Absage an Auftritte von rechtsradikalen Bands in der Region

Aktualisierung 29. Juni: Das Konzert ist nach einer Intervention des Staatsschutzes vom Veranstalter abgesagt, berichten übereinstimmend Westfälischen Volksblatt und Neue Westfälische. Die öffentliche Aufmerksamkeit hat das Ihre dazu beigetragen.

Für den 30. Juni 2012 hat die gewaltverherrlichende Hooligan-Band „Kategorie C – hungrige Wölfe“ aus Bremen ein Konzert in Bad Wünnenberg angekündigt. Dies bestätigen sowohl das linke Netzwerk „hiergeblieben“ als auch das Westfälische Volksblatt auf seiner heutigen OWL-Seite.

Noch ist unklar, wo genau der Auftritt stattfindet. Allerdings verdichten sich im Moment Hinweise, dass das Konzert stattdessen im Gebiet von Brilon stattfinden soll. Zum Konzert ist ein Mobilisierungsflyer für Wünnenberg mit Hakenkreuz aufgetaucht. Die Paderborner Grünen fordern den Landrat Manfred Müller auf, als Chef der zuständigen Polizeibehörde zu aktiv zu werden.

Der Bremer Verfassungsschutz sieht die Band beim Spektrum der rechtsextremen Skinheadbands.  Antifaschistische Initiativen befürchten, dass die Band am 30. Juni zum vierten Mal von den Behörden unbehelligt in der Region Paderborn / Sauerland auftreten kann. Beim letzten Auftritt am 10. März 2012 in Lemgo wurde das Konzert wurden sogar gegen antifaschistische Proteste von der Polizei abgeschirmt.

Zum Background der Band und dem Gefahrenpotential erklärt das Netzwerk ‚Hiergebieben‘ folgendes:

Die Mitglieder der Band „Kategorie C“ entstammen der extremen Rechten beziehungsweise dem organisierten Neonazismus. Sie spielten über Jahre bei offen neonazistischen RechtsRock-Bands wie zum Beispiel „Nahkampf“.
„Kategorie C“ wurde 1997 gegründet und war eigentlich nur als ein Projekt anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich 1998 gedacht. Die Musiker erkannten jedoch, dass eine Konzentration auf das Thema Fußball eine Chance ist, den hochgradig stigmatisierten Bereich des offenen Neonazismus zu verlassen und erkoren sich die Hooligan- und die Fußballszene als neues Zielpublikum. Trotzdem verzichtete die Band nicht auf eindeutige politische Bekenntnisse, so durch einen Beitrag auf dem Sampler „Die Deutschen kommen II“, einem Auftritt bei einem von der NPD organisierten Solidaritäts-Konzert für den inhaftierten Sänger der Band „Landser“ und vor allem durch das Lied „Deutschland dein Trikot“ in dem es heißt: „Deutschland dein Trikot, das ist schwarz und weiß, doch leider auch die Farbe deiner Spieler.“

Die Behörden der Hansestadt Bremen hatten ein Konzert der Band am 26.
November 2011 verboten, die Polizei das Verbot mit einem Großaufgebot durchgesetzt. Dass ein solches Verbot auf Grund der Gewalt verherrlichenden Lieder durchaus angebracht ist, zeigte sich am 21. Januar 2012 in Delmenhorst, hier gab die Band unter dem Tarnnamen „H.E.R.M.“, der sich aus den Vornamen der Bandnamen zusammensetzt, ein Konzert. Besucher des Konzerts griffen aus diesem heraus einen am Veranstaltungsort vorbeigehenden Punker mit Baseballschlägern an und verletzten ihn schwer. Angesichts der Gewalt verherrlichenden Lieder und der Feindbildbeschreibungen in diesen kaum verwunderlich. Konzerte der Band wurden in den letzten Jahren von diversen Kommunen untersagt, andere kümmerten sich nicht um die Auftritte der Band. Die deutschen Behörden zählen die Konzerte von „Kategorie C“ inzwischen als Konzerte der „rechtsextremen Szene“.

Anlass des Konzertes ist laut der Ankündigung der Band der Tod des BVB-Fan Maik Altmann, welcher am 17. Juni 2012 bei einem Verkehrsumfall ums Leben kam. Auf der Website von „Kategorie C“ betrauern die Bandmitglieder und auch der Kategorie C-Fanclub „Rückendeckung“ den Verstorbenen, den sie als „Freund und Kamerad“ bezeichnen.

Aufgefunden wurde ein Flyer, welches ein Konzert mit „Kategorie C“ am 30.
Juni in Bad Wünnenberg bewirbt. Der Flyer zeigt einen Übergriff auf eine am Boden liegende Person, wie sie typisch für eine Auseinandersetzung im Hooligan-Milieu ist. Als Vorgruppe ist die Band „BierNazis“, eine „Luni Coverband“ angekündigt. „Luni“ ist der ehemalige Sänger der Band „Landser“, auf dessen Solidaritäts-Konzert „Kategorie C“ spielte. Der Flyer ist mit einer Hakenkreuz-Fahne und mit einer Fahne der britischen Terrorgruppe „Combat 18“ versehen. „Combat 18“ ist der militante Arm des in der BRD 2000 verbotenen Musiknetzwerkes „Blood & Honour“. Auch wenn der Flyer nicht von der Band autorisiert ist, so zeigt er doch das Umfeld der Band und dessen offen neonazistische und kriminelle Orientierung.

Antifaschistische Initiativen sind in Sorge, dass es eine Durchführung des Konzertes am 30. Juni in der Region Paderborn / Sauerland einerseits zu Übergriffen des an- oder abreisenden Publikums auf Personen, welche als „undeutsch“ oder „feindlich“ definiert werden, kommen könnte. Eine Durchführung des Konzertes würde es der Band „Kategorie C“ einmal mehr erlauben, vor allem junge Fußballfans zu agitieren und sie über das Thema Fußball mit extrem rechten oder Gewalt verherrlichenden Inhalten zu beeinflussen. Beides ist nicht hinnehmbar.

Die Polizei in der Region hat die vier Konzerte der Band in den Region in den letzten zwei Jahren teilweise mit Verweis auf vermeintliche „Privatveranstaltungen“ ungestört stattfinden lassen. Und das obwohl die Konzerte öffentlich beworben wurden, Eintritt verlangt wurde und es zwischen den Teilnehmenden und den Veranstaltern keine persönliche Beziehung gab. Die Polizei ist damit scheinbar der Argumentation der Veranstalter gefolgt, was falsch und nicht hinzunehmen ist. Selbst wenn die Veranstalter dieses Mal behaupten sollten, dass es sich um eine private Trauerfeier handelt, ist festzustellen, dass die juristischen Merkmale für eine private Veranstaltung nicht vorhanden sind und die Behörden hier die Möglichkeit zum Eingreifen haben und diese auch wahrnehmen müssen.

Offensichtlich versucht die Band durch verschiedene unkonkrete Ortsangaben über den Veranstaltungsort, mal ist vom Bereich Paderborn, mal vom Sauerland die Rede, die Behörden und die Öffentlichkeit zu täuschen und Proteste zu verhindern. Wir rufen jedoch alle dazu auf, gegen dies Event zu protestieren und fordern die Polizei auf, endlich wirksam gegen den Neonazismus in der Region aktiv zu werden!  Soweit die Informationen aus dem Netzwerk „Hiergeblieben“.

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