„Alle 72 Stunden ein Femizid!“ – Norika Creuzmann zum Tag gegen Gewalt an Frauen

Bei großen Protestmärschen in Italien und Frankreich sind am Samstag zehntausende Menschen auf die Straße gegangen, um auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen. Die Demonstrationen fanden im Vorfeld des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen statt, der jährlich am 25. November begangen wird.

Jedes Jahr setzen viele tausend Frauen ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen und sie werden nicht müde die Missstände anzuprangern, vielleicht sind eines Tages auch in Deutschland solche Proteste möglich, ich wäre dabei!

Laut einer Studie der UN ist das eigene Zuhause der gefährlichste Ort für Frauen, weltweit. Alle 72 Stunden ein Femizid. Bis heute wurden in diesem Jahr bereits 110 Frauen und 15 Kinder durch ihre (Ex-)Partner getötet, weitere 44 Frauen z.T. lebensgefährlich verletzt.

Femizide sind die endgültigste Form der Partnerschaftsgewalt. Ein Femizid ist die Tötung einer Frau, weil sie eine Frau ist! Wir dürfen nicht mehr von Tötungsdelikten sprechen oder Familiendramen, sondern es in aller Klarheit und Härte benennen. Kontrolle, Macht, Unterdrückung und Frauenhass führen aufgrund unserer patriarchalen Verfasstheit der Gesellschaft zu Gewalt, Drohungen und Femiziden.

Was treibt die Menschen, im speziellen die Männer an, welche Denke haben sie zu meinen, sie hätten das „Recht“ ihre Partnerin zu töten?  Häusliche Gewalt und sexueller Missbrauch sind in Deutschland Tabuthemen. Dabei findet beides längst nicht mehr am Rand der Gesellschaft statt. Die Probleme sind bekannt, trotzdem bessert sich wenig.

Im Februar 2018 trat in Deutschland die Istanbul-Konvention in Kraft. Sie ist der erste völkerrechtliche Vertrag, der für europäische Staaten die Verpflichtung zu Maßnahmen zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt gegen Mädchen und Frauen vorsieht. Das Abkommen wurde allerdings bereits 2011 geschlossen.

Für viele Frauen und Kinder in Deutschland gehört Gewalt in engen sozialen Beziehungen zum Alltag – unabhängig von Alter, Nationalität, Einkommen, Bildung und Gesellschaftsschicht. Circa 45.000 Frauen flüchten jährlich mit ihren Kindern vor den Misshandlungen ihrer Ehemänner oder Lebenspartner in ein Frauenhaus. Dieser Entscheidung in höchster Not geht meistens ein langes und kaum erträgliches Martyrium voraus. Auch die Kinder leiden, viele sind nach den Gewalterfahrungen traumatisiert.

Die Istanbul Konvention ist ein Meilenstein im Kampf gegen Gewalt an Frauen, von ihr kann eine große Wirkung ausgehen. Um alle Frauen und Kinder effektiv vor Gewalt zu schützen, bedarf es dringend eines menschenrechtsorientierten Aktionsplanes.

Alle politisch Verantwortlichen müssen sich endlich dieser Aufgabe überzeugend stellen, denn die bisherigen Anstrengungen reichen bei weitem nicht aus.

Es gibt Tage, an denen Frauen kaum eine Chance haben einen Platz in einem Frauenhaus zu finden, allein in NRW fehlen 1.200 Plätze. Wir brauchen endlich eine gesicherte Finanzierung um einen schnellen, unbürokratischen und bedarfsgerechten Zugang zu Schutz und Unterstützung sicher zu stellen.

In Gedenken an die Schwestern Mirabel, die 1960 in der Dominikanischen Republik durch Militärangehörige des damaligen Diktators Trujillo verschleppt, gefoltert und ermordet wurden, finden an diesem Tag weltweit Veranstaltungen und Aktionen statt, die auf die Gewalt, Unterdrückung und Diskriminierung gegenüber Frauen aufmerksam machen.

1999 wurde dieser Gedenktag von den Vereinten Nationen anerkannt und zum internationalen Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen erklärt. Gewalt gegen Frauen ist weltweit die meist verbreitete Form der Menschenrechtsverletzung.

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