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Paderborner Klimakonferenz treibt konkrete Projekte voran: Einstimmig verabschiedete Paderborner Erklärung

16 konkrete Selbstverpflichtungen und eine Forderung stehen am Ende der ersten Paderborner Klima-Konferenz. Auf Initiative des Grünen Salons kamen gut 100 Interessierte, Umweltorganisationen und Naturschutzverbände am Samstagnachmittag im Gasthaus Haxterpark zusammen, um zu beraten, wie das Klima in Paderborn verbessert und der Erderwärmung entgegengewirkt werden kann. Unter ihnen auch die Technische Beigeordnete Claudia Warnecke, der neue Klimamanager der Stadt Torsten Strodiek, die grüne Landtagsabgeordnete Sigrid Beer und als Impulsgeber Hermann Ott vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.

Als Zeichen für die Nachhaltigkeit pflanzten die Beteiligten einen Apfelbaum. Die Sorte Edelborsdorfer ist seit dem 11. Jahrhundert bekannt, fast ausgestorben und hat nun deutschlandweit nun an einem 31. Standort am Rande des Golfplatzes auf der Haxterhöhe gefunden.  Das Foto zeigt (v.l. im Vordergrund) Michael Schneider (BUND), Sigrid Beer (MdL), Hermann Ott (mit Kappe), die Technische Beigeordnete Claudia Warnecke, Brigitte Tretow-Hardt, und Katharina und Markus Müller (BUND), Helmut Böhner (Haxterpark) ganz rechts.

Nach einer Gedenkminute an die Opfer in Paris skizzierte Hermann E. Ott vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie die Ergebnisse der Weltklimakonferenzen. Zwar ständen alle entscheidenden Themen in den Vorlagen für die Klimakonferenz in Paris. Aber am Ende einige man sich aufgrund des Konsensprinzips nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, zeigte sich der Senior Adviser globale Nachhaltigkeits- und Wohlfahrtsstrategien skeptisch. „Mit den Klimakonferenzen ist es wie mit einem Elefanten, von dem erwarten sie ja auch nicht, dass er fliegt.“ Stattdessen wirbt Ott zusammen mit anderen internationalen Wissenschaftlern für eine „Allianz der Klimapioniere“ und verweist auf den früheren Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU), der ambitionierte Klimaziele mit dem Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht gesetzt und erreicht hat.

Zwei Wochen vor der Pariser Klimakonferenz gelang es den Paderborner Beteiligten aber doch, sich an 12 Thementischen auf konkrete lokale Ziele und die verantwortlichen Initiatoren zu verständigen. Eine zweite Paderborner Klima-Konferenz wird am 20. November 2016 die Fortschritte überprüfen.

Gleich mehrere Vorhaben zielen darauf, in Paderborn ein Car-Sharing zu etablieren, um die Verkehrsbelastungen zu senken. Der Umweltverein progrün wird mit Unterstützung von PRO BAHN eine Initiative gründen. Die BUND-Kreisgruppe Paderborn arbeitet eine Vortragsreihe aus, anhand der die Verbindung von menschlichem Handeln, örtlichem Naturschutz und Klimaschutz aufgezeigt wird. Die Initiative für die Umsetzung ergreift der BUND Paderborn.  Ein saisonales Klima-Kochbuch mit Infos zu regionalen Nahrungsmitteln entsteht mit Rezepten von Praktiker*innen und Informationen zum CO2-Aufwand. Zusammen mit der Verbraucherzentrale Paderborn entwickeln Engagierte eine Informationsoffensive zu klimaneutralem, ökologischem und nachhaltigem Neubau und Sanierung der Gebäude, die zur PADERBAU starten soll.

Angeregt durch die jüngste Umweltenzyklika des Papstes „Laudato si‘“ plant das Soziale Bündnis Paderborn einen Bankencheck kommunaler Einrichtungen mit dem Kriterium der „nachhaltigen Entwicklung“. Der Grüne Salon Paderborn will zwei mittelständische Unternehmen gewinnen, an einem Projekt der Effizienz-Agentur (EFA) in Bielefeld teilzunehmen und das Thema mit der Wirtschaftsförderung und dem Technologiepark Paderborn. Greenpeace informiert über Erfahrungen mit ökologischen Projekt für integrierte Umwelt-Technik in der Stadtverwaltung einer Großstadt (ÖKOPROFIT) und setzt auf eine Kampagne zur Verwendung von Umweltschutzpapier. Der Verein „Kaffeebohne“ motiviert alle städtischen Einrichtungen, weitere Ideen aus „Fairtrade Town Paderborn“ umzusetzen. Die Initiative Transition Town präsentiert in 2016 mit „Change“ und „Vierte Revolution“ ausgewählte Kinofilme zu grundsätzlichen Aspekten der Klimaveränderung.

Mit Blick auf die regionalen Folgen der Klimaerwärmung appellierte der progrün-Gründer Fritz Buhr an die Verantwortlichen der Stadt, Flächen für großkronige Bäume im Innenstadtbereich zu nennen, Mittel für die Baumpflanzung bereitzustellen sowie bei Neubaugebieten Trink- und Brauchwasser zu trennen. Auch diese Forderung fand Eingang in die Paderborner Erklärung, die von den Anwesenden einstimmig verabschiedet wurde.

Für den klangvollen Abschluss der Klima-Konferenz sorgte der Jazz-Chor Sing’n Swing unter Heiko Isermann. Die geplante Party wurde angesichts des Terroranschlages in Paris abgesagt.

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