Grüne als Vorreiter: Mülldeponie jetzt ein Energiezentrum mit Windkraft

Nach vierjähriger Planungs-­ und Bauzeit sind am Entsorgungszentrum Alte Schanze des Kreises Paderborn zwei Windenergieanlagen in Betrieb genommen worden. Für den Kreis Paderborn ist das 10-­Mio-­Euro-­Projekt zwischen Wewer und Scharmede die größe Einzelinvestition, die jemals realisiert wurde. Betreiber der Anlagen wird die kreiseigene AVE GmbH sein.

Die Kreistagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen ist sehr zufrieden, dass sich das Entsorgungszentrum zu einem Energiezentrum mit Windkraftnutzung entwickelt hat. Anträge zur Nutzung von Wind und Sonne hatte die Fraktion als Vorreiter für den Klimaschutz bereits vor 12 Jahren in den Kreistag eingebracht, erinnert sich Horst Schulze-­Stieler. Doch der CDU-­Landrat und die CDU-­Mehrheit blockten jahrelang ab.
Neuer Schwung kam erst im Jahr 2011 in die Diskussion, als das Klimaschutzkonzept für den Kreis Paderborn verabschiedet wurde. Denn im
Konzept spielt das Entsorgungszentrum Alte Schanze eine wichtige Rolle.

Neben dem Betrieb eines Wärmenetzes und eines Kraftwerks zur Verstromung von Deponiegas sind für das Gelände rund um die Mülldeponie
auch eine energetische Nutzung von Sonne und Wind vorgesehen. Im Jahr 2012 stellte die Kreisverwaltung erste Überlegungen zur Errichtung
einer eigenen Windenergieanlage an. Als der Kreistag dann beschloss, die Energieerzeugung als neuen Gesellschaftszweck in die Satzung der
kreiseigenen AVE GmbH aufzunehmen, wähnten die Grünen im Kreistag sich am Ziel ihrer Energie-­ und Klimaschutzinitiative. Doch im Sommer 2014 gab es einen schweren Rückschlag zu verzeichnen. Die Millionen-­Investition stand plötzlich auf der Kippe, weil CDU-­Vertreter kalte Füße bekamen, erinnert sich Jürgen Wrona, sachkundiger Bürger der Grünen. CDU-­Kreistagsmitglied Bernhard Troja hatte sich als Vorsitzender des AVE-­Aufsichtsrats zwar für den Einstieg in die Windenergie engagiert, doch den Landrat und einige Parteifreunde im Kreistag überkamen angesichts der anstehenden Kommunalwahl doch noch Bedenken.

Das alles ist jetzt vergessen. Landrat Müller verkündete am vergangenen Freitag bei der Einweihung des 10-­Mio-­Euro-­Projekts stolz, dass mit den
beiden Windenergieanlagen ein wesentlicher Baustein des Klimaschutzkonzepts umgesetzt werde. Positiver Nebeneffekt: Die Gebührenzahler werden auch noch entlastet, weil die Einnahmen aus der Windenergie in die Berechnung der Abfallgebühren einfließen.

Die Kreistagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen begrüßt, dass Landrat Müller (CDU) seine Haltung zu dem Projekt geändert hat, wirft ihm jedoch vor, die Bedeutung der Windenergie für den Klimaschutz nicht offensiv zu vertreten und vor Windkraftgegnern zu kuschen. Denn Öffentlichkeit und Presse waren zur Einweihung nicht eingeladen. Die symbolische Schlüsselübergabe erfolgte nur im internen Kreis. Und das, obwohl es sich um die größte Einzelinvestition in der Geschichte des Kreises Paderborn handelt.

Die Grünen meinen: Es gibt allen Grund, auf die 10-­Millionen-­Euro-­Investition am Entsorgungszentrum Alte Schanze stolz zu sein – und auch die CDU-­Vertreter sollten zu dem Projekt öffentlich stehen.

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