Gegen das #Vergessen, für das #Erinnern – Bad Lippspringer Grüne beantragen Stolpersteine

Das bekannte Kunstprojekt „Stolpersteine“ von Gunter Demnig gehört für die Grünen in Bad Lippspringe längst zum guten Ton einer Stadt: Angesichts von 61.000 in Messing geprägter Erinnerungen an Opfer des Nazi-Regimes in ganz Europa beantragt die Bad Lippspringer Fraktion die Teilnahme an dem Projekt, der sich schon viele Städte angeschlossen haben. Außerdem soll die Stadt die Patenschaft für die Herstellung und Verlegung der ersten fünf Stolpersteine übernehmen. Damit fallen Kosten in Höhe von insgesamt 600 Euro an, heißt es in dem Antrag an den Rat der Stadt.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, begründet Fraktionsvorsitzende Dr. Gerda Werth mit einem Wort aus dem Talmud ihren Vorstoß. Um diesem Vergessen vorzubeugen, erinnert der Künstler Gunter Demnig mit seinem Projekt „Stolpersteine“ europaweit an Menschen, die zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Dabei werden kleine Gedenksteine in den Bürgersteig vor jenen Häusern eingelassen, in denen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu Hause waren, bevor sie deportiert, inhaftiert oder ermordet wurden.

Auch in Bad Lippspringe gibt es Opfer des Nationalsozialismus zu beklagen. In der vom Heimatverein herausgegebenen Chronik „Lippspringe- Beiträge zur Geschichte“ (Pavlicic 1995) ist die Rede von mindestens 14 jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern sowie der dreizehnköpfigen Familie Kusserow aus der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas, die verfolgt, deportiert und zum großen Teil ermordet wurden, so dass insgesamt etwa 25 bis 30 Stolpersteine verlegt werden könnten.

„Das Schicksal dieser Menschen und das unsägliche Leid, das sie ertragen mussten, dürfen nicht in Vergessenheit geraten“, betont Werth. Dies sei umso wichtiger in einer Zeit, in der fremdenfeindliche und rassistische Parolen salonfähig zu werden scheinen und Vertreter von rechtspopulistischen Parteien ein „Ende der Schuldkultur“ verlangen.

Weil die Stolpersteine im öffentlichen Raum verlegt werden, ist eine Genehmigung des Rates der Stadt erforderlich. Das Interesse an der Verlegung von Stolpersteinen ist groß. Da die Steine bei einer Erstverlegung von Gunter Demnig selbst eingesetzt werden, muss mit einer Wartezeit von einem Dreivierteljahr bis zur Verlegung gerechnet werden. In der Zwischenzeit wird die genaue Recherche in Bezug auf die Opfer, aber auch auf überlebende Familienangehörige betrieben, denn eine Idee der Kunstaktion ist, die Familien im Gedenken wieder zusammen zu führen. An dieser Recherche, ebenso wie an der Planung der Feierlichkeit zur Verlegung der Steine, können partei- und generationenübergreifend Menschen mitarbeiten. Mögliche Kooperationspartner und -formen könnten sein: die Gesamtschule, Vereine oder beispielsweise die Volkshochschule, regen die Grünen an.

Nun werden noch Paten für die Übernahme der Kosten für Herstellung und Verlegung der Steine gesucht. Alle Steine werden bewusst in Handarbeit gefertigt, damit ein Kontrapunkt zur maschinellen Menschenvernichtung in den Konzentrationslagern gesetzt wird. Daher fallen pro Stein insgesamt Kosten in Höhe von 120 Euro für Material, Fertigung und Verlegung an. Die Patenschaft für zwei Steine werden die Grünen selbst übernehmen, betonen sie. In einer kleinen Zeremonie findet dann die Verlegung statt.

Jeder der Interesse an der Aktion hat, sei es durch Mitarbeit bei der Recherche und Planung, sei es durch finanzielle Unterstützung, kann sich melden bei den Grünen in Bad Lippspringe. Auf dem Foto stemmen sich die Mitglieder der Grünen Fraktion Bad Lippspringegegen das Vergessen:  v.l. Barny Bürger, Luka Schütte, Dr. Gerda Werth, Norika Creuzmann, es fehlt Alexander Fehmer.

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