Heinrich Böll – ein Zwischenruf: POLITIK

Politik ist weder eine Wissenschaft noch eine Kunst, sie ist nicht einmal ein Handwerk, sie ist ein von Tag zu Tag sich neu orientierender Pragmatismus, der bemüht sein muß, die Macht und deren Möglichkeiten übereinanderzubringen.

Von Karl Liebknecht stammt wohl der Satz ‚Politik ist die Kunst des Unmöglichen´. In dem Verständnis mit hohem Zielansatz möglichst viel zu erreichen. Böll bringt hier fast die Antithese auf, als ob der Satz auf Liebknecht gemünzt wäre. Er hat wohl die ewigen Ideologen im Sinn und die verheerenden Folgen ihrer Politik.  Böll‘s Satz lässt ja offen, woher die Macht kommt und wie deren Möglichkeitsraum bestimmt wird. Ein einfaches ‚Trial and Error‘ bzw ‚There is no alternativ‘ sehe ich in dem ‘von Tag zu Tag sich neu orientierenden Pragmatismus’ nicht. Heute steht der Pragmatismus á la Merkel ja von allen Seiten in der Kritik. Für mich persönlich gilt: Als Böll den Satz verfasst hat, habe ich für Politik als  radikale Umwälzung geschwärmt, heute sehe ich ‚Durchwurschteln‘ in die richtige Richtung als Erfolg.

Klaus Schüssler, Trägerkreis Grüner Salon Paderborn

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