Bad Lippspringe bietet Flüchtlingen aus Seenot sicheren Hafen – Grüne Antrag findet Ratsmehrheit

Bad Lippspringe reiht sich in die Reihe von Köln, Bonn, Düsseldorf und Bielefeld ein. Städte, die sich bereit erklärt haben, schiffsbrüchige Flüchtlinge aus dem Mittelmeer in ihrer Stadt aufzunehmen. Gestern wurde der entsprechende Antrag der grünen Fraktion im Rat mit 11 Ja-, 10 Neinstimmen bei 16 Enthaltungen angenommen.

Vorher hatte die grüne Ratsfrau und Kreisvorsitzende Norika Creuzmann den Antrag so eingebracht und begründet: „Wir wissen nicht wirklich, wie viele Menschen sich auf den Weg gemacht haben. Wir kennen ihre Namen nicht und wir wissen auch nicht, was sie ausmachte, was sie bisher erlebt haben. Das einzige was wir wissen ist, dass sie zu uns wollten, sich ein Leben erhofften trotz aller Hoffnungslosigkeit! Wie verzweifelt müssen diese Menschen sein,  wenn das Mittelmeer offensichtlich sicherer ist als alles was sie bisher erlebt haben. Denn aus keinem anderen Grund begibt man sich auf so eine gefährliche Reise.

Im Radio wurde gemeldet, die Zahl der ankommenden Flüchtlinge sei gesunken – doch die Zahl der Toten im Mittelmeer ist gestiegen. Wussten Sie, dass  rund 69 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht sind? Davon die Hälfte  Kinder unter 18 Jahren? Von diesen 69 Millionen leben 85% in Entwicklungsländern.

Wir leben in einer Zeit, in der Seenotrettung bestraft und nationales und internationales Recht missachtet wird. Man nimmt bewusst den Tod vieler unschuldiger Menschen in Kauf.

Ganz ehrlich, mir nimmt das die Luft zum Atmen, die Bilder haben ihre Wirkung bei  mir nicht verfehlt. Es treibt mir die Tränen in die Augen und der Drang etwas zu tun wird immer größer. Sie kennen die Situation der Kinder im  Jemen, sie sind nur noch Haut und Knochen, für eine Flucht haben sie gar keine Kraft mehr. Und die Menschen in Syrien? Die Nachrichten berichten es tagtäglich. Bis zum heutigen Tag sind in diesem Jahr 1.723 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Keiner hat ihre Schreie gehört, ihre Verzweiflung und Todeskämpfe gesehen.

Aus Berichten kann man entnehmen, dass Schiffe an Flüchtlingen in Seenot vorbeifahren, dass Notrufe nicht weitergeleitet werden. Menschen ertrinken zu lassen, um andere von der Flucht abzuhalten, ist widerlich, abartig, unmenschlich und kriminell. Rettungsschiffe werden in Häfen fest gehalten. Schiffe mit Flüchtlingen an Bord dürfen nicht einlaufen, es sei denn, es erklärt sich jemand bereit diese aufzunehmen. In was für einer Welt leben wir eigentlich?  Wer sind wir, dass wir über Leben und Tod entscheiden? Sollten wir uns nicht mal die Frage stellen, warum es uns gut geht und den Menschen dort so unglaublich schlecht?!

Erst letze Woche sind 100 Menschen ertrunken, davon 20 Kinder. Viele Städte haben sich bereit erklärt zusätzlich Flüchtlinge von den Schiffen aunehmen. Ich bitte nun auch sie unserem Antrag zu folgen und Menschen aus der Seenotrettung aufzunehmen. Denn Menschen retten ist kein Verbrechen!“

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