Kleine Orte nicht abhängen! – Grüne fordern im nph neue ÖPNV-Mindestbedienstandards

Die Grünen in der Verbandsversammlung des Nahverkehrsverbund Paderborn/Höxter (nph) fordern für beide Kreise, dass auch kleinere Ortschaften jede Stunde und in jede Richtung den öffentlichen Bus nutzen können. Zur Zeit wird ein neuer Nahverkehrsplanes für das Hochstift erarbeitet. In diesem Plan soll festgelegt werden, welche Orte wie an das öffentliche Busnetz angebunden werden. Es steht unter anderem zur Diskussion, dass Ortschaften unter 500 Einwohnern nur über den Schülerverkehr angefahren werden. Im derzeit gültigen Nahverkehrsplan aus dem Jahr 2012 ist sogar für Ortschaften mit weniger als 300 Einwohnern überhaupt keine verbindliche ÖPNV-­‐Anbindung vorgesehen.

„Dies ist nicht mehr zeitgemäß”, erklärt Kerstin Haarmann, Fraktionsvorsitzende der grünen Fraktion in der nph-­‐Verbandsversammlung aus Paderborn. “Auch wenn der gegenwärtige Standard auf einigen Buslinien im Hochstift bereits über dem Mindeststandard des alten Nahverkehrsplanes liegt, ist es erforderlich, den Bürgern in den ländlichen Gebieten der Kreise Paderborn und Höxter zukünftig einen besseren öffentlichen Nahverkehr anzubieten, damit unsere Region wirtschaftlich, kulturell und sozial attraktiv bleibt“. Das Grundgesetz definiere den öffentlichen Personennahverkehr mit Bussen und Bahnen außerdem als Daseinsvorsorge. Dafür müssten sie nach Ansicht der Grünen oft genug fahren und bezahlbar sein.

Deshalb haben die Grünen bereits im Dezember in der nph-­Verbandsversammlung die Prüfung folgender Mindestbedienstandards beantragt:

  1. Alle Orte in den Kreisen Paderborn und Höxter werden mindestens in einem 1-­‐ Stundentakt in jeder Hauptrichtung mit Bussen und Bahnen bedient.
  2. Es gibt eine Mobilitätsgarantie, das heißt das Angebot ersteckt sich bis in die Abendstunden und beinhaltet auch Alternativen, sollte das planmäßige Angebot einmal ausfallen.
  3. Auf regionalen Hauptachsen bestehen Taktdichten von 30 Minuten, in urbanen Räumen gibt es kürzere Taktdichten, Wirtschaftlichkeit vorausgesetzt
  4. In Orten oder Siedlungsgebieten mit weniger als 500 Einwohnern sowie in Schwachlastzeiten können die Fahrten auch durch alternative Bedienformen (Rufbus, Anruf-­‐Sammeltaxi) bedient werden
  5. Orte mit weniger als 200 Einwohnern können von diesen Mindestbedienstandards ausgenommen werden
  6. Die Bus-­‐ und Bahnverbindungen in den Kreisen Paderborn und Höxter werden in einen künftigen Deutschlandtakt integriert. Beim Umstieg in den Fernverkehr werden Anschlusszeiten von maximal 20 Minuten garantiert.

Die Prüfung der erforderlichen organisatorischen Änderungen und finanziellen Auswirkungen durch den nph dauert zur Zeit noch an.

„Mit diesem Konzept wollen wir die ausschließliche Abhängigkeit vieler kleinerer Orte vom Schülerverkehr beenden und dort eine verlässliche Busanbindung anbieten“ erläutert Kerstin Haarmann. Dies sei ein Schritt zu annähernd gleichen Lebensverhältnissen in Stadt und Land. Die Wirtschaftlichkeit werde berücksichtigt durch die Staffelung des Busangebotes nach der Einwohnerzahl. Historisch gewachsene Verkehrsverbindungen, die von den vorgeschlagenen Standards abweichen, wollen die Grünen erhalten.

„Wir haben uns das mal näher angeschaut: Im Kreis Paderborn gibt es genau 5 Ortschaften, die weniger als 500, aber mehr als 200 Einwohner haben. Im Kreis Höxter sind es mit 36 Ortschaften deutlich mehr“, zählt Martina Denkner, grünes Mitglieder der nph-Verbandsversammlung für den Kreis Höxter, auf. „Wenn diese Ortschaften zukünftig nur noch über den Schülerverkehr angebunden werden, ist dies ein klarer Nachteil des Kreises Höxter gegenüber dem restlichen Hochstift“ stellt sie fest.

Die Grünen in der nph-­‐Verbandsversammlung lehnen dieses Ungleichgewicht ab. Sie setzen sich daher dafür ein, dass auch für kleinere Ortschaften zwischen 200 und 500 Einwohnern der Öffentliche Busverkehr fährt. „Wie genau dieser Bus aussieht, ob er auf Anruf kommt oder wie groß der Bus ist, muss in einem späteren Arbeitsschritt festgelegt werden“ erläutert Kerstin Haarmann. „Zuerst aber muss klar sein, dass diese Mindeststandards auch für kleinere Ortschaften gelten. In Zeiten der aufblühenden Heimatministerien müssen wir dafür sorgen, dass die Heimat mobil bleiben kann.“

Ortschaften zwischen 200 und 500 Einwohnern im Kreis Paderborn:

Asseln, Grundsteinheim, Iggenhausen, Ebbinghausen, Staumühle

Ortschaften zwischen 200 und 500 Einwohnern im Kreis Höxter:

Altenbergen, Altenheerse, Blankenau, Borlinghausen, Calenberg, Drenke, Eichholz, Engar, Entrup, Eversen, Föhlsen, Frohnhausen, Grevenhagen, Haarbrück, Herlinghausen, Himmighausen, Holzhausen, Jakobsberg, Langeland, Löwen, Löwendorf, Lütgeneder, Manrode, Merlsheim, Natingen, Oeynhausen, Papenhöfen, Pömbsen, Rolfzen, Rösebeck, Schmechten, Siddessen, Siebenstern, Tietelsen.

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