HBS NRW – Grüner Salon Paderborn

Über die Stiftung und den Salon

boell nrwIn Zeiten medialer Überflutung und der stärker werdenden Orientierung an schlagzeilenträchtiger Rhetorik, gerät ein Wesensmerkmal der Demokratie zunehmen in den Hintergrund: Die freie Meinungs- und Willensbildung, die auf dem Austausch unterschiedlicher Argumente beruht.

Der Grüne Salon Paderborn will als Ort der politischen Debatte und Reflexion entgegenwirken, der den Austausch der Meinungen fördert und sachliche Kontroversen zulässt, jedoch ohne reflexhafte Zuspitzung und Verkürzung.

Der Grüne Salon ist ein Debattenformat der Heinrich Böll Stiftung NRW. Gemäß deren Statuten versteht sich auch der Grüne Salon Paderborn als unabhängig, jedoch grün-nah. Mehr über das Selbstverständnis …

Alle Debatten des Grünen Salons Paderborn enden nach zwei Stunden. Die Themen und Orte wechseln. Der Eintritt ist frei.

 

MENSCHENRECHTE SCHÜTZEN: MIT ODER OHNE WAFFEN!?
Lebhafte Diskussion beim Grünen Salon und pax christi

Personen von links nach rechts: Ulrich Wohland, Manfred Jäger (pax christi), Winfried Nachtwei, Werner Graf (Grüner Salon)

Am Sonntagmittag, versammelten sich im KIM-Forum an der Detmolder Straße mehr als 20 Zuhörer und Diskutanten. Eingeladen hatten der Grüne Salon Paderborn und der pax christi-Diözesanverband Paderborn. Impulse wurden gegeben von Winfried Nachtwei, dem ehemaligen verteidigungspolitischen Sprecher der grünen Bundestags-fraktion, aus Münster und Ulrich Wohland, Gründer der „Werkstatt für gewaltfreie Ak-tion“, angereist aus Heidelberg.

Ulrich Wohland zeigte sich trotz aller Rückschläge sehr optimistisch und sieht historische Fortschritte in Richtung einer der Verantwortungsethik verpflichteten Friedenslogik im Gegensatz zu einer militärische Mittel einsetzenden Sicherheitslogik. Er macht das fest an der weltweiten Ächtung der Atomwaffen, an den nachhaltigen Erfolgen gewaltfreier Auf-stände bis hin zu den Leitlinien der Bundesregierung zur nicht-militärischen Konfliktbear-beitung, die er trotz Kritik für einen Fortschritt hält. Grundsätzlich macht er deutlich, dass Gewalt nie zur Humanisierung geführt hat. Er hält die ‚humanitäre Intervention‘ für ein reines Legitimationsschema.

Die Kernthese von Winfried Nachtwei ist: Es gibt eine Schutzverantwortung, abgeleitet aus der UN-Charta, die militärische Gewalt nicht grundsätzlich ausschließt. Er berichtet von vielen Konflikten und politischen Auseinandersetzungen wie die im ehemaligen Jugo-slawien oder im afrikanischen Staat Ruanda und sieht vor allem bei der ‚Großgefahrenab-wehr und dem Aufkommen von Massengewalt‘ kurzfristig keine Alternative zu militäri-schen Einsätzen, schlicht und ergreifend um noch schlimmere Entwicklungen und Eskala-tionen zu verhindern. Langfristig sieht er aber nur in der Prävention, struktureller Vorbeu-gung und zivilen Konfliktbearbeitungsmethoden erfolgversprechende Mittel der Frie-denssicherung. Aus seiner Innensicht auf die Bundeswehr macht er darauf aufmerksam, dass er keine Militärs kenne, die ‚Gewalt als erlösend‘ einsetzen wollten.

Eine kontroverse Diskussion folgte vor allem zu dem Punkt „Mythos der erlösenden Ge-walt“. Prof. Dr. Walter Wink, amerikanischer Theologe, Professor für Biblische Exegese, beschreibt dieses Phänomen: „Er (der Mythos der erlösenden Gewalt) heiligt den Glau-ben, dass Gewalt retten kann, dass Gewalt Frieden bringt, dass Macht Recht macht. Er ist eines der ältesten, ständig wiederholten Geschichten in der Welt.“

Den Moderatoren gelang es hervorragend spannende Widersprüche und Gemeinsamkei-ten aus den Beiträgen der beiden Gäste herauszuarbeiten. Unter anderem wurden die Themen Rolle der Medien, Waffenhandel, Rohstoffinteressen, Haltung und Wandel der Grünen Partei angesprochen und diskutiert.

Die Diskutanten auf dem Podium und im Plenum waren sich einig: Zivile gewaltfreie Kon-fliktbearbeitung wird zu wenig als Option eingesetzt und ist finanziell im Vergleich zum
Militärhaushalt schlecht ausgestattet; militärische Mittel stehen sofort und in großem Umfang zur Verfügung, der gewaltfreie Weg braucht Zeit, ist aber nachhaltiger.

Der Weg von der Sicherheitslogik, die auf Abschreckung und den Einsatz von Waffen setzt, hin zur Friedenslogik muss weiterentwickelt und pragmatisch umgesetzt werden. Prävention ist notwendig und das schließt auch ein, die Ursachen kriegerischer und gewalttätiger Auseinandersetzungen zu bekämpfen.