Ralf Fücks im September

Ökologisches Wirtschaftswachstum?

ralf fücks_haxterparkDer Grüne Salon griff die legendäre Formel ‚Grenzen des Wachstums‘ auf, um den Konflikt zwischen Wohlstand und Ökologie, zwischen Wirtschaftswachstum und Ressourcen zu thematisieren. Der Vorstand der Heinrich Böll Stiftung und Autor des Buches ‚Intelligent wachsen. Die grüne Revolution‘, Ralf Fücks bezog engagiert Position gegen die These der Postwachstumsökonomie. Die Moderatoren der Veranstaltung, Klaus Schüssler, von der AG Nachhaltigkeit der Grünen, und Dieter Wiedemeier, konfrontierten den früheren Bremer Umweltsenator mit den aktuellen Fragen: Wie kann der ökologische Kollaps unserer Welt mit bald 9 Milliarden Menschen verhindert werden? Müssen wir uns alle einschränken?

Trotz der drängenden Umweltprobleme – Welternährung, Endlichkeit der Rohstoffe, Energieversorgung, globale Wasserknappheit, Verlust von Wäldern und Ackerland, Treibhauseffekt, Kohlendioxidausstoß, zugespitzt auf das zentrale Thema Klimawandel – überrascht Ralf Fücks die zahlreichen Teilnehmer mit einer zuversichtlichen Prognose. Die Welt kann trotz aller Umweltprobleme gerettet werden. , Das Wachstum darf und wird im globalen Maßstab weitergehen. Wir alle werden sogar eine bessere Zukunft haben, lautete seine optimistische Botschaft, allerdings nur, wenn wir es intelligent anstellen.

Als politische Antwort schlägt er den Aufbruch in eine ökologische Moderne, eine ‚grüne Revolution‘ vor, ein Wirtschaften mit der Natur. Der springende Punkt des Konzepts ist es, die Produktionsweise qualitativ so zu verändern, dass sie vom Ressourcenverbrauch abgekoppelt wird, um Wohlstand ohne Zerstörung der Natur zu ermöglichen. Diese Abkoppelung soll erreicht werden durch regenerative Energieerzeugung, Effizienz im Umgang mit Ressourcen und vernetzte Wertstoffkreisläufe, also z. B. abfallfreie Produktionsketten.

Politisch programmatisch formuliert er, als Visionär was möglich wäre. Aber als Praktiker kennt er auch die Schwierigkeiten der Umsetzung. In der chemischen Industrie lassen sich deutliche Energieeinsparungen und Verbünde beobachten, wenn auch die Potenziale immer nur in dem bescheidenen Maß ausgeschöpft werden, wie sich Kostenersparnisse rechnen. Auf dem Feld der ökologischen Landwirtschaft scheint dagegen, wie in der Diskussion deutlich wurde, fast eine Stagnation durch Überregulierung zu drohen. Ebenfalls aus dem Publikum wurde auf die Konkurrenz von Biosprit und Lebensmittelproduktion hingewiesen, wie auch auf die Rolle der Verbraucher, ihre Verantwortung, Ethik und Bewusstseinsveränderung. Bei allem Eingehen auf konkrete Umsetzungsprobleme zeichnete sich jedoch die Haupttendenz durch: Die Politik soll bei der Produzentenverantwortung ansetzen, statt an die Verbraucher zu appellieren, sich einzuschränken.

Mancher Zuhörer fragt sich freilich: Wie wahrscheinlich ist es, dass sich in der Politik und in der Wirtschaft die jeweils intelligenteste Problemlösung durchsetzt? Müssen wir nicht selber mehr tun?