Sylvia Homann von der Initiative Spielplatz-Retter Paderborn: „Rasenplatz am Lichtenturmweg soll ein Spielplatz bleiben“

Am Samstag hatten die „Spielplatz-Retter Paderborn„, eine Anwohner-Initiative, zu einem öffentlichen Protest-Picknick auf dem Spielplatz Lichtenturmweg eingeladen, dessen Rasenfläche als Bauland für ein Studentenwohnheim umgewidmet werden soll.

Bevor sich die gut 70 Leute sich aber auf den Decken niederlassen konnten, diskutierten sie unter Augen der Medien (siehe Artikel aus WV und NW) mit den Fraktionsspitzen von CDU, Grünen, SPD und DIP.  Nur die FDP fehlte. Sylvia Homann ist eine der Initiatoren der Spielplatz-Retter. 

Ein Kommentar der grünen Ratsfraktion, die sich schon länger für Spielplätze in Paderborn, stark macht, folgt am Dienstag an dieser Stelle.

padergrün: Frau Homann, als direkte Anwohnerin haben Sie einen exzellenten Blick auf  den Spielplatz am Lichtenturmweg. Was beobachten Sie täglich?

Sylvia Homann: Dass täglich Kinder sowohl auf dem Spielplatz, als auch auf der Wiese, um die wir kämpfen, spielen!  Natürlich nicht zu jeder Stunde und in Horden – sondern so wie Kinder eben spielen. Immer mal wieder kommen sie zu zweit, zu dritt, in größeren Gruppen oder aber mit ihren Eltern, um dort gemeinsam Zeit zu verbringen. Oft wird Ball gespielt, aber Väter üben auf dem Rasenplatz auch Fahrrad fahren mit ihren Kindern – im Herbst lassen wir dort Drachen steigen!

Das Stadtplanungsamt hat erneut eine „Teilaufgabe der Spielfläche zu Gunsten eines Ausbaus studentischen Wohnens“ vorgeschlagen, unter der Vorgabe, dass „der eigentliche Spielplatz in Größe und Funktion voll erhalten bleibt“. Was halten Sie, als  Mitinitiatorin der Spielplatz-Retter Paderborn von diesem Plan?

Mit einem Wort: Nichts! Für uns gehört die Wiese zum Spielplatz dazu. Wo sonst können Kinder in diesem Viertel völlig ungefährdet rennen und Fußball spielen und sich richtig austoben?  Kinder brauchen doch auch Freiraum, um sich bewegen zu können und nicht nur Spielgeräte. Außerdem: Wie soll das gehen? Ein Spielplatz im Dunkeln eingequetscht zwischen einer Mauer und einem Studentenwohnheim – direkt an einer Einfahrt zu einer Tiefgarage? Welches Kind traut sich, dort zu spielen?

„Teilaufgabe“ liest sich so harmonisch ausgleichend. Das  kinderfreundliche Paderborn zeigt sich auf dem Spielplatz  einerseits, und andererseits bezieht auf dem ehemaligen Bolzplatz  die Universitätsstadt Paderborn ihr Quartier. Warum ist  das ungerecht und welche Wohn-Alternativen sehen sie für Studierende? Die studentische Wohnungsnot ist das Hauptargument  in der Beschlussvorlage.

Niemand bestreitet, dass in Paderborn ein Mangel an Wohnraum für Studenten besteht und dass sich das Problem in den kommenden Jahren verschärfen wird. Wir „Spielplatzretter“ sind auch nicht gegen Studenten, sondern für Kinder! Wir möchten, dass mit Augenmaß und vorausschauend an dieses Problem herangegangen wird. Bislang sind alternative Standorte von der Stadt nicht geprüft worden. Was ist mit dem Eckgrundstück Warburger Straße/Ludwigsfelder Ring? Das ist in städtischer Hand und wird gar nicht genutzt – und es liegt noch näher an der Uni. Eine andere Frage ist, warum Studenten überhaupt direkt an der Uni wohnen müssen? Kann man nicht auch etwas weiter weg Grundstücke in Betracht ziehen? Die Studis sind doch jung und mobil, das ist doch kein Problem!

Außerdem muss die Politik doch auch den demographischen Wandel in ihre Überlegungen mit einbeziehen. In absehbarer Zeit wird es wieder weniger Studenten geben, weil es einfach immer weniger Kinder gibt. Und dann hat man eine grüne Spielfläche in der Stadt für immer zerstört – und leer stehende Gebäude oben drauf. Zumal beim Weggang der Briten aus Paderborn auch noch etliche Kapazitäten an Grundstücken und Gebäuden frei werden. Auch das muss man doch mit bedenken!

Es wird immer argumentiert, aber die Anwohner hätten früher gegen den Bolzplatz geklagt. Und jetzt wollen sie den Platz wieder? 

Ehrlich gesagt, geht mir diese  Debatte langsam auf die Nerven. Das sind 10 Jahre alte Kamellen, die da immer wieder als Argument angeführt werden.  Ich habe damals noch nicht hier gewohnt und kann nur das wiedergeben, was meine Nachbarn mir erzählt haben. Demnach gab es eine grüne Wiese – so wie jetzt, mit der alle glücklich waren. Dann hat die Stadt  Paderborn – auch damals offenbar ohne irgendein Gespräch mit den Anwohnern – einen Kunstrasen-Bolzplatz mit Toren und meterhohen Fangzäunen daraus gemacht. In der Folge konnten die Kinder der Siedlung dort nicht mehr spielen, weil ständig Männermannschaften den Bolzplatz besetzt haben. Zudem wurde Eigentum der Anwohner laufend beschädigt und es gab Lärmbelästigungen und Beleidigungen persönlicher Art. Das muss tatsächlich ein unhaltbarer Zustand gewesen sein, gegen den sich die Anwohner zu Recht gewehrt haben. Hätte die Stadt damals vorher die Anwohner einfach mal gefragt, ob aus der grünen Wiese ein solcher Bolzplatz werden soll, dann hätte man sich vermutlich diese ganze Episode und jede Menge Geld sparen können. Jetzt immer zu sagen: „Ihr habt‘s ja nicht anders gewollt!“, ist einfach lächerlich und eine Verdrehung der Tatsachen.

Die Ratsmitglieder im Ausschuss für Bauen, Planen und Umwelt sollen die Verwaltung am kommenden Donnerstag beauftragen, ein Bebauungsplanverfahren einzuleiten. Vorher hatte der Jugendhilfe-Ausschuss, mehrheitlich mit den Stimmen der CDU und FDP, die Teilaufgabe abgesegnet. Was erwarten Sie von den Ratsmitgliedern?  Auf dem Protest-Picknick war die Rede von einer  Vertagung, da der Auftrag alternative Investitionsstandorte für Studentenwohnheime vorzuschlagen, noch nicht erledigt sei.

Wir erwarten, dass der Punkt abermals von der Tagesordnung genommen wird und die Verwaltung endlich mal anfängt, wirkliche Alternativen gegeneinander abzuwägen. Was wir hoffen und uns wirklich sehr wünschen, ist, dass die Politiker sich ihrer Verantwortung für die Kinder von heute und morgen bewusst werden und ein für alle mal festlegen, dass der Rasenplatz im Lichtenturmweg ein Spielplatz ist und bleiben soll. Alle Fraktionen haben in den Diskussionen um die Sparpläne von „Rödel und Partner“ erklärt, dass die Spielplätze in der Stadt Paderborn nicht aufgegeben werden! Darauf haben wir vertraut! Und wir fordern, dass dieses Versprechen auch gehalten wird und nicht durch Spitzfindigkeiten wie Spiel“flächen“ sind keine Spiel“plätze“ außer Kraft gesetzt wird.

Statt teilweise aufzugeben setzen die „Spielplatz Retter Paderborn“ auf kreativen Protest und haben der Stadt ein Gegenangebot unterbreitet  …

Das stimmt. Selbstverständlich wissen wir und nehmen zur Kenntnis, dass die Stadt Paderborn sparen muss. Auch das ist ja immer wieder als Argument zu hören, dass die Pflege der Spielflächen so kostenintensiv sei. Ganz spontan haben sich 12 Familien im Lichtenturmweg dazu bereit erklärt, eine Patenschaft für den Spielplatz – und die dazugehörende Wiese – zu übernehmen und sich um die Pflege zu kümmern. Also zum Beispiel Müll weg räumen (was wir eh schon tun) oder auch die Hecke schneiden. Wir sind bereit, uns zu engagieren!

Danke für das Interview und viel Erfolg.


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