Busfahrgäste im Regen stehen lassen? – Grüne Ratsfraktion: Verlagerungspläne Zentralstation wenig überzeugend

Bisher können die Pläne zur Verlagerung der Zentralstation an die Westernmauer kaum überzeugen, finden die Grünen im Rat der Stadt Paderborn. Eine „neue Zentrale Omnibushaltestelle“ (ZOH) an der Westernmauer müsse vor allem für die Busfahrgäste handfeste Vorteile bringen. Bisher sei man davon jedoch weit entfernt, erläutern die Grünen in einer ausführlichen Stellungnahme.

Rathausplatz, Kamp, Westerntor, hier steigen die meisten Fahrgäste des Padersprinters ein und aus. Im Vergleich dazu friste die heutige Zentralstation derzeit ein Schattendasein. Ursache dafür ist nach Ansicht der Grünen, dass man die Zentralstation über die Jahre massiv habe verkommen lassen. „Vor allem schlechte Beleuchtung und unvollständige Reinigung führen dazu, dass die Zentralstation für viele Menschen einfach ein Angstraum ist“ erläutert der Sachkundige Bürger im Bauausschuss Stefan Schwan.  Lässt man einmal das so entstandene Negativimage außen vor, sieht man, dass die Zentralstation einige deutliche Vorteile hat.“ Neben kurzen Wegen für Busnutzerinnen und dem guten Schutz bei Wind und Wetter sehen die Grünen als Vorteile keinen zusätzlicher Parksuchverkehr und die Vermeidung von weiteren Stickoxiden.

Wege zur Westernstraße zu verlängern bedeutet, Einzelhandel zu schwächen

Bei einer Verlagerung solle sich  die neue Busstation entlang der Westernmauer von der bisherigen Station Westerntor bis zur Marienstraße ziehen. Dies mache den Weg für Busnutzer bis zur Westernstraße im Zweifel um 200 bis 300 Meter länger. Auch wenn dies auf den ersten Blick als nicht viel erscheine, sei es besonders für mobilitätseingeschränkte Personen zu viel, finden die Grünen. Auch nach dem Einkauf mit Tüten und Taschen bepackt sei jeder zusätzliche Meter eine Belastung für die ÖPNV-Nutzung. Fast 60% der Paderborner kämen nach Verkehrserhebungen mit dem Bus, dem Fahrrad oder zu Fuß in die Innenstadt, diejenigen, die das Auto für Fahrten in die Innenstadt nutzten, seien in der Minderheit.

Eine verschlechterte Situation für den ÖPNV wirke sich also auch auf die Attraktivität der Innenstadt aus und könne den Einzelhandel belasten. Wenn man die zentrale Haltestelle verlagere, müsse daher mindestens ein neuer Halt am Marienplatz oder der Marienstraße ergänzt werden. „Es ist nicht vorstellbar, dass weitere Parkplätze auf der Fläche der alten Zentralstation geschaffen werden und damit noch mehr Autos unmittelbar in die Innenstadt kommen, aber Busfahrgäste längere Wege zurücklegen sollen. So einen Unfug werden wir nicht mitmachen,“ meint Schwan.

Sollte ein neuer ZOH von den Kunden nicht angenommen werden, kann es nach Ansicht der Grünen zu einem deutlichen Fahrgastrückgang kommen. Dass es sich hierbei nicht nur um Mutmaßungen handelt, illustrieren die Grünen am Beispiel Coburg: Dort hat vor eineinhalb Jahrzehnten eine Verlagerung der zentralen Bushaltestelle in ähnlicher Dimension (Verlegung um 300 Meter) zu einem Fahrgastrückgang von gut 10% geführt. Bezogen auf Paderborn hieße ein Rückgang in dieser Größenordnung einen Fahrgastverlust von 4000 Fahrgästen, einen zusätzlichen innerstädtischen Parkraumbedarf von ca. 100-150 Parkplätzen und einen jährlichen zusätzlichen Zuschussbedarf an den Padersprinter von 1,5 bis 2 Millionen Euro, rechnen die Grünen vor. „Wir gehen in Paderborn nicht von einem Rückgang in dieser Größenordnung aus, aber man muss solche Szenarien bei einer ehrlichen Abwägung auf jeden Fall mit in Betracht ziehen“ findet der grüne Verkehrsexperte Stefan Schwan.

Das heißt für die Grünen im Umkehrschluss: Eine neue ZOH darf keine Verschlechterung bedeuten, sondern es muss handfeste verkehrliche Vorteile bieten, um von den Kunden positiv angenommen zu werden. „Da haben die Planer bisher ihre Hausaufgaben nicht gemacht“, finden die Grünen.  Das Ziel der Planung sei bisher anscheinend nur die Beseitigung der bisherigen Zentralstation gewesen. Ein unbrauchbarer Ansatz, so die Grünen. „Am Ende des Tages interessiert die Leute doch nicht, ob die Haltestelle schön aussieht, sondern ob der Bus dahin fährt, wo man hin will“, meint Schwan.

ZOH bietet wenig Schutz vor Wind & Wetter sowie vor Stickoxiden

Trotz der verkommenen Umgebung biete die bestehende Zentralstation einen guten Schutz vor Wind und Wetter. Mit einer neuen ZOH an der Westernmauer dürfte ein solcher Wetterschutz für Fahrgäste und Einkäufe der Vergangenheit angehören. Zudem befürchten die Grünen, dass Buswartehäuschen am Wall schnell durch Laub und Witterung unansehlich und dreckig aussehen würden. Eine ZOH an der Westernmauer ist für die Grünen nur denkbar, wenn für dieses Problem eine Lösung gefunden werde.

Ein weiteres Problem sehen die Grünen in der Abgasbelastung an der Friedrichstraße. Im Bereich des geplanten ZOH würden regelmäßig Stickoxidgrenzwerte überschritten. „Wir sind sehr gespannt, wie man die Busfahrgäste vor dieser Gesundheitsgefährdung schützen will“ äußern die Grünen. Davon dürften auch wartende Fahrgäste betroffen sein. Zudem führe die geplante ZOH zu weiteren Belastungen für den Knotenpunkt Westerntor und die Friedrichstraße. Maßnahmen der Verwaltung zur signifikanten Senkung der Schadstoffwerte an Westerntor und Westernmauer seien den Grünen bisher nicht bekannt. Sie fordern deshalb die Verwaltung auf, die Darstellung der Schadstoffsituation an der Westernmauer mit in die nächste Bürgerbeteiligung zur ZOH aufzunehmen.

Das bisherige Fazit der Grünen: „Für die Busfahrgäste ist die neue ZOH bisher keine Verbesserung im Vergleich zu einer aufgewerteten Zentralstation. Vielfach wird eine Verlagerung für die Fahrgäste Nachteile bedeuten. Die Fußwege in die Innenstadt werden weiter und mit einer dauerhaften Verbesserung von Sauberkeit und Attraktivität rechnen wir auch nicht.“

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