Freudige Regenbogenkoalition gewinnt souverän & haushoch gegen Schwarz-Weiß-Untergangsparteigänger

Das Rennen um wirklichen gesellschaftlichen Fortschritt – heute am 228. Jahrestag der französischen Revolution – ist in Paderborn klar entschieden. Während bei der AfD die altbekannten Phrasen von Angst und Neid, von Weltuntergang und Deutschland-Absturz heruntergeleiert wurden, scharf schwarz-weiß in böse (alle anderen) und gut konturiert, leuchteten im tristen Regengrau vor Rathaus und Standesamt die Regenbogenfarben. Die grüne Überzeugung „Es ist genug Ehe für Alle da“, spiegelt die Grundstimmung.

Wie cool zu hören, dass in Altenbeken die Standesbeamtin sich richtig freute, ein lesbisches Paar zu trauen. In fünf Jahren werde es der Vergangenheit angehören, schlicht Normalität sein, als lesbisches oder schwules Paar beim Firmenjubiläum oder Familienfest aufzutauchen. Vor dem Rathaus herrschte eine höchstens wettertechnisch eingetrübte Stimmung. Aber Seifenblasen und Sekt machten die Regentropfen locker wett. Es waren gerade die Lebensgeschichten am offenen Mikro, die die mehr als 200 Leute begeisterten. „Es ist genug Ehe für Alle da!“, rief Egbert „Ecki“ Steinhoff, der Vorsitzende von PaderPride unter dem Jubel des Publikums. Ein wichtiges Etappenziel sei erreicht.

Diese Lebensfreude ging der AfD-Menge am Westerntor total ab: Weit überwiegend ältere Männer, plus ein Schäferhund: Insgesamt 40 Personen. Mit der Entscheidung ‚Ehe für Alle‘ hat „der Bundestag das demokratische Vermächtnis der Väter und Mütter des Grundgesetzes verhunzt“, erklärte der AfD-Bundestagskandidat. Eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht werde kommen, prophezeite er. Eine totale Unterschätzung des höchsten Gerichtes, hatten die Karlsruher Richter bereit 1993 festgestellt, dass der Begriff der Ehe dem gesellschaftlichen Wan­del unterliege. Da helfen herausgeklaubte Urteilszitate nicht weiter.

Auch geizte Kemper nicht mit Fakenews. Neben dem Politiker- & „Altparteien“- Bashing bezichtigte er ausgerechnet den katholischen Bischofskonferenzvorsitzenden Marx, an der „Seite der Ehevernichter“ zu stehen. Insofern ist Kempers Anspruch, er sei beim Bundestagswahlkampf der „Kandidat für Vernunft und Wahrheit“, mit dem einem und anderen Fragezeichen zu versehen.

Gleich mehrfach titulierten Koch und Kemper die Gegenseite als „Linksfaschisten“ (eine bemerkenswerte Wortkombination) und rückte sie in die Gruppe der G20-Extremisten. Weit gefehlt, denn welche friedlichere Themen für die Flashmobs als ein Kiss-In und als Free Hugs sind vorstellbar. „Anfangs reagierten die Leute recht schüchtern, aber die Zurückhaltung legte sich“, so Ecki Steinhoff. Selbst die Polizei habe sich bei ihm zum Ende sehr bedankt.  „So friedlich sollten Demos immer ablaufen“.

Seitenwechsel zum letzten AfD-Knallbonbon. Der NRW-Spitzenkandidat Lucassen, ein Generalstabsoberst im Ruhestand, der eine fade Rede hielt, bezeichnete die Grünen als Verfassungsfeinde und forderte, uns durch den Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Realitätsverlust, oder Wahlkampfnebelkerzen. Echte Alternativen suchte man vor der Herz-Jesu-Kirche aber vergeblich.

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