsam realisiert ist.

Wüstes Pfeifen stört das Interview. „Seid doch mal fair!“, kann der Minister sich und der Journalistin nur kurz Gehör verschaffen. An Meinungen sind viele Nationalparkgegner offensichtlich nicht interessiert. Wohl aber am Verpflegungsbollerwagen der Grünen aus Bad Lippspringe. Mineralwasser und Apfelschorle schmecken auch denen, denen eben noch der Nationalpark überhaupt nicht gemundet hat.

Dann gibt es unterm Eggeturm und beim Zurückwandern die einen oder anderen kontrovers-konstruktiven Gespräche. Einige Kritiker distanzieren sich von den Radikalinskis. Als wir am Parkplatz gehen, kommt ein Gegner mit einem Plastikschild. Der Spruch ist mehr als übel. „Mir und anderen Jägern hat das nicht gefallen. Deshalb habe ich es vom Turm noch vor der Kundgebung abgerissen.“ Wir trennen uns in Frieden und setzen auf Einsichtigkeit und überzeugende Fakten.

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