Norika Creuzmann: „Fukushimas Atomkatastrophe dauert an, von einer Entwarnung kann keine Rede sein.“

Erst kam das Erdbeben, dann der Tsunami und schließlich die radioaktive Wolke. Mit diesen Worten beginne ich in jedem Jahr meine Rede um an die 18 500 Todesopfer der Atomkatastrophe in Japan zu gedenken. Wegen der radioaktiven Strahlung von Kernschmelzen in drei Reaktoren mussten damals rund 200.000 Anwohner fliehen. Mehr als 50.000 können noch immer nicht in ihre Wohnungen und Heimatorte zurück. 

Vor acht Jahren löste der Super-Gau in Fukushima weltweit Angst aus. Inzwischen ist Fukushima aus den Schlagzeilen verschwunden, doch die ökologischen und sozialen Folgen sind in Japan weithin sichtbar: Entwurzelte Familien, ausgestorbene Evakuierungszonen, hunderttausende Säcke mit verstrahlter Erde, verseuchte Wälder, Flüsse und Seen. Es herrscht weiterhin keine Normalität in Japan.

Die havarierten Reaktoren sind noch längst nicht außer Gefahr. Von ihnen geht eine anhaltende Strahlenbelastung aus; jeden Tag nimmt die radioaktive Kontamination von Meer, Luft und Boden zu. Große Mengen an radioaktivem Material befinden sich weiterhin in den havarierten Reaktorgebäuden, während auf dem Kraftwerksgelände radioaktive Materialien unter freiem Himmel gelagert werden.

Nach einer neuen Untersuchung von Greenpeace stellen Strahlenwerte sowohl in der Sperrzone um die Atomruine als auch in Gebieten wo Evakuierungsbefehle aufgehoben wurden, ein „signifikantes Risiko für die Öffentlichkeit, einschließlich Kindern dar“. Das Strahlenniveau liege um das 5- bis mehr als 100-fache über dem international empfohlenen Maximum.

Die Atomkatastrophe dauert noch immer an, von einer Entwarnung kann keine Rede sein. Nachlässigkeit, Selbstüberschätzung und Profit-Streben haben zur Atomkatastrophe in Fukushima geführt.

30 bis 40 Jahre wird es noch dauern, bis der Meiler stillgelegt ist. Noch immer lagern in den Reaktoren 1 bis 3 jeweils mehrere hundert abgebrannte Brennstäbe in Abklingbecken, insgesamt rund 1500. Jetzt im März soll mit der Bergung im Reaktor 3 begonnen werden. In den beiden anderen zerstörten Reaktoren soll im Jahr 2023 damit begonnen werden, die Brennstäbe zu entfernen, um sie dann an einem sichereren Ort zu lagern. Allerdings gibt es weltweit kein Endlager, in dem die giftigen Hinterlassenschaften der Atomindustrie angemessen sicher verwahrt werden können. So ein sicherer Ort muss auf unserer Erde erst noch erfunden werden.

Trotz Atomausstieg „strahlen“ immer noch Atomkraftwerke in Deutschland und auch die grenznahen ausländischen AKW sind eine ständige Bedrohung.

Das letzte deutsche Kernkraftwerk soll 2022 abgeschaltet werden. Doch der Rückbau der stillgelegten Atomkraftwerke wird noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

Fukushima war furchtbar, in 5 Wochen stehen wir hier und erinnern an die Katastrophe in Tschernobyl und ich möchte niemals einen Gedenktag Grohnde erleben.

Denn Grohnde ist nur 60 km entfernt. Erst vor kurzem, am 4. Dezember 2018 ereignete sich wieder ein meldepflichtiges Ereignis.

Damit erhöht sich die Anzahl meldepflichtiger Ereignisse im AKW Grohnde seit Inbetriebnahme nach Informationen der Initiative „Grohnde abschalten“ auf insgesamt 262. Somit führt das AKW Grohnde weiterhin die Liste der „Störfall Spitzenreiter“ deutscher Atomkraftwerke an!

Das Atomkraftwerk Grohnde gibt selbst im so genannten Normalbetrieb krebserzeugende Radioaktivität an die Umwelt ab.

Einer Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS)ist zu entnehmen, dass die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren mit der Nähe zum Reaktorstandort deutlich zunimmt. Die Studie mit Daten von über 6000 Kindern liefert die bislang deutlichsten Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko bei Kindern in der Nähe von Kernkraftwerken. Das Risiko ist demnach im 5-km-Radius für Kinder unter fünf Jahren um 60 Prozent erhöht, das Leukämierisiko um etwa 120 Prozent.

Es ist mir unerklärlich, warum immer noch Menschen ihren Strom von den Atomkonzernen E.ON, RWE oder Vattenfall beziehen.

Die Nutzung der Atomenergie ist eine Gefahr für Mensch und Umwelt. Umweltbelastend, krankmachend und sogar tödlich sind die Folgen des Uranabbaus, der Urananreicherung und die Herstellung und Entsorgung der Brennelemente.

Der heute im AKW Grohnde produzierte Atommüll muss eine Million Jahre sicher gelagert werden und gefährdet das Leben zukünftiger Generationen auf dieser Erde. Wir hinterlassen unseren Kindern und Enkelkindern ein Erbe, welches sie nicht verdient haben und niemand weiß, was das für Folgen haben wird.

Im letzten Jahr stand ich hier und habe an die Eltern appelliert aufzustehen, auf die Straße zu gehen, Haltung zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen.

Umso mehr freue ich mich jetzt zu sehen, dass es Eltern gibt, die sich zu parents for future zusammengeschlossen haben um ihre Kinder zu unterstützen, auch hier in Paderborn. Das ist großartig.

Die Schülerinnen und Schüler haben erkannt was da auf sie zurollt. Sie kämpfen und streiten zu Recht für eine lebenswerte Zukunft. Und ich kann nur hoffen, dass sie dranbleiben, dass sie nicht aufgeben und vor allem nicht einknicken vor der Sturheit, Unvernunft und Arroganz der Erwachsenen. Meine Unterstützung haben sie, da können sie gewiss sein.

Und wenn Herr Lindner meint, Schülerinnen und Schüler in die Schranken zu weisen mit Sprüchen wie „Klimaschutz ist was für Profis und nichts für Kids auf der Straße“, kann ich nur sagen, was ist das für eine verlogene Kackscheiße. Im Wahlkampf 2017 las man auf seinem Wahlplakat „Schulranzen verändern die Welt. Nicht Aktenkoffer“. Da wird deutlich, dass er nichts, aber so gar nichts verstanden hat. Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt und genau an dieser Stelle legen sie nun den Finger in die Wunde.

Im Interesse eines konsequenten Umwelt–und Klimaschutzes müssen neben den Atomkraftwerken auch die Kohlekraftwerke zügig abgeschaltet werden. Wenn wir die weltweite Klimakatastrophe aufhalten wollen braucht es verdammt nochmal ein schnelles Umdenken und zügiges Handeln! 

  • Wir brauchen endlich eine ökologische Energiepolitik ohne unkalkulierbare Risiken!
  • Wir wollen die Energiewende und den Atomausstieg jetzt –konsequent und ohne faule Kompromisse!
  • Wir wollen eine lebens– und liebenswerte Zukunft, in der das einzige was strahlt ein unschuldiges Kinderlachen ist!

Das Bild zeigt die beiden grünen Kreisvorsitzenden Norika Creuzmann und Carsten Birkelbach bei der letzten Fukushima-Mahnwache.

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