Niemand darf in unserem Land, Angst haben, seinen Glauben, frei und friedlich zu leben – Rede von Sigrid Beer zur Woche der Brüderlichkeit

religionspolitischer kongress_sigrid beer -webGestern ist die Woche der Brüderlichkeit zu Ende gegangen, die bundesweit unter dem Thema „Im Gehen entsteht der Weg – Impulse christlich-jüdischer Begegnung“ stand. In Minden beschrieb Sigrid Beer in der Eröffnungsrede,  die „Neue Dringlichkeit“einer zivilcouragierten Gesellschaft angesichts des zunehmenden Antisemitismus und Rechtsradikalismus. Die dagegen aufstehen und Position beziehen sind Richtschnur und innerer Kompass. Die ungekürzte Ansprache

„Sehr geehrte Frau Cohen, sehr geehrter Herr Bürgermeister Stellbrink, sehr geehrter Herren Bürgermeister, ich grüße die Vertreter der ev. und katholischen Kirche und der jüdischen Kultusgemeinde, lieber Herr Speller, ich möchte mich herzlich bedanken, dass ich heute zur Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit in Minden zu Ihnen sprechen darf.

Am kommenden Sonntag, darauf freue ich mich schon, darf ich dann als Mitglied der Paderborner GCJZ im dortigen Rathaus, Prof. Dr. Hanspeter Heinz aus Augsburg, dem diesjährigen Preisträger der Buber-Rosenzweig-Medaille zuhören. Der katholische Theologe und der Gesprächskreis „Juden und Christen“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken wurden heute in Ludwigshafen mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet. Seit über 40 Jahren leitet Prof. Heinz den Gesprächskreis, in dem Juden und Katholiken sich in intensiver Auseinandersetzung der Aufarbeitung antijüdischer Traditionen der Kirche gewidmet haben. Es ist ihr Ziel, Grundlagen für eine erneuerte Beziehung zwischen Christen und Juden zu schaffen. So dürfen u.a. „die kritische Stellungnahme in 2007 zur Revision des Karfreitagsgebets durch Papst Benedikt XVI., oder die 2009 erschienene Erklärung „Nein zur Judenmission – Ja zum Dialog zwischen Juden und Christen“ als vorbildliche Meilensteine im katholisch-jüdischen Dialog gelten.“

So u.a. die Würdigung des Wirkens von Hanspeter Heinz und des Gesprächskreises „Juden und Christen“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Sie verkörpern auf vorbildliche Weise, was die Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit mit ihrem Jahresthema für 2015 zum Ausdruck bringen möchten: „Im Gehen entsteht der Weg – Impulse christlich-jüdischer Begegnung“.

Seit über 60 Jahren veranstalten die Gesellschaften für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit im März eines jeden Jahres die Woche der Brüderlichkeit. Deutschlandweit werden in dieser Woche Veranstaltungen durchgeführt, die alle die Zielsetzung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit beinhalten: die Verständigung zwischen Christen und Juden, den Kampf gegen Antisemitismus und Rechtsradikalismus sowie für ein friedliches Zusammenleben der Völker und Religionen. Mit Blick auf die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen ist die Woche der Brüderlichkeit wichtiger denn je.

Wer hätte gedacht, welche ganz andere Bedeutung und neue Dringlichkeit dem Jahresthema „Im Gehen entsteht der Weg“ inzwischen zugewachsen ist. Ja, wir müssen gemeinsam gehen. Gemeinsam auf die Straße gehen. Wir müssen uns unterhaken. Wir brauchen uns gegenseitig, um uns zu stärken. Wir brauchen die Solidarität und die gelebte, unverbrüchliche Freundschaft und den gemeinsamen entschiedenen Widerstand gegen jede Form von Antisemitismus, Rechtsextremismus und Fundamentalismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt – gerade heute.

Es ist erschreckend, wie antisemitische Parolen nicht nur in rechtsradikalen Kreisen zunehmen. Ich bin schockiert zu hören, dass Juden Bedenken haben müssen, sich mit ihrer Kippa in bestimmten Stadtvierteln oder Straßenzügen zu zeigen. Es bewegt mich und macht mich zornig. Das darf uns allen keine Ruhe lassen.

Wir sind aufgefordert, sofort und unmissverständlich klar zu machen, dass wir es in unserer Gesellschaft nicht zulassen werden, dass Jüdinnen und Juden Angst haben müssen, wenn sie sich in unserem Land bewegen. Niemand, niemand darf in unserem Land, unter uns Angst haben, seinen Glauben, frei und friedlich zu leben, egal ob Jude, Christ oder Muslim.

Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland hat es am 25. Januar im Interview mit der B.Z zutreffend formuliert: „Wir haben seit dem Jahr 2000 eine stetige Zunahme des Antisemitismus erlebt. Das reicht von Drohbriefen über Beleidigungen im Alltag bis hin zu körperlichen Angriffen. Die Attacken kommen aus verschiedenen Richtungen: Von klassischen Rechten ebenso wie von Personen aus der bürgerlichen und der linken Ecke, die ihren Antisemitismus als „Israelkritik“ ausgeben. In den letzten Jahren kam verstärkt ein Antisemitismus islamischer Prägung dazu, das war ganz massiv im letzten Sommer spürbar. Wir wissen, dass der Staat und die Polizei uns schützen, dass Politiker an unserer Seite stehen. Den Worten müssen aber auch Taten folgen, damit es nicht so weit kommt wie in Frankreich, wo Juden zu Tausenden das Land verlassen, weil sie die gewalttätigen Angriffe nicht mehr ertragen können.

Wir brauchen mehr Bildungsprojekte und Engagement gegen Antisemitismus, auch mehr Aufklärung für junge Muslime. Die Autoritäten in den islamischen Gemeinschaften müssen sich stärker gegen die Gefahren des Islamismus aussprechen.​

Bei Vorträgen in Schulen und vor jungen Menschen habe ich viel Interesse gespürt, ehrliches Entsetzen über die antisemitischen Morde in Frankreich und die Ausschreitungen in Deutschland. Die junge Generation gibt mir Hoffnung, dass sie die Demokratie und vor allem den Artikel 1 unseres Grundgesetzes verteidigen will und wird.“

Charlotte Knobloch hat Recht!

Artikel 1 des GG: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Wenn wir dem Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft entschieden entgegentreten, geht es nicht nur darum, dass Jüdinnen und Juden unbehelligt hier in Deutschland und ohne Angst ihren Glauben leben können. Allein das wiegt schon schwer genug. Es geht aber vielmehr auch für uns alle um die Erhaltung unserer in der Verfassung verankerten Werte. Und diese Verfassung wurde in ihrer Erarbeitung und Verabschiedung 1948 geprägt von den Eindrücken der Nazi-Diktatur und der grauenvollen menschenverachtenden Folgen. Die Sicherung demokratischer Grundwerte, das Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung, die Religionsfreiheit, die Meinungsfreiheit – diese Verfassungsrechte wollen rechtlich garantieren, dass es nie wieder zu einer solchen Barbarei kommt wie in der NS-Zeit.

Wir müssen immer wieder innehalten und uns unserer Grundwerte vergewissern. Wir müssen immer wieder um die Bewahrung mühen und dafür kämpfen. Das demokratische Miteinander auf der Basis dieser Grundwerte muss gelebt und erfahren werden. Demokratie fällt nicht vom Himmel. Sie ist permanente Anstrengung. Demokratie muss gelernt werden. Deswegen gehört die politische Bildung und eine intensive Erinnerungskultur mit in unsere Schulen, in die Jugend- und Erwachsenenbildungs- und Kulturarbeit.

Schulministerin Löhrmann hat bei ihrem Besuch in Auschwitz zum 70- jährigen Gedenken der Befreiung des Vernichtungslagers durch die Rote Armee betont, wie wichtig auch der Besuch der Erinnerungsorte ist. Die Erinnerungskultur war auch einer der Schwerpunkte ihrer KMK-Präsidentschaft. Es war ihr vierter Besuch, immer mit SchülerInnengruppen. Sylvia Löhrmann hat denn auch betont: „Erinnerungskultur hat als Teil der historisch-politischen Bildung und Demokratiepädagogik eine besondere Bedeutung – auch für den Zusammenhalt in Europa gegen die Feinde von Freiheit und Demokratie» Dieser Einschätzung wird auch von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft geteilt. Unterstützt werden diese Schülerinnen-Fahrten von der Stiftung Erinnerung.

Als im Jahr 2008 die Meldungen durch die Medien gingen, dass die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau zu zerfallen drohe, gab es auf Initiative des damaligen Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Dr. Jürgen Rüttgers, ein breites, parteiübergreifendes Bündnis der Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin. Innerhalb kürzester Zeit konnte beschlossen werden, die geplante Gründung einer Internationalen Stiftung Auschwitz-Birkenau mit 60 Mio. Euro aus den Haushalten von Bund und Ländern zu unterstützen.

Das wiederum veranlasste das Unternehmer-Ehepaar Roswitha und Erich Bethe aus Wuppertal, ebenfalls einen Beitrag zum Erhalt der Gedenkstätte leisten zu wollen. Sie investieren allerdings in die Bildung. Ihr erklärtes Ziel: Jedem Schüler, jeder Schülerin aus Nordrhein-Westfalen einen Studienaufenthalt in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau zu ermöglichen. Zivilgesellschaftliches Engagement wie dieses kann gar nicht hoch genug geschätzt werden.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

„Antisemitismus richtet sich gegen das Fundament, auf dem wir auch als Christen stehen“, mahnten zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar die westfälische Präses Annette Kurschus und der lippische Landessuperintendent Dietmar Arends und der rheinische Präses Manfred Rekowski gemeinsam.

Nicht nur diese Woche der Brüderlichkeit muss Zeichen setzen, dass wir geschwisterlich gemeinsam Wege gehen, uns stützen und aufeinander achten. Aber ich bin froh, dass wir auch sagen können: Diese Zeichen sind da, denn tausende von Menschen gehen gemeinsam auf die Straße! Ich bin all denen dankbar, die ein unübersehbares Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt setzen, indem sie gegen PEGIDA demonstrieren und klar machen, dass ist nicht die Mehrheitsmeinung in diesem Land. Wir sehen nicht tatenlos zu. Und das kostet kein Geld, die Währung, die hier zählt, ist Zivilcourage und ein aufrechter Gang!

Wir beziehen klar Position gegen jede Form von Intoleranz, Ignoranz. Wir wenden uns gegen unseligen rechten Populismus, den Hofschranzen des Rechtsextremismus. Ich sage deutlich: Seitdem Teilnehmer der PEGIDA-Bewegung in Dresden am 2.3. (letzten Montag) ein Protestcamp von Flüchtlingen und ihren Unterstützern bedroht haben, kann keiner mehr so tun, nicht zu wissen, wer in der PEGIDA-Bewegung wirklich unterwegs ist.

Jede und jeder muss sich fragen, ob er diesen rechten Rattenfängern und Hetzern einen Rahmen bieten will. Wer nicht sieht, was sich im Umfeld abspielt und wozu sich Rechtsextreme durch die Begleitung von Tausenden ganz anders ermutigt fühlen, darüber berichtet die Deutsche Presseagentur unter der Überschrift: „Die Saat des Hasses geht auf“ am 2.3.,:

„Aufgeputscht marschiert ein Teil der Demonstranten auf den Theaterplatz vor der Semperoper, wo seit Samstagabend Flüchtlinge und Helfer in Zelten der Kälte trotzen. Sie fordern mehr Rechte für Asylsuchende, wollen auf ihre Situation aufmerksam machen. Gut zwei Dutzend schwarzgekleidete Männer stürmen auf den Platz, können gerade noch von der Polizei abgefangen werden. Rechtsextreme, unschwer zu erkennen, daraus machen sie auch kein Hehl.

Polizisten werden beschimpft, weil sie «auf der falschen Seite stehen». Dann fallen Sätze, die erschauern lassen: «Lasst uns nur machen. Wir übernehmen das für Euch. Wir räumen», sagt einer der Rechten zu einem Polizisten, der mit Kollegen den Platz absperrt. Gemeint ist das Protestcamp der Flüchtlinge. Nach dem Willen der Stadt sollte es bis zum Abend abgebaut sein. Da die Betroffenen das per Eilantrag abzuwenden versuchen, verlängert die Stadt ihre Frist. Aufgebrachte Bürger, die sich gern darüber beschweren, dass Medien einen Teil der Pegida-Anhänger als rechtsextrem einstufen, verlieren alle Hemmungen.
Auf einmal hallen «Ausländer raus»-Rufe und «Deutschland den Deutschen» über den Platz. Der Aufstand der Biedermänner mündet in Hass. «Das Pack muss weg», sagt eine blonde Frau, Mitte 30, zu einem Polizisten.“ … Ein Augenzeuge ist am Tag danach immer noch fassungslos: «Das war eine gespenstische Atmosphäre.» Es sei klar geworden, dass bei Pegida viele Rassisten mitliefen: «Das waren ganz normale ältere Bürger.» Antisemitismus, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit haben sich in die Mitte der Gesellschaft eingenistet.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

wir sollten nicht meinen, nun ja Dresden ist ja nicht OWL, Dresden ist doch weit weg. Blicken wir aufmerksam in die Region. Der Angriff auf das Asylbewerberheim in Petershagen muss uns erschüttern. Rechtsextremisten haben in der Nacht vom 16. auf den 17.1. die Bewohner eines Asylbewerberheims, in der alten Grundschule in Porta Westfalica-Vennebeck, zweimal massiv eingeschüchtert. Etwa sechs Männer schossen mit Paintballwaffen auf Fenster und Türen der Asylbewerberunterkunft und riefen ausländerfeindliche Parolen.

Der Anschlag kam möglicherweise sogar mit Ansage, kommentiert die Presse. „Mit Flugblättern (»Nein zur Asylantenflut«) reagierte die rechtsradikale Partei »Der III. Weg« Ende vergangenen Jahres auf die Einrichtung der Asylbewerberunterkunft in Porta Westfalica. Die Partei kündigte im Dezember an, in den kommenden Wochen würden Aktivisten in der Region »mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf die Verausländerung unserer Heimat« aufmerksam machen.“ Es ist gut zu wissen, wie stark auch die ehrenamtlichen Netzwerke sind, die Flüchtlinge in unserer Region willkommen heißen. Wir müssen aber staatlicherseits alles dafür tun, dass sie sich sicher bei uns fühlen können. Wer hätte gedacht, dass wir das überhaupt so aussprechen müssen! Region OWL!

Die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel ist wegen Volksverhetzung mehrfach vorbestraft. Immer wieder taucht die Unbelehrbare aus Vlotho in Rechtsextremistischen Umtrieben auf, versucht ihre kruden Vorstellungen als Material gerade auch an junge Menschen zu bringen. Region OWL!

Gewaltbereite Salafisten werden auch in OWL angeworben, ideologisiert und ziehen z. B. von Herford aus für den IS in den Krieg. Diese Demokratie ist eine wehrhafte Demokratie. Wir wollen den Rechtsextremisten und gewaltbereiten Fundamentalisten nicht einen Fußbreit in dieser Gesellschaft Platz einräumen.

Bei aller Wachsamkeit, in der wir nicht nachlassen dürfen, ist aber wichtig, den Blick vor allem auf die zu richten, die aufstehen und Position beziehen. Ich bin froh über die vielen Menschen, die gemeinsam Widerstand leisten und Zeichen setzen: Die Menschen in Minden, die immer wieder gegen Rechts Position beziehen. Die präventive Anti-Pegida Demonstration in Bielefeld. Die Mahnwachen gegen Ausländerfeindlichkeit, für ein buntes tolerantes Miteinander und für Mitmenschlichkeit angesichts des Leids der Flüchtlinge nicht nur in Paderborn.

Das ist uns Richtschnur und innerer Kompass! Das macht Mut, denn es sind viele, die sich engagieren, viele, die nicht ruhig und tatenlos zuschauen wollen. Es sind beeindruckende Zeichen der Zivilgesellschaft, die wir erleben. Nach dem Terror, Massenmord und Anschlag auf Charlie Hebdo, auf einen koscheren Supermarkt in Frankreich, nach dem Terroranschlag in Dänemark zeigen die Menschen:

Wir lassen uns nicht auseinander dividieren.

Wir lassen uns nicht vom Terror regieren.

Wir lassen uns nicht vom Hass vergiften.

Dieser demokratische Schulterschluss in der Zivilgesellschaft ist unverzichtbar. Und wir sind in der überwältigen Mehrheit.

Ich bin ausdrücklich den Repräsentanten christlicher Kirchen und der muslimischen Verbände dankbar, die der Instrumentalisierung der jeweiligen Theologie entschieden entgegentreten und sich zu Demokratie, Freiheit und Menschenrechten als unverrückbare Bestandteile unserer Gesellschaft bekennen. Das Bekenntnis zu einer Glaubensrichtung darf niemals mit Gewalt begründet werden. Wer auch immer sich darauf beruft, missbraucht Religion.

Diese Gesellschaft ist stark und wir sind es unseren eigenen Überzeugungen schuldig, Menschen, die von Extremismus und Rassismus bedroht sind, mit Hass verfolgt werden, Zuflucht und eine neue Hoffnung und Heimat zu geben. „Auch für die drängende Frage nach Frieden in der Welt gilt: Im Gehen entsteht der Weg – im Ausprobieren von Frieden entsteht Frieden“, wie es der Landeskirchliche Beauftragte für das christlich-jüdische Gespräch der Evangelischen Landeskirche in Baden, Professor Dr. Klaus Müller, formuliert.

Es ist und bleibt auch heute richtig: Nur der Weg „heraus aus alten Vorurteilen und Feindschaften, auch unter den Religionen, führt hin zu Verständigung und Freundschaft“.  Diesen Weg wollen wir gemeinsam gehen, hier bei uns und gerade auch mit den Kindern und Jugendlichen, egal ob hier geboren und aufgewachsen oder erst jüngst zu uns gekommen.

Ein beeindruckendes Beispiel, wie das gelingt, konnten wir auf der Landessynode 2013 der EKvW in Bielefeld erleben: Eindrückliche Szenen aus dem Theaterstück „Die Erinnerung bleibt“. In der evangelischen Schülerinnenarbeit der Jugendbildungsstätte Berchum (das liegt zwischen Hagen und Dortmund) hat die interreligiöse und interkulturelle Jugendarbeit eine erfolgreiche Tradition. Ihr Weg der gemeinsamen „Spurensuche“ hat die Jugendlichen bewegt und für ihr Leben geprägt. Es war eine junge Muslima, die die Rolle der verfolgten jüdischen Frau verkörpert hat. Es war bewegend zu hören, wie die Jugendlichen der Blick in die Geschichte erschüttert hat, aber dann auch wie wach, empathisch, einfühlend sie mit Blick auf Erfahrungen von Verfolgung und Ausgrenzung mit Menschen umgehen, aber auch wie klar sie auf antidemokratische Tendenzen und Sprüche in ihrer Umgebung reagieren.

Deswegen rufe ich noch einmal dem Appell von Charlotte Knobloch in Erinnerung. „Wir brauchen mehr Bildungsprojekte und Engagement gegen Antisemitismus, auch mehr Aufklärung für junge Muslime. Die Autoritäten in den islamischen Gemeinschaften müssen sich stärker gegen die Gefahren des Islamismus aussprechen.​

Ja, die Bildungsarbeit ist zentral, und dazu zähle ich auch die religiöse Bildung in der Schule, besonders den islamischen Religionsunterricht. Es ist gut, dass wir den Aufbau in NRW begonnen haben. Denn er hilft junger Muslimen bei ihrer Identitätsfindung. Er hilft auf der Ebene der Islamwissenschaft und der Ausbildung von Imamen bei der notendigen theologischen Auseinandersetzung innerhalb des Islam. Auch hier gilt: „Im Gehen entsteht der Weg!“

Die Woche der Brüderlichkeit steht für Begegnung. In der Begegnung liegt ein gegenseitiges Kennenlernen, eine Öffnung und vielleicht auch Verständnis für die Belange der anderen. Die Begegnung ist ein wichtiges Fundament für ein Miteinander, das auf Empathie, Wertschätzung und Offenheit fußt. Begegnung schafft gemeinsame Wege, gemeinsame Wege schaffen neue Fundamente für das Miteinander. Der Weg ist das Ziel. Shalom für uns alle!

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