Rede zur Tschernobyl-Mahnwache

Zur Tschernobyl-Mahnwache hier die Rede der Kreisvorsitzenden Norika Creuzmann:

Wir stehen hier seit vielen Jahren – im März und im April und man bekommt das Gefühl, dass eine zunehmende Gleichgültigkeit um sich greift und genau deswegen stehen wir hier, denn der Name Tschernobyl wird für immer mit dem atomaren GAU am 26. April 1986 verbunden bleiben. Bei der Explosion der Kraftwerkblöcke wurde 500mal mehr Strahlung freigesetzt als durch den Abwurf der US-Atombombe auf Hiroshima im Jahr 1945.

Die Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima scheinen lang genug her zu sein, die Erinnerung an die Katastrophe scheint zu verblassen.

Die Pro Atomlobby  nutzt „dieses Vergessen“  und wirbt mit angeblichen Klimaschutzargumenten und PR-Kampagnen für die Kernkraft.

Was damals geschah, war mehr als ein Unfall – es war die nukleare Apokalypse: Ein riesiges Gebiet radioaktiv verseucht, tausende Menschen dem Tod geweiht, tausende verstrahlt. Und ein Ende nicht abzusehen, bis heute. 150.000 Quadratkilometer Land – eine Fläche größer als Griechenland – wurden so stark verstrahlt, dass rund 350.000 Menschen umgesiedelt wurden oder flüchteten. Über acht Millionen Menschen waren betroffen.

Zehn Tage lang brannte der Block.

Helfer aus der gesamten Sowjetunion wurden zu Aufräumarbeiten nach Tschernobyl geschickt, die sogenannten Liquidatoren. Ungeschützt räumten sie mit einfachen Mitteln hochradioaktive Trümmer beiseite, die auf einer der vielen Atommüll-Deponien im Umfeld landen.

40 Sekunden am Stück durften die Helfer sich an Ort und Stelle aufhalten. Bis heute ist unbekannt, wie viele Menschen damals innerhalb kurzer Zeit starben.

93.000 Menschen sind allein an Krebs in Folge der Katastrophe gestorben oder werden daran sterben. In kürzester Zeit errichtete man eine Schutzhülle aus Stahlbeton um die strahlende Ruine. Der Sarkophag wurde schon nach wenigen Jahren von Rissen durchzogen.

Bis heute leiden tausende Menschen unter den verheerenden Folgen der freigesetzten Strahlung. Noch immer werden Kinder mit Schädigungen geboren.

Zehn Kilometer um das Kraftwerk herum wird die Gegend noch für Zehntausende von Jahren unbewohnbar bleiben.

Auch über Europa kam die radioaktive Wolke an und regnete sich ab. Ich erinnere mich gut, plötzlich waren Lebensmittel wie frische Milch und frisches Gemüse ungeeignet für den Verzehr. Den Aufenthalt im Freien galt es zu vermeiden.

Mütter kleiner Kinder und Schwangere waren alarmiert. Aber alles wurde verharmlost.

Auch 33 Jahre nach der Katastrophe kann es weiterhin jeden Tag zu einer erneuten Atomkatstrophe mit verheerenden Folgen für Mensch und Natur kommen. Trotz vieler Jahre „Atomausstieg“ sind in Deutschland immer noch sieben Atomkraftwerke in Betrieb, die eine akute Gefahr darstellen und täglich den Atommüllberg vergrößern.

Die Folgen eines Super-GAUs stellen die Menschheit vor nie da gewesene Probleme. Ob sie je vollständig zu bewältigen sein werden, ist fraglich. Atomkraft beherrschen zu wollen war von Anfang an Hybris. Menschliches Leid in Gestalt gesundheitlicher Schäden wird über Generationen weitergegeben. Seiner Verantwortung folgend, beschloss der Deutsche Bundestag nach dem Super-Gau von Fukushima fraktionsübergreifend, bis Ende 2022 alle deutschen Atomkraftwerke abzuschalten. Trotz dieses Beschlusses gibt es nach wie vor viele Inkonsequenzen in der Atompolitik, die bisher nicht angegangen werden. Ein ernst gemeinter Atomausstieg bedeutet mehr als Abschaltdaten für noch laufende Atomkraftwerke.

Dazu gehört unter anderem, dass die Urananreicherungsanlage Urenco in Gronau und die Atomfabrik ANF in Lingen geschlossen werden, da sie dazu beitragen, das Atomkarussell der Welt in Bewegung zu halten.

Die Bundesregierung muss sich für die Abschaltung der grenznahen Atomkraftwerke in Belgien, Frankreich, der Schweiz und Tschechien einsetzen, die bedeutende Sicherheitsmängel aufweisen.

Die Regierung steckt sowohl über Euratom als auch über das nationale Energieforschungsprogramm nach wie vor viel Geld in atomare Forschung, die zum Teil ohne Mehrwert für unsere zukünftige Energieversorgung oder die nukleare Sicherheit ist.

Die für die Energieforschung zur Verfügung stehenden öffentlichen Gelder sollten daher vollständig für die weitere Erforschung erneuerbarer Energien investiert werden, um die noch offenen Baustellen der Energiewende zu bewältigen.

Vom AKW Grohnde bis nach Paderborn sind es 50 Kilometer!

In den vergangenen Jahren haben sich dort mehr als 250 Pannen ereignet. Damit zählt Grohnde zu den „Störfall-Spitzenreitern“ unter den deutschen Atomkraftwerken.

Jeder Tag, den dieses AKW läuft, ist ein „Hochrisiko“-Tag.

Es wird  zur Daueraufgabe für unsere Kinder, für unsere Enkel und für all unsere Nachfahren in den vielen folgenden Generationen mit diesen Schäden zu leben. Damit das nicht noch einmal geschieht, müssen wir die Atomkraft jetzt abschalten – überall auf dieser Welt!

Es liegt an uns!

Jahrelang haben wir von der Kohlekraft und Atomkraft profitiert und unseren Strom bezogen, doch zu welchem Preis?

Uns Grünen wird vorgeworfen, dass die Windräder die Landschaft verschandeln, doch Windräder sind in kurzer Zeit rückstandslos abzubauen, aber, wie wir mit den atomaren Hinterlassenschaften verfahren sollen ist noch nicht geklärt.

Wie erklären wir das unseren Kindern, welches Erbe hinterlassen wir unseren Enkelkindern? 

Heute Mittag waren wieder viele Jugendliche auf der Straße um zu mahnen, uns in die Pflicht zu nehmen, unserer Verantwortung gerecht zu werden.

 „Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geborgt“ ist nach wie vor hoch aktuell und einen Planeten B haben wir auch nicht.

Die Windenergie ist mit einem Anteil von 42 Prozent an der erneuerbaren Stromerzeugung der wichtigste erneuerbare Energieträger in Nordrhein-Westfalen. Der Kreis Paderborn spielt hierbei eine wichtige Rolle und darauf sollten wir stolz sein.

Ich nehme die Sorgen der Menschen und ihre Vorbehalte gegenüber der Windkraft sehr ernst, hier bedarf es Fingerspitzengefühl und eine gute Lösung,

Aber in welchem Verhältnis stehen diese Sorgen gegenüber den Problemen der Menschen, die durch den Tagebau betroffen sind. In den vergangenen 50 Jahren wurden 16 Orte verschluckt, 11.000 Menschen mussten ihr Zuhause aufgeben und über die Probleme bei einem atomaren Zwischenfall habe ich genug gesagt.

Der Glaube, dass tödliche Risiken wie die Atomenergie beherrschbar sind, ist absolute menschliche Selbstüberschätzung. Das Leben geht weiter und jeder kann sich hier die Frage stellen wie es in Zukunft aussehen wird. Eine Antwort kann ich hier schon geben: die radioaktive Strahlung überlebt uns alle!

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