Norika Creuzmann: „Menschenrechte dürfen uns nicht egal sein!“

Endlich schien vor nunmehr 70 Jahren der kleinste gemeinsame Nenner gefunden: Mit der Verabschiedung der Menschenrechte am 10. Dezember 1948 wollten die Vereinten Nationen drei Jahre nach dem Ende des schlimmsten aller Kriege ein klares Bekenntnis für die Zukunft formulieren. Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren, heißt es seitdem. „Hehre Worte. Nur mit ihrer Umsetzung hapert es“, stellt Norika Creuzmann, Kreisvorsitzende der Grünen, fest.

Fast alle Länder der Erde haben sich zu den allgemeinen Menschenrechten bekannt, aber 85 Prozent der Weltbevölkerung sind dennoch in ihren Rechten eingeschränkt. „Jeden Tag und in jedem Land erleiden Frauen und Mädchen Menschenrechtsverletzungen aufgrund ihres Geschlechts – unabhängig von Religion und Kultur“, betont die Bad Lippspringe Politikerin angesichts des Jahrestages. Das reicht von Alltagsdiskriminierung bis zu sexueller Gewalt. „Bei sexueller Gewalt steht meist nicht die Sexualität im Vordergrund. Es geht vielmehr um die Demonstration von Macht und um die Durchsetzung von persönlichen oder politischen Zielen der Täter“. Genau an dieser Stelle wollten die Autoren der Menschenrechtserklärung ansetzen. „Denn die volle und gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am politischen, bürgerlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben, auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene, und die Beseitigung aller Formen der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts sind vorrangige Ziele der internationalen Gemeinschaft“, so Norika Creuzmann. Leider erlebt man immer wieder, dass diese Ziele nicht erreicht werden – und von einigen auch gar nicht erreicht werden wollen.

Das zeigt schon allein ein Blick auf die schlimme Statistik des Flüchtlingshilfswerks: rund 69 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Davon die Hälfte  Kinder unter 18Jahren. Von diesen 69 Millionen leben 85 Prozent in Entwicklungsländern. Nach Schätzung des Uno-Hilfswerks für Flüchtlinge UNHCR sind wiederum rund die Hälfte von ihnen weiblichen Geschlechts. Frauen und Mädchen auf der Flucht sind stärker als Männer von Gewalt, Ausbeutung und sexueller Belästigung bedroht, sie sind zudem häufig von männlichen Verwandten abhängig und müssen sich oft um mitfliehende Kinder kümmern. „Auch die Ursachen der Flucht können geschlechtspezifisch sein, so zum Beispiel wenn sexuelle Gewalt als Kriegswaffe eingesetzt wird,  über Vergewaltigungen bis hin zu Völkermord“, weiß die Grünen-Politikerin aufgrund ihres Engagements.

Dieses mündete kürzlich in der Erklärung des Bad Lippspringe Rats, dass die Stadt zur Seebrücke erklärte – ein persönlicher großer Erfolg für die Stadtvertreterin des Kurorts. „Wir leben in einer Zeit, in der Seenotrettung bestraft und nationales und internationales Recht missachtet wird. Man nimmt bewusst den Tod vieler unschuldiger Menschen in Kauf. Wie verzweifelt müssen diese Menschen sein,  wenn das Mittelmeer offensichtlich sicherer ist als alles was sie bisher erlebt haben? Denn aus keinem anderen Grund begibt man sich auf so eine gefährliche Reise. Wir kennen die Situation der Kinder im Jemen, sie sind nur noch Haut und Knochen, für eine Flucht haben sie gar keine Kraft mehr“.

Ihr Fazit: „Menschenrechte dürfen uns nicht egal sein! Und vor allem dürfen sie nicht missbraucht werden, um eigene Interessen durchsetzen. Nicht in fernen Ländern – sondern auch in Deutschland, hier vor unserer eigenen Haustür“. 

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