Werner Jülke zum Tag der Pflege

Pflegeinitiativen und Verbände weisen mit Nachdruck auf Pflegenotstand in vielen Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen hin. Was sind die Antworten der GRÜNEN hierauf?

Wir wollen, dass Arbeit in der Pflege attraktiver wird und mehr gesellschaftliche Wertschätzung erfährt. Besonders in der Altenpflege muss endlich auch angemessen entlohnt werden. Attraktive Arbeitsbedingungen sind zwingend, wollen wir mehr Fachkräfte gewinnen und langfristig für diesen so wichtigen Beruf insbesondere auch junge Menschen begeistern. Deshalb fordern wir, dass der Bund in einem Sofortprogramm 2,5 Milliarden Euro bereitstellt, um 25.000 zusätzliche Krankenpfleger*innen und 25.000 zusätzliche Altenpfleger*innen einzustellen. Zudem brauchen wir Anreize für eine einfachere Rückkehr von Teilzeit in Vollzeit und eine bessere Gesundheitsvorsorge für die Beschäftigten sowie eine Weiterqualifizierung für Pflegehelfer*innen. Parallel dazu sollen verbindliche Personalbemessungsinstrumente entwickelt werden, die sich am individuellen Pflegebedarf der Patient*innen orientieren. 

Auf Landesebene hat bereits in den letzten Jahren die rot-grüne Landesregierung die Zahl der Ausbildungsplätze in der Altenpflege deutlich gesteigert und auf nunmehr über 18.500 verdoppelt. Auch die Investitionen hierfür haben wir entsprechend gesteigert. In einem weiteren Schritt muss nun auch die Finanzierung für Personal und Ausstattung der Fachseminaren verbessert werden. Hier bedarf es der Verbesserungen auch schon vor 2020, denn dann muss ohnehin im Zuge der generalistischen Pflegeausbildung – also einer gemeinsamen Ausbildung von Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege – eine Angleichung der Finanzierung der Ausbildungsstätten in der Altenpflege mit denen der Krankenpflege erfolgen, die heute bereits wesentlich besser finanziert ist.

Die Menschen werden immer älter und sind immer häufiger auf Pflege angewiesen. Wie können Pflege und ein selbstbestimmtes Leben im Alter unter einen Hut gebracht und auch Angehörige entlastet werden?

Jeder Mensch muss die umfassende Pflege und Unterstützung erhalten, die es ihm erlaubt, möglichst selbstständig und selbstbestimmt zu leben. Die UN-Behindertenrechtskonvention sagt ganz klar, dass kein Mensch gezwungen werden darf in einer stationären Einrichtung zu leben. Für die Angehörigen stellt dies oft zusätzliche Herausforderungen. Denn ein Großteil der Menschen fordert Alternativen zum klassischen Heim. Dazu gehören WGs und Hausgemeinschaften mit einer umfassenden Pflege aber auch Mehrgenerationenwohnen und „Wohnen mit Versorgungssicherheit“ in der eigenen Wohnung, mit denen auch die pflegenden Angehörigen deutlich entlastet werden.

Zudem wollen wir auch die Klassische Altenpflegeheime dabei unterstützen sich zeitgemäß zu modernisieren, um ein selbstbestimmtes Wohnens zu ermöglichen: eigene Wohnbereiche, Öffnung hin zum Quartier als Begegnungszentrum für die Bewohner*innen, Vereine und Initiativen im Stadtteil, bis hin zur Umwandlung zu einer Wohnanlage auch für alle Generationen.

Viele Menschen möchten in ihrem vertrauten Umfeld wohnen bleiben auch wenn sie auf Pflege und Unterstützung angewiesen sein werden. Was bedeutet dies für die Pflegeangerbote und die Infrastruktur in den Städten und Gemeinden?

Die städtischen Quartiere wie auch die ländlichen Gemeinden, müssen stärker auf die Belange der Menschen ausgerichtet werden, die Pflege und Unterstützung benötigen. Eine soziale Stadtentwicklung muss dabei auch die Mobilität und gesellschaftlicher Teilhabe in den Fokus nehmen. Insbesondere ambulante Pflege- und Unterstützungsangebote sowie Tagespflege müssen ausgebaut, Beratungen gesichert und der Bau von barrierefreien und rollstuhlgerechten Wohnungen vorangetrieben werden. Auch die Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen zur Sicherung des alltäglichen Bedarfs bis hin zur gesundheitlichen Versorgung spielen eine wichtige Rolle. Hierzu bedarf es auch einer sozialen Quartiersentwicklung und -planung in den Kommunen.

Mit einer Landesförderung für altengerechte Quartiere wurden die Kommunen und gemeinnützigen Träger bislang dabei unterstützt, Fachkräfte dafür einzustellen, die bspw. helfen Versorgungsnetzwerke aufzubauen, Nachbarschaftshilfen und -initiativen unterstützen, dass Beteiligungs- und Mitmachmöglichkeiten entstehen, altengerechte Bau- und Wohnprojekte befördert werden und sich dafür engagieren, dass Angebote der Nahversorgung im Viertel erhalten bleiben oder wieder mit aufgebaut werden.

CDU und FDP im Land wollen diese Stellen für Quartiersentwickler*innen in den Kommunen – mittlerweile sind es 64 – wieder streichen. Auch die Beratung hierzu wird seitens der neuen Landesregierung schrittweise eingestellt. So mussten die Landesberatungsstellen für die innovative und altersgerechte Wohnformen bereits ihre Arbeit einstellen. Wir GRÜNEN fordern die Landesregierung auf, die Streichung wieder zurückzunehmen.

Was wurde hierzu bereits in Paderborn unternommen?

In der Stadt Paderborn, als auch im Kreis Paderborn haben wir hierzu bereits einiges unternommen: Als großer Initiator haben wir den Prozess zur Planung zur Umgestaltung der Wohnquartiere und Stadtteile mit auf den Weg gebracht, die die Belange von Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf in den Fokus nimmt. Dies ist eine große Aufgabe, die wir in den kommenden Monaten und Jahren weiter voranbringen wollen. 

Mittlerweile hat sich in Paderborn schon in vielen Stadtteilen eine Infrastruktur entwickelt, die ein selbständiges Leben  in einer eigenen Häuslichkeit oder in einer Wohn- oder Hausgemeinschaft sichern helfen auch für Menschen, die eine umfassenden Pflege benötigen:

Schon in der Kreistagssitzung am 02.11.2015 wurde durch unseren Antrag im Kreis Paderborn die „Verbindliche Bedarfsplanung für teil- und vollstationäre Pflegeeinrichtungen im Kreis Paderborn“ eingeführt. Diese Beinhaltet die Bestandsaufnahme der Angebote, die Feststellung, ob qualitativ und quantitativ ausreichend Angebote zur Verfügung stehen und die Klärung der Frage, ob und ggf. welche Maßnahmen zur Herstellung, Sicherung oder Weiterentwicklung von Angeboten erforderlich sind..

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Dies ist aber noch nicht genug. Insbesondere das Angebot an gemeinschaftlichen Wohnformen für Ältere, bei Pflege oder für Menschen mit Behinderung wollen wir in den kommenden Jahren einsetzen diese zu vergrößern.

 

Aber auch bei den Angeboten der stationären Pflege wollen wir – wie bereits oben skizziert – einen zeitgemäße Entwicklung in Richtung individuelles Wohnen, Öffnung der Heime in den Stadtteil als Treffpunkt und als Zukunftsvision auch den Wandel für ein selbstbestimmtes Wohnen mit Angeboten für eine umfassende Pflege.

 

 

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