Hebammen-Ausbildung in Paderborn steht auf der Kippe – Kreistagsfraktion informiert sich aus erster Hand

Seit 240 Jahren werden im St. Vincenz-Krankenhaus in Paderborn Hebammen ausgebildet. Jetzt steht eine Reform der Berufsausbildung zur Geburtshilfe bevor. Denn Deutschland ist in der Europäischen Union das letzte Land, in dem Hebammen noch nicht an Hochschulen ausgebildet werden. Das soll sich demnächst ändern, es gibt aber noch Fragezeichen. Wird auch in Ostwestfalen-Lippe eine Hebammen-Hochschule eingerichtet? Und welche Rolle spielt die Schule in Paderborn in einer akademisierten Ausbildung?

Aufgrund einer EU-Richtlinie soll die Hebammen-Ausbildung ab Januar 2020 akademisiert werden. Die theoretische Ausbildung erfolgt dann an einer Hochschule, die praktische Ausbildung in Geburtshilfestationen. Die Kreistagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat sich von Michaela Bremsteller, Leiterin der Hebammenschule im St. Vincenz-Krankenhaus in Paderborn erklären lassen, wie die EU-Richtlinie in Nordrhein-Westfalen umgesetzt wird und wollte auch wissen: Wie sieht die Zukunft der Hebammen-Schule in Paderborn aus?

Landesweit herrscht Hebammen-Mangel, aber das Interesse junger Frauen an der dreijährigen Ausbildung ist riesengroß. Den 25 Ausbildungsplätzen, die in Paderborn pro Ausbildungsjahrgang angeboten werden, standen zuletzt rund 600 Bewerbungen gegenüber.  In Nordrhein-Westfalen gibt es nur zehn Hebammen-Schulen, davon mit Paderborn und Minden zwei in Ostwestfalen-Lippe.

Obwohl die Zeit drängt, sind viele Fragen in NRW noch offen. Konkret geplant ist bislang lediglich, dass Studiengänge für Hebammen in Köln und Bochum angeboten werden sollen. Michaela Bremsteller hofft, dass auch in OWL ein Studiengang eingerichtet wird. Als Standort im Gespräch sind die Katholische Hochschule in Paderborn, die Fachhochschule Bielefeld und die Medizinische Fakultät, die im Oktober an der Universität Bielefeld gegründet worden ist.

Sollte in OWL kein Studiengang für Hebammen eingerichtet werden, drohen Nachteile für die Region. Dann müsste die Schule in Paderborn mit einer auswärtigen Hochschule kooperieren. Doch bei einer zu großen Entfernung zwischen den Standorten für die theoretische und praktische Ausbildung droht die Bindung der Auszubildenden an die Region verloren zu gehen. Dann könnte sich die Versorgung mit Hebammen vor Ort verschlechtern, fürchtet Michaela Bremsteller.

Bei der jüngsten Gesundheitskonferenz in Paderborn hat Landrat Müller zugesagt, sich für die Hebammen-Ausbildung in Ostwestfalen-Lippe einzusetzen. Die Kreistagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN möchte vom Landrat jetzt wissen, welche Schritte er unternommen hat und erwartet: Der Landrat sollte sich für die Einrichtung eines Hebammen-Studiengangs in Ostwestfalen-Lippe mindestens genauso engagieren wie für die Gründung der Medizinischen Fakultät in Bielefeld.

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