Neubauplanung Stadthaus nicht mit Marienplatz-Linden vereinbar – Grüne fordern Klartext vom Bürgermeister

Der beschlossene Neubau der Stadtverwaltung am Marienplatz wird sich wohl nicht mit dem Erhalt der Linden vereinbaren lassen. Zu diesem Schluss kommt die grüne Ratsfraktion, nachdem am vergangenen Dienstag endlich die Antwort des Bürgermeisters auf eine bereits vor Wochen gestellte Anfrage eingetroffen ist. Die Grünen setzten sich bereits frühzeitig gegen das ihrer Ansicht nach zu große Gebäude und für den schattenspendenden Charakters des Marienplatzes ein.

Nach Auskunft des Bürgermeisters wird die geplante Treppenanlage bis auf etwa vier Meter an die existierende Mauer am Marienplatz heranrücken. Der Bürgermeister habe jedoch klargestellt, dass sämtliche Angaben noch ungefähre Werte seien. Um einen Eindruck von der räumlichen Situation zu bekommen, haben die Grünen eine ungefähre Darstellung der neuen Situation erstellt (siehe Foto). Fraktionssprecher Dr. Klaus Schröder erläutert: „Auch da sind sicher noch deutliche Ungenauigkeiten drin, da wir uns nur an den vorhandenen Gebäuden orientieren konnten. Man sieht aber deutlich, wie die neue Anlage in die bestehende Fahrspur hineinragt. Die so notwendige Verlegung der Busspur führt dann zur Fällung der Linden.“

Vor diesem Hintergrund hat es Vorschläge gegeben, auf die großzügige Treppenanlage zu verzichten, bzw. die Treppenanlage ins Innere zu verlegen. Die Grünen zweifeln jedoch an der Realisierbarkeit dieses Ansatzes. „Zwischen der neuen Fassade und der bestehenden Mauer werden an der schmalsten Stelle etwa sieben Meter Platz sein. Das klingt erstmal nicht nach wenig“, erläutert Schröder die Antwort des Bürgermeisters. Wenn jedoch einem Bus ein ähnlich breiter Pakettransporter entgegen komme, bleibe rechnerisch für den übrigen Verkehr gerade mal noch ein Meter. „Da würden die Fußgängerinnen und Fußgänger doch sehr gegen die Fassade gedrängt werden.“ befürchtet Schröder. Auch den vorgeschlagenen Arkadendurchgang sehen die Grünen kritisch. „Bei so einem belebten Gebäude kann man nicht unmittelbar vor der Tür vorbeilaufen.“ Zudem sei noch völlig unklar, wie eine solche Eingangsituation an dem abschüssigen Gelände mit innenliegender Treppe aussehen könnte.

„Das ganze Gebäude ist darauf angelegt, sich in Richtung Marienplatz zu öffnen, um eine großzügige Eingangssituation zu schaffen“, beschreibt auch die Fraktionssprecherin Petra Tebbe die Situation. „So hat man das in den Wettbewerbsbedingungen gefordert.“ In den Bedingungen heiße es sogar ausdrücklich (Zitat): „Ein Verschwenken der Fahrtrasse mehr in die Mitte des (Marien-)Platzes ist denkbar. Die Platzflächen sind so auszugestalten, dass sie der Belastung des Busverkehrs dauerhaft standhalten.“ Der Siegerentwurf setze diese ausdrückliche Anforderung um. Jetzt zu versuchen, diesen Siegerentwurf mit einer Rettung der Linden vereinbar zu machen, würde einen faulen Kompromiss bedeuten. „Ein solches Hin und Her kann nur zu einer mangelhaften Lösung führen. Ich habe großen Zweifel, dass die Architekten sich darauf einlassen werden.“

Zudem sei unklar, wie viel Spielraum der Ratsbeschluss vom vergangenen November tatsächlich noch lasse. In seinem Antwortschreiben an die grüne Ratsfraktion schreibe der Bürgermeister zum einen, das Ergebnis des Wettbewerbsentwurfs sei „nicht in Stein gemeißelt“ und man befinde sich erst am Anfang einer Planung. Andererseits schreibe der Bürgermeister jedoch auch: „Die grundsätzlichen Gestaltungslinien und konzeptionellen Strukturen“ stellten „sicherlich die maßgebliche Basis dar“. Schröder: „Der gegen die grünen Stimmen beschlossene Auslobungstext nennt zentral die ‚Neuausrichtung des Haupteingangs‘ als ein Kernziel des ganzen Wettbewerbs. Wir gehen davon aus, dass dieses Kernziel für den Entwurf eine maßgebliche Basis darstellt.“ 

Schröder und Tebbe fordern den Bürgermeister auf, klare Worte zu sprechen, wo noch Spielraum sei und wo nicht. Aktuell müsse man davon ausgehen, dass der beschlossene Neubau nicht mit dem Erhalt der Linden am Marienplatz vereinbar sei. „In dieser verfahrenen Situation halten wir es nach wie vor für das Beste, wenn die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit bekommen, zu entscheiden, ob sie den Siegerentwurf trotz aller Probleme realisiert haben wollen“, bewerten die Grünen zusammenfassend.

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