Die Südstadt gestaltet ihr Quartier – Selbstbestimmtes Leben im Stadtteil

Das Quartierskonzept in der Paderborner Südstadt wächst dank einer großen Anzahl Engagierter aus unterschiedlichsten Organisationen und Netzwerken. Das Südstadtfest in der Karlsschule ist ein Meilenstein, die dahinter stehenden Überlegungen zur Gestaltung des Südstadt-Quartiers einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Von Anfang an gehörten die Grünen, Werner Jühlke allen voran, zu Initiatoren der Quartiersarbeit und des Runden Tisches.

padergrün: Wie lebt es sich in der Paderborner Südstadt? 

Werner Jülke: Hervorragend, denn in der Südstadt kann ich nicht nur wohnen, sondern hier lebe ich richtig gerne. Die Südstadt hat eine ausgeprägte Infrastruktur. Viele Menschen leben dort seit langem, daher gibt es tragfähige Nachbarschaftsverhältnisse und eine prima Mischung von Jung und Alt. Hier gibt es  Kindergärten, Schulen, eine gute ärztliche Versorgung mit Krankenhäusern bis zum  Altenpflegeheim.  

Und wie wirst Du in zwanzig Jahren leben?

Ich möchte in der Südstadt  selbstbestimmt und gemeinsam mit vertrauten Menschen alt werden und Strukturen vorfinden, die es mir ermöglichen, in meiner Häuslichkeit zu leben und die mich vom Fensterputzen bis zum Einkaufen unterstützen, sobald dies notwendig wird. Und das in meinem überschaubaren und fußläufigen Umfeld. Vielen Anderen geht das genauso, das  weiß ich auch aus zahlreichen Gesprächen. Die Leute wollen so lange wie möglich nicht in ein Altenheim ziehen, sondern in ihren Wohnungen im vertrauten Quartier bleiben.

Zurück in die Gegenwart. Was machst Du am 8. September?

Von 11 bis 17 Uhr gehe ich zum Südstadtfest in die Karlsschule. Dort möchte ich meine Nachbarn weiter kennenlernen und mich mit ihnen gemeinsam über die Zukunft der Südstadt unterhalten: Was es jetzt schon gibt und  was fehlt. Das Ganze natürlich bei leckerem Essen und Trinken und Musik von der Musikschule am Querweg. Ich hoffe, dass viele Menschen der Einladung des Runden Tisches und Vereins Quartierskonzept Südstadt e.V. folgen.

Du bist Erster Vorsitzender des „Quartierskonzepts Südstadt“? Welche Rolle spielt der Verein?

Unser Ziel ist es, zur Quartiersbildung in der Südstadt beizutragen, damit Menschen aus allen Generationen ohne oder mit Einschränkung gleichermaßen, selbstbestimmt und unabhängig in ihrem Quartier leben können, solange dies irgend möglich ist.

Was versteht man unter einem Quartier?

Im Mittelpunkt steht das Wohnviertel. ‚Quartier‘ nennen die Fachleute den sozialen Nahraum, mit dem sich der Mensch als Bewohner identifiziert. Naturgemäß wächst das vertraute Umfeld im Laufe des Lebens aus der Kleinkindperspektive und vergrößert sich zum Stadtteil. Schließlich will man die Welt kennenlernen, bis im zunehmenden Alter der Aktionsradius wieder kleiner wird und das Quartier wieder eine große Bedeutung bekommt. Dem müssen wir gerecht werden, indem wir das Stadtviertel so gestalten, dass man im Alter bei Pflegebedarf und mit Unterstützung solange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben kann.

Das Ziel klingt gut, ist aber noch sehr abstrakt.

Wir reden von sechs konkreten Bausteinen, die miteinander vernetzt werden müssen: Wohnen, Pflege/Unterstützung, die Infrastruktur in der Südstadt mit Geschäften, die medizinische Versorgung, Orte, wo Menschen sich begegnen, austauschen und feiern können und schließlich Quartiersgestaltung mit Planung und Beteiligung der Bewohner. Das Ganze soll sich in Quartiersstützpunkten bündeln, die von unterschiedlichen Trägern betrieben werden können. Als Verein wollen wir gezielt diese Vernetzung fördern und stärken und damit die Versorgungssicherheit im Quartier sicherstellen. Dabei gilt es, sich an den Bedarfen der Menschen vor Ort zu orientieren.

Und alle Wohlfahrtsorganisationen machen mit?

Ja, weil sie von dem Konzept überzeugt sind. Vom grünen Stadtverband aus hatten wir 2011 die Idee zu einem „Runden Tisch Südstadtquartier“. Daran sitzen die Diakonie und die Caritas, die AWO, der Paritätische Wohlfahrtsverband, daneben die Kirchengemeinden Markus,  St. Kilian, St. Elisabeth und St. Meinolf, sowie das Seniorenbüro der Stadt Paderborn und Einrichtungen wie Zeitspende und die Padersprinter-Busbegleiter. Das Südstadtfest am Samstag wird das ganze Spektrum zeigen und – da bin ich sicher – die Idee „Quartierkonzept“ weiter mit Leben füllen und voranbringen.

Herzlichen Dank für das Interview.

 

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