Akut gefährdet Fracking das Grundwasser der Region

Mit den herkömmlichen Eigentumsverhältnissen bei Grund und Boden kratzen wir lediglich an der Erdoberfläche. Ab einer Tiefe von 100 Meter gilt das Bergrecht, das dem Staat zum alleinigen Eigentümer der Bodenschätze macht, erklärte Wibke Brems 40 interessierten Bürgern aus Borchen. Die energie- und klimapolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion 2010/12 machte eine Art Goldgräberstimmung unter globalen Energiekonzernen aus.  “Falke” und “Adler” heißen die Claims, die Borchen und den Kreis Paderborn überplanen. Dagegen erhob sich gestern Abend heftiger und einmütiger Widerspruch im Bürgerhaus Kirchborchen bei der interfraktionellen Informationsveranstaltung der Freien Wählergemeinschaft Borchen (FWB) und Bündnis 90/Die Grünen.

Im Bereich von Borchen hat sich die kanadische Firma BMK Petroleum bei der NRW-Bergbaubehörde die „Aufsuchungsfelder“ gesichert, um nach Erdgasvorkommen zu suchen. Als ‚Fracking‘ bezeichnen Experten die unkonventionelle Methode, bei der ein Chemikalien-Cocktail unter hohen Druck in Tiefen bis zu 3 Kilometern gepumpt werde. Sowohl die Gefährdung des hiesigen Grundwassers mit Mineralwasserqualität werde wissentlich in Kauf genommen, kritisierte Brems, als auch das  Durchbrechen der Gesteinsschichten für ein weitverzweigtes Röhrensystem. Besonders dramatisch schätzte Brems die Geheimhaltung der Chemikalienmischung ein.

Auch beim Borchener Bürgermeister Reiner Allerdissen hätten Vertreter von BNK bereits angeklopft, bestätigte dieser die Einschätzungen der grünen Abgeordneten. A hob die hohe Fließgeschwindigkeit des Trinkwassers hervor, die eine Vorwarnung der Bevölkerung bei einem unterirdischen Chemieunfall  unmöglich mache. FWB-Ratsmitglied Sascha Büssemeier zitierte aus Analysen von Gelsenwasser und verwies auf  verseuchte Wasservorkommen  in den Vereinigten Staaten. Diese Warnungen seien der Anlass gewesen, dass die FWB die Initiative für einen Ratsbeschluss gegen die Aufsuchungsbohrungen in Borchen ergriffen habe. Im Kreis Paderborn, berichtete Horst Schulze-Stieler, lehnten Kreistag und Verwaltung Fracking einhellig ab. Zwar könne der Kreis feststellen, dass Fracking dem öffentlichen Interesse eklatant zuwider laufe, empörte sich das grüne Kreistagsmitglied. Aber das Bergrecht lasse im frühen Stadium der Aufsuchungsbohrungen fast keine Einspruchsmöglichkeiten zu.

Die rot-grüne Landesregierung unternehme alle Anstrengungen, das aus preußischen Zeiten stammende Bergrecht zu ändern, scheitere aber an der schwarz-gelben Mehrheit auf der Bundesebene, verknüpfte Brems lokale und bundesweite Geschichtspunkte. In Niedersachsen, auch an der Grenze zu NRW, werde Fracking aktiv betrieben. Nach dem Öffentlich-werden der Proteste ständen die niedersächsischen Verantwortlichen mit ihrer Forcierung von Fracking unter Bergbau-Experten allein auf weiter Flur.

Bei der Frage, ob ein Optimismus gerechtfertigt sei, dass Fracking verhindert werden könne, kam es zu einen kleinen Wortduell zwischen dem zuversichtlichen Borchener Bürgermeister und Dr. Harald Grünau. Der grüne Landtagskandidat und Kreistagfraktionsvorsitzende machte auf die Macht der Energiekonzerne wie beispielsweise Exxon Mobil aufmerksam. Zur besten Sendezeit vor den Abendnachrichten behaupte der Exxon-Werbespot, dass es in Europa genug Erdgas in den Gesteinen gibt, um die Energieversorgung über die nächsten Jahrzehnte zu sichern, blende aber alle Risiken der Ausbeutung aus.

In der von Guido Reitmeyer moderierten Diskussion votierte das gesamte Publikum eindeutig gegen das Fracking. Wehret den Anfängen lautete der Grundtenor. Hartmut Oster erinnerte an den Widerstand gegen die Müllverbrennungsanlage in Mönkeloh und plädierte dafür, bereits jetzt, und nicht erst wenn die Bohrtürme ständen, die Bürgerinnen und Bürger für das Gefahrenpotential des Fracking zu sensibilisieren. Richard Janus zog eine Parallele zu den Kaliabbau im thüringisch-hessischen Grenzgebiet, wo die befürchteten Schäden tatsächlich auch eingetreten seien.

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