Sylvia Löhrmann: „Es wird ganz knapp“

Auf der Bühne und unter manchen Regenschirmen drängeln sie schon auf den großen Auftritt. Aber Sylvia Löhrmann nimmt sich zunächst Zeit für die Elterninitiative aus Etteln, die ihre Grundschule durch jahrgangsübergreifenden Unterricht vor einer Schließung bewahren will. Schließlich ist die grüne Spitzenkandidatin mit Herz und Verstand Schulministerin. Auf Dialog setzt die Vizeministerpräsidentin. Nach neunzig Minuten Diskussion mit den BürgerInnen und WählerInnen auf dem Marienplatz gibt es Zeit für internette Fragen.

Wie ist Deine Stimmungslage 52 Tage nach Auflösung des NRW-Landtages und acht Tage vor der Wahl: Mehr Blitz und Donner oder eher strahlender Sonnenschein?

Sylvia Löhrmann: Es wird ganz knapp – aber ich bin optimistisch. Das liegt vor allem an unserem kurzen, intensiven Wahlkampf. Die Süddeutsche Zeitung hat uns gerade attestiert, dass wir den aktivsten Wahlkampf machen – und das kann ich nur bestätigen. Wir machen unglaublich viele Termine vor Ort, im Internet sind wir noch präsenter als früher, die Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer sind phantastisch, und alles für unsere Ziele für NRW. Und das haben wir in kürzester Zeit gestemmt! Deshalb bin ich optimistisch, dass wir unser Rekordergebnis noch einmal verbessern und mit einer klaren Mehrheit zusammen mit der SPD weiterregieren können.

„Klar für Rot-Grün – Zweitstimme Grün!“ überschreiben wir Grünen die letzte Wahlkampfwoche. Was macht das zweite Kreuz auf dem Wahlzettel so wertvoll?

Sylvia Löhrmann: Die Zweitstimme entscheidet darüber, wie stark eine Partei im Landtag vertreten ist. Die Erststimme ist die für die Direktkandidatinnen und -kandidaten. Die Stärke der Grünen im Landtag ergibt sich nur aus der Zahl der Zweitstimmen. Bei der Landtagswahl 2010 haben uns nur 1000 Zweitstimmen zum 24. Mandat gefehlt. Die Zweitstimme ist die Stimme für Kinder, Klima und Kommunen und sie ist auch die Stimme dafür, dass ich stellvertretende Ministerpräsidentin und Schulministerin bleibe.

Am meisten werden wir am Stand auf das Plakat „Schön, wenn Frauen wieder den Haushalt machen“ angesprochen. Was reizt Dich besonders am Plakat?

Sylvia Löhrmann: Es ist mehr als doppeldeutig – erstens spricht es natürlich auf das erfolgreiche Frauen-Duo Kraft/Löhrmann an. Zweitens machen wir damit Werbung für die grüne Haushaltspolitik mit Augenmaß: gezielt sparen, gezielt in die Zukunft investieren, Steuern für die erhöhen, die viel haben. Und drittens spielt es selbstironisch auf ein urgrünes Thema an: Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Das Plakat regt zum Nachdenken und Schmunzeln an – deshalb finde ich es wunderbar.

Hand auf Herz. Wie hat Hannelore Kraft den Slogan: „Jede Kraft braucht einen Antrieb?“ kommentiert?

Sie hat innerlich geschmunzelt und so etwas wie „Schwamm drüber“ gesagt. Sie hatte ja beim Haushaltsplakat moniert, dass unser „Zweitstimme-Grün“-Slogan wie eine Sprechblase von ihr aussah. Das konnten wir nachvollziehen und haben das Plakat deswegen noch geändert.

In Ostwestfalen-Lippe ist der Nationalpark Teutoburger Wald – Eggegebirge – Senne ein echtes Aufregerthema. Wie beurteilst Du mit etwas Abstand und aus der Düsseldorfer Perspektive den Nationalpark?

Sylvia Löhrmann: Der Nationalpark ist eine große Chance für die Region und für die Artenvielfalt gleichermaßen. Ich finde die Angstkampagnen von Teilen der CDU und FDP unsäglich. Aber ich bin optimistisch, dass der Nationalpark immer mehr Akzeptanz findet. Die Eifel hat genau das ja vorgemacht. Und Artenschutz funktioniert nicht davon, dass man wie Norbert Röttgen in Berlin darüber redet, sondern es geht darum ihn ganz konkret vor Ort mit Leben zu füllen.

Die rot-grüne Minderheitsregierung steht für eine dialogische Kultur in die Politik.  Die Piraten verkaufen sich gerade als Demokratie update. Ärgert Dich das?

Sylvia Löhrmann: Nein. Es ist doch schön, wenn viele Menschen an einer guten und starken Demokratie interessiert sind. Mich stört an der Piratenpartei etwas anderes: Sie kommen zwar nett daher, aber ihre Inhalte sind diffus. Bei uns hat Beteiligung eine Richtung. Wir haben ein Wertefundament und klare Ziele. Darauf fokussieren wir Beteiligung und vollziehen diese dann in geordneten Strukturen. Beste Beispiele sind Nichtraucher- und Klimaschutzgesetz sowie der gelungene Schulkonsens mit der vorgeschalteten und ganz breit angelegten Bildungskonferenz.

„Schwarz – schwärzer – Paderborn“ ist ein gern gepflegtes Vorurteil. Deine Assoziation zu Paderborn?

Sylvia Löhrmann: Wachsende Wirtschaft, historische Stätte und Stadt der Bildung, Paderborner Dom, Libori-Kirmes, Sigrid Beer.

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