Sigrid Beer: “Das Recht seinen Glauben zu leben oder frei von Religion zu sein ist ein Kern unseres Grundgesetzes”

Die Weltanschauungslandschaft hierzulande ist pluraler, vielfältiger und freier geworden. Trotzdem stoßen wir immer noch auf “Kirchturmsdenken”, religiöse Vorurteile und Konflikte werden von interessierter Seite instrumentalisiert. Gründe genug für uns Grünen, am Sonntagmorgen auf der BDK in Münster darüber zu debattieren, wie Menschen mit unterschiedlichen Bekenntnissen friedlich miteinander zusammen leben. Am Ende standen die Grundsätze grüner Religionspolitik.

Sigrid Beer hat den Beschluss zur Religions- und Weltanschauungsfreiheit in der offenen Gesellschaft mitformuliert und in Münster das Wort ergriffen. Ihre Rede findet sich auch auf youtube. Im Vorfeld hatte sie einen religionspolitischen Kongress (Foto) im Düsseldorfer Landtag organisiert.

“Liebe Freundinnen und Freunde,

Wir alle sind NRW! Unter diesem Leitmotiv haben wir Grüne im Landtag darauf reagiert und den Protest mitorganisiert, als die Rechtspopulisten versucht haben den PEGIDA-Ableger DüGida in Düsseldorf zu etablieren und gescheitert sind. Wir alle sind NRW. Junge und Alte, Frauen und Männer, Menschen die schon Generationen in diesem Land wohnen, oder die gerade zu uns gekommen sind, religiös oder weltanschaulich verortete Menschen genauso wie religionsfreie.

Das ist die Stärke dieses Bundeslands. Wir sind eine plurale Gesellschaft. Wir sind längst Einwanderungsland gewesen. Wir verstehen uns auf Vielfalt mehr als andere. Menschen, die vor religiöser Verfolgung, die wegen diktatorischem Eingriff in die Meinungsfreiheit und wegen Bedrohung ihrer Freiheit zu uns kommen, haben bei uns Aufnahme gefunden. Ohne das humanitäre Engagement der Zivilgesellschaft, u .a. auch der Kirchengemeinden und der Moscheegemeinden hätten wir die Aufgabe bei aller Anstrengung des Landes nicht stemmen können.

Die Wahrung der Menschenrechte, der Freiheits- und Gleichheitsrechte, Religions- und Meinungsfreiheit, der Gleichheit von Mann und Frau  und die Unantastbarkeit der Menschenrechte muss gemeinsam verteidigt werden. Gegen die Abschottungsrhetorik, gegen die, die die gesellschaftlichen und realen Mauern hochziehen wollen, setzen wir das gemeinsame Gestalten einer pluralen demokratischen Gesellschaft.

Das ist anstrengend. Aber es ist eine Anstrengung, die sich lohnt, weil sie mit dem klaren Kompass der Verfassung das friedliche Miteinander gestaltet und gegenseitigen Respekt lebt. Das demokratische Gegenmodell zu den Brandstiftern und Brunnenvergiftern, den Hasspredigern und Hetzern, die versuchen, Stimmungen zu schüren.

Wer gegen des Islam hetzt, stellt sich grundsätzlich gegen die Religionsfreiheit, der meint uns alle. Es sind unverhohlener Rassismus, Hass und Menschenverachtung, die da propagiert werden.

Das Recht seinen Glauben zu leben oder frei von Religion zu sein ist ein Kern unseres Grundgesetzes und Lehre aus einer unheiligen Zeit. Die Arbeit in der Kommission war in der Tat stilbildend.

Wir alle sind Grüne. Dazu gehört der Respekt untereinander, der Respekt vor den unterschiedlichen Motiven, sich bei den Grünen zu engagieren und sich an der Gestaltung dieser Gesellschaft mitzuwirken. Es ist gelungen Schluss zu machen mit gegenseitigen Zuschreibungen und Stereotypen.

Wer sich einer Religionsgemeinschaft zugehörig fühlt, gibt das kritische Denken und Handeln nicht an der Kirchentür ab. Und wer die Trennung von Staat und Religion, die Ablösung von Staatsleistungen oder das kirchliche Arbeitsrecht in der Kommission kritisiert, ist nicht religions- oder kirchenfeindlich. In diesem gegenseitigen Verständnis wollen wir den gesellschaftlichen Diskurs über „Weltanschauungen, Religionsgemeinschaften und Staat“ führen.

Und das nehme ich gleich mal auf:  Wir haben hier zum Thema Soziale Gerechtigkeit den DGB Vorsitzenden Reiner Hoffmann gehört und Ulrich Lilje, den Präsidenten der Diakonie Deutschland.

Es muss Schluss sein mit den Auseinandersetzungen um das Streikrecht bei kirchlichen Arbeitgebern. Die evangelische Nordelbische Kirche hat sich auf den Weg gemacht und zeigt dass es anders geht Es gibt Tarifverträge mit den Gewerkschaften. Das ist die richtige Richtung. Kirchen und Gewerkschaften sollten ihre Energien bündeln und dafür einstehen, dass es im sozialen Sektor keinen Dumping-Wettbewerb gibt, die Allgemeinverbindlichkeit eines Sozialtarifs gewährleitet ist und dass sie gemeinsam für die sachgerechte Refinanzierung kämpfen. Wir sind als Grüne mit dabei.

Ob aus christlichem Menschenbild, religiösen oder humanistischen Motiven. Es geht um Gerechtigkeit, Solidarität und Menschenwürde in dieser Gesellschaft, Freiheit und Gleichheit, das ist demokratische Grundsubstanz. So wollen wir die Pluralität und das Verhältnis von Weltanschauungen, Religionsgemeinschaften und Staat im kritisch konstruktiven Diskurs miteinander gestalten.”

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