Merci Marianne

Politik sei ein schmutziges Geschäft, wer von uns kennt diesen Vorwurf nicht. Betrieben von denen da oben, die sowieso machen was sie wollen und denen jeden Sinn für die Realität verloren haben. Diese Vorwürfe schmerzen umso mehr, gerade uns, die wir im diesem Geschäft aktiv sind, wenn wir sehen,

  • wie die AfD unsere Demokratie verächtlich macht,
  • wie die bayrische Regional- und Regierungspartei eine „Herrschaft des Unrechts“ ausruft und nun – mit einem Heimatministerium belohnt – munter weiter Wahlkampf gegen die eigene Kanzlerin betreibt.
  • Wenn wir sehen, wie die sozialdemokratische Spitzengenossen sich selbst und die eigenen Ideale fleißig selbst zerlegen.
  • Und von den Linken zu schweigen, wo die Rosa Luxemburg-Kopie den Sinn für internationale Solidarität verloren hat.

Klar kann man da auf den Gedanken verfallen: Politik sei ein verdammt schmutziges Geschäft.

Aber anstatt im Pöbelmodus rumzukritisieren, braucht es Mut und Zivilcourage, Sachverstand und Leidenschaft sich politisch zu engagieren, sich mit langen Atem in die demokratische Überzeugungsarbeit einzumischen, Partei zu werden und Haltung zu zeigen. Einzutreten für die Würde aller Menschen, nicht nur die der deutschen. Einzutreten für Bienen und Bäume, den Erhalt der Natur. Einzutreten für Sozialtickets und gesellschaftliche Mitgestaltung. Einzutreten – um es auf den Punkt zu bringen – für das gute Leben.

Solche Leute gibt es doch gar nicht in der Politik, wird mir dann entgegnet. Doch, sage ich und erzähle von Marianne Weiß. Und wenn die Skeptiker dann immer noch skeptisch sind, oder weiter stock & steif behaupten, Politik bleibt doof, frage ich sie, ob Bielefeld überhaupt existiert.Dies vielleicht als Hintergrundfolie der Arbeitsplatzbeschreibung einer politischen Landesgeschäftsführerin.

Politik ist ein schwieriges Geschäft. Und Landesgeschäftsführerin zu sein in einem Bindestrich-Bundesland und in einer Schrägstrich-Partei voller Charakterköpfe, den politischen Scharfblick mit organisatorischer Weitsicht in Einklang zu bringen, das alles – liebe Marianne – ist eine fast unmögliche Aufgabe.  

Aus Sicht der Kreisgeschäftsführerinnen und Kreisgeschäftsführer (KGF’s) hast Du, Marianne, einen super Job gemacht. Okay, jetzt könnt Ihr sagen, dieses Lob musste ja kommen, weil Marianne selbst aus dem Kreis der KGF‘s gekommen ist. Auch klar, haben wir uns in OWL durch Marianne per se verstanden gefühlt. Aber Deine verlässliche, bienen-fleißige und unermüdliche Art, Politik zu machen und zu erklären, geht weit über dieses Momentum heraus.

Dir lag am Herzen, unsere gemeinsamen politischen Herausforderungen klar und gut einzusortieren, Dir Zeit für die Anliegen und Einschätzungen der Basis zu nehmen, neue Formate und Ideen auszuprobieren. Unsere Meinung war Dir wichtig:  Das prägte Deinen Arbeitsstil, die KGF-Treffen und unsere Zusammenarbeit. Das Highlight dabei: Eine jugendherbergsartige KGF-Klausur im Bergischen Land. Mit viel Zeit zum Gespräch, nicht nur über Parteipositionen.

Wie Kreisverbände ticken, die in den ländlichen Regionen, ebenso wie die in den Metropolen – Diesen Erfahrungsschatz hast Du über unendliche Bahnkilometer zwischen Bielefeld, Düsseldorf und Berlin quer durch das Land transportiert.

Ohne dieses Basiswissen funktioniert kein Landesverband, kein Landesvorstand.

Du warst an der Basis präsent, hast unsere Einwände ernst genommen. Du hast die Partei geerdet, selbst in harten Wahlkampfkampagnen auf den Wohlfühlfaktor und auf das Neugierig-sein über die eigene Blase hinaus geachtet.

Über die grüne Seele weißt Du als Geschäftsführerin zwei Dinge ganz genau:

  • Erstens über kaum etwas streiten wir so gern und hingebungsvoll wie über die Plakatgestaltung. Das ist die emotionale Seite.
  • Zweitens die kühle strategische Perspektive, die die Geschäftsführungen immer wieder stark machen müssen: Auch wenn in uns allen das Plakatselbermachen zutiefst drinsteckt, gilt: Hey, Plakate retten nicht die Welt.

Wer erinnert sich nicht an den Moment im Doppelwahlkampfjahr, als in der Dortmunder Westfalenhalle die Bundestagsplakate vorgestellt wurden und – sagen wir mal – ziemlicher Unmut beim Parteivolk ausbrach. Da mochte ich nicht in Deiner Haut stecken. Emotion knallte voll gegen Strategie. Zusammenführen und Zusammenraufen war angesagt. Das ist Dir gelungen.

Als kleine Partei, die Großes vorhat – wie Robert eben erklärt hat – brauchten schließlich wir alle Kraft für die grüne Kampagne, damit wir die Welt Stück für Stück besser machen können.

Marianne, Danke für das Austarieren, für Dein Vermitteln, Deine Leidenschaft und Dein Herzblut. Zwar sind wir noch nicht ganz am Ziel. Aber dank Dir einen riesigen Schritt weiter.

Marianne Weiß wurde auf der LDK als Politische Landesgeschäftsführerin der NRW-GRünen verabschiedet.

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