‚Leben im Quartier Hövelhof‘ – Werner Jülke plädiert für’s Umdenken

werner jülke - personWerner Jülke, ein junger grüner Alter, entwirft ein beunruhigendes Zukunftsbild vom Leben im Alter: Demographischer Wandel, mangelnde Rente, hoher Pflegebedarf, zunehmde Demenz, unzureichende Unterstützungsangebote, der Kostendruck im Gesundheitsindustrie die Singularisierung und der sozio-kulturelle Wandel, so lang als möglich eigenständig im gewohnten Umfeld zu leben statt ins Altenheim zu ziehen. Im Sozio-Slang: Ein dringender Wunsch nach Partizipation und Selbstbestimmung prallt auf gesellschaftliche Realitäten.

Die erste Antwort findet der Rheinländer Jülke bei den Bläck Fööss: „En unserem Veedel“, wo man zusammen hält, egal was passiert. „Wo man alt geworden ist, hat man auch die Lebensbezüge“, erklärt Jülke. Quartierskonzepte passen aber nicht nur in Großstädten, sondern auch in kleineren Städten. Die Größe eines Quartiers reiche von zwei- bis fünfzehntausend Einwohnern wie Hövelhof .

Der Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaften Alten- & Gesundheitspolitik schärmt von Quartierskonzepten beim Ortstermin bei den Grünen im Hotel Victoria. Als Fortsetzung der Diskussion plant der Ortsverband einen Besuch in einer Caritas-Altenzentrum.Was muss verändert werden, damit Menschen barrierefrei leben können?  Das alte Denken, die Politik kümmert sich um die gesamte Stadt, sei überholt, meint Jülke, sondern im Quartier müssen die wesentlichen Entscheidungen getroffen werden. Mehr Beteiligungsmöglichkeiten fordert der grüne Landessprecher Alten- und Gesundheitspolitik.  Die Perspektive müsse sich ändern: Weg von den großen Alteneinrichtungen hin zu altengerechten Wohnungen und Lebensformen. Ein Quartiersmanager oder Kümmerer sei ebenso nötig, wie Stadtteilbüros und Quartiersstützpunkte, die fußläufig erreichbar sind.

„Wir im Quartier“ – Südstadt Paderborn

Im zweiten Teil skizziert Jülke praktische Erfahrungen im Paderborner Sozialraum vier, der Südstadt. Es begann mit einem Runden Tisch Quartiersarbeit, an dem alle Wohlfahrtsverbände, Kirchengemeinden und Initiativen sowie die Grünen sich beteiligten. Gleichzeitig gründete sich der Verein „Quartierskonzept Südstadt e.V.“ Ein Südstadtfest brachte die Beteiligten mit den Südstädtern zusammen. Derzeitig sucht der Verein, dessen Vorsitzender Jülke ist, eine Räumlichkeit, um einen zusätzlichen Quartiersstützpunkt zu eröffnen. Dies ist die Voraussetzung für finanzielle Förderung. Dem Verein geht um die Menschen. „Wenn Menschen da sind und erklären: wir wollen haben, wird die Politik reagieren“, erklärt Jülke.

In Hövelhof startete die Initiative „Verein Freie Altenarbeit Ambulante Pflege e.V.“ 1988, die mehrere Anläufe brauchte, bis es 1997 die Förderungszusage gab und 2000 angefangen, zu bauen. Daneben gibt es in Hövelhof das CARITAS-Altenzentrum, das unter dem Motto „Mensch sein in lebendiger Gemeinschaft“ viele offene Angebote bietet. Ein breiter Konsens in der engagierten Diskussion ist, dass jetzt neue Ideen für ein selbstbestimmtes Leben im Alter ausprobiert werden müssen. Besonders spannend dabei: Ansichten aus unterschiedlichen Generationen von 20 bis 80 spiegeln die jeweilige Lebenssituationen. „Es kommen schwierige Zeiten auf uns zu, einige aus der Runde werden es nicht mehr erleben“, spricht der Älteste. Gefühlt gibt es einen direkten Wechsel von „Kinder aus dem Haus“ zum „Pflegen der Eltern“, den es früher nicht gab, erläuert eine Mutter die Stimmungslage unter Jüngeren.

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