BUND fürchtet Plünderung des Staatswaldes – Kyrill-Spätfolgen sorgen für Aufregung – ein schwarz-gelbes Walddesaster

drohne zwoNach der erfolgreichen Klage und drohenden millionenschweren Schadenersatzforderungen des österreichischen Holz-Konzerns Klausner gegen das Land Nordrhein-Westfalen befürchtet der NRW-Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine Plünderung des heimischen Staatswaldes. Der damalige Umweltminister Uhlenberg und sein Staatssekretär Schinck hatten 2007, kurz nach dem Orkan Kyrill, langfristige Verträge über die Lieferung von jährlich 500.000 Festmeter Fichtenholz an die Sägemühlen des Konzerns zu einem niedrigen Festpreis abgeschlossen. Da nach der Freiräumung der Kyrill-Flächen diese Mengen nicht mehr zur Verfügung stehen und nur 200.000 Festmeter pro Jahr im Staatswald eingeschlagen werden, hatte das Land 2009 die Lieferungen eingestellt. Dagegen ging der Klausner-Konzern gerichtlich vor und klagte auf Vertragserfüllung – mit Erfolg.

„Jetzt muss die rot-grüne Landesregierung diesen Schlamassel ausbaden“, sagt Paul Kröfges, Landesvorsitzender des BUND. „Es droht der Ausverkauf des Staatswaldes.“ Das Land könne diese Menge nicht liefern, ohne gegen das Nachhaltigkeitsgebot und den Schutz des Waldes zu verstoßen. „Dies wäre für den BUND und alle Naturschützer im Lande völlig unakzeptabel“, so Kröfges. Ferner würden damit sämtliche regionalen Sägebetriebe von der Holzlieferung aus dem Staatswald ausgeschlossen. Ihnen drohe der Ruin. Kommt das Land seinen Lieferverpflichtungen nicht nach, drohen andererseits Schadensersatzzahlungen in Höhe von 56 Millionen Euro. „Es ist nicht zu fassen“, empört sich der BUND-Chef Kröfges. „In Ostwestfalen-Lippe malen die regionalen Akteure von CDU und FPD den Untergang der heimischen Holzwirtschaft an die Wand, weil drei Prozent der regionalen Waldfläche für den längst überfälligen Nationalpark im Teutoburger Wald stillgelegt werden sollten. Jetzt habe ihre eigenen Spitzenleute möglicherweise den Ruin zahlreicher regionaler Betriebe, aber auch des Landesbetriebes Wald und Holz und die Ausplünderung des Staatswaldes zu verantworten. Was für ein Versagen!“

Für den BUND ist klar, dass aus Umweltschutzgründen der Griff zur Säge in diesem Ausmaß nicht in Frage kommt. Die Einschlagsmengen im Wald lägen schon jetzt im Grenzbereich jeglicher Nachhaltigkeit. „Mehr ist ökologisch nicht verantwortbar“, sagt Kröfges. Der BUND wendet sich auch gegen das massenhafte Aufkaufen von Holz aus dem Ausland, um diesen Verpflichtungen nachzukommen. Das würde auch in anderen Ländern den Druck auf sensible Waldgebiete insgesamt erhöhen und sei keine verantwortbare Lösung. BUND-Experte Kröfges appelliert an Umweltminister Remmel und die Landesregierung, den Wald in NRW vor den Folgen dieses schwarzgelben Staatsversagens zu schützen. „Die Einschlagsquote im Staatswald darf nicht weiter erhöht werden. Das, was nicht geliefert werden kann, muss dann eben mit Geld ausgeglichen werden.“ Der Landeshaushalt müsste so leider für die „nicht zu entschuldigenden Fehler der schwarz-gelben Landesregierung bluten.“

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