Die Nuklearkatastrophe von Fukushima rüttelt in Paderborn auf – Augenzeuge berichtet vor dem Rathaus

Fast sechzig Leute erinnerten sich am Sonntagabend bei der Mahnwache vor dem Paderborner Rathaus an die Nuklearkatastrophe in Fukushima. Die Grünen und Umweltverbände hatten zum politischen Gedenken aufgerufen. Morgen, um 18:30 Uhr wird die BUND-Ausstellung „Tschernobyl, Fukushima und wir“ in der Stadtbibliothek eröffnet.

„Auch in meinem Kopf hat eine Art Kernschmelze stattgefunden“, schilderte Jürgen Oberbäumer gestern abend seine Eindrücke aus Fukushima. Der gebürtige Mindener hatte das vierminütige Erdbeben durchlebt und war knapp dem Tsunami entkommen. In der folgenden Nacht hätten sich die Gerüchte verdichtet, dass im Reaktor etwas Schlimmes vorgefallen sei. In dem ausgebrochenen Chaos habe er seine japanische Frau in einem Evakuierungszentrum wiedergefunden und sei vom Unglücksort geflohen. „Wenige Tage vorher hatte Tepco mit der japanischen Regierung eine zehnjährige Laufzeitverlängerung für das AKW ausgedealt“, merkte Oberbäumer an. Inzwischen unterdrücke die Energielobby jegliche Diskussion in Japan über die Atomindustrie.

Angesichts der Risiken rief die grüne Kreisvorsitzende Norika Creuzmann zum beschleunigten Ausstieg aus der Atomkraft aus. „Eine Kernschmelze ähnlich wie in Fukushima in den belgischen Schrottreaktoren Thiange und Doel oder im 60 Kilometer entfernten Grohnde würde große Teile NRWs unbewohnbar machen. Radioaktivität kennt keine Grenze und braucht deshalb sofort eine Grenze.“ Creuzmann plädierte für die folgerichtige und konsequente Energiewende und prangerte an, dass sich die neue Bundesregierung von den Zielen des Pariser Klimaabkommens faktisch verabschiedet habe.

Bei der anschließenden Lesung im Café Röhren diskutierten Teilnehmer der Mahnwache mit Oberbäumer weiter über die Folgeschäden und notwendigen Konsequenzen.

 

Verwandte Artikel