Willkommenskultur lebt auf – Stadtbevölkerung zeigt AfD die rote Karte mit kunterbunter #paderdemo

Paderborn hat sich mächtig bewegt. Eine kleinere Völkerwanderung ist vom Rathaus und vom Hauptbahnhof zum Floriansparkplatz, der früheren alte Feuerwache, aufgebrochen, um gerade nicht dem St. Florians-Prinzip zu huldigen, was da lautet „Verschone unser Haus, zünd‘ andere an!“  Sondern auf vielfältige Weise, an Asylrecht und Gastfreundlichkeit in Paderborn keinerlei Zweifel aufkommen ließen.

Stillstand dagegen bei den Biedermeiern und Brandstiftern von der AfD, die nicht wie geplant im Riemeke-Viertel provozieren konnten, sondern auf dem Westerntor durch zivilcouragierte Menschen festgesetzt wurden.

Das Fehlen einiger Bürger der Stadt fiel auf. Aber was sind schon Zahlen: Ungefähr zehn zu eins? Oder eher sechs zu eins? Die Polizei revidierte im Laufe des Abends mehrfach ihre Schätzungen.

Allein die Botschaften zählen. In luftiger Höhe am Turm der Herz-Jesu-Kirche setzt das Bibelzitat „Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten“ den Grundton. Pfarrer Thomas Stolz vom katholischen Pastoralverbund appellierte, sich für Frieden, Gerechtigkeit einzutreten und Solidarität mit Armen und Geflüchteten zu üben und „Menschen das Gespräch zu suchen, die sich überfordert sehen“. Zu vorgerückter Stunde, als einige kalte Füße bekommen hatten, erinnerte Pfarrer Christoph Keyenburg vom evangelischen Kirchenkreis an das Asylrecht, eine Spielregel nach der Befreiung vom NS-Regime und Kriegshetzern gesetzt, um die Würde eines jeden Menschen zu schützen.

Deutschland sei dabei Geschichte zu schreiben, lobt Ümüt Yurmut von der Schura aus „ganzem Herzen“, indem Hundertausende von ehrenamtlichen Helfern „Menschen aus fremden Kulturen und Religionen mit äußerster Nächstenliebe und Humanität begegnen, sie willkommen heißen und ihre Freizeit opfern damit, sie sich in diesem Land ein wenig aufgehoben fühlen. Das ist auch unser Land, das ist unser Vaterland! Wir sind stolz auf dieses Land und diese Menschen!“

Yurmut erinnerte an die weltweit verübten feigen und barbarischen Anschläge. “Diese Gewalt kann nicht von gläubigen Menschen mit Herz und Verstand verübt werden”.  Es werde wieder einmal eine Religion instrumentalisiert. Ein Übel, ebenso wie jene Menschen, die auf komplexe Fragen der Gesellschaft, denen, die Angst hatten,  die einfache Antwort vorgaukeln würden, Deutschland zu retten, wenn nur Mitbürger mit Migrationshintergrund ausgewiesen und Flüchtlinge an den Grenzen abgewiesen würden. “Diese Forderungen sind menschenverachtend, rassistisch und haben in dieser Gesellschaft des 21. Jahrhunderts nichts zu suchen”, urteilte der Schra-Vertreter.

In Paderborn herrsche ein „Klima des friedlichen Miteinanders“. Keine Selbstverständlichkeit, akzentuiert Sohail Ahmed. Der Vorsitzende des Paderborner Integrationsrates hat den Aufbau in mühsamer Kleinarbeit über Jahrzehnte miterlebt. „Das lassen wir uns durch Stimmungsmache nicht kaputtmachen.“ Ganz im Gegenteil wünscht er sich, dass alteingesessene Migranten sich noch mehr für Flüchtlinge engagieren. „Sie können wichtige Schlüsselfunktionen übernehmen, um die Neuankömmlinge besser aufzuklären, um zu integrieren.“

Durchweg wurden von allen Rednern die Übergriffe in der Silvesternacht aufs Schärfste verurteilt und eine zügige und umfassende Aufklärung gefordert. Mit Blick auf Köln erklärt die Gewerkschaftlerin und Linke Martina Schu, dass Gewalt gegen Frauen ist immer Männergewalt. Dagegen gehe es anzugehen, nicht nur auf der Domplatte. „Übelsten Missbrauch“ betreibe aber die rassistische AfD, indem sie die Frauen instrumentalisiere. Von einem völlig falschen Generalverdacht gegen Flüchtlinge sprachen Politiker wie Religionsvertreter. „Weder von den populistischen Parolen der AfD, noch von den Straftätern von Köln, lassen wir uns unser friedliches Zusammenleben kaputt machen“, bringt es Sohail Ahmed auf den Punkt.

Ein Resümee der anderen Beiträge folgt.

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