Tschernobyl – 34 Jahre nach dem GAU: Der radioaktive Wald brennt

Nach fast drei Wochen sind die Waldbrände in der radioaktiv kontaminierten Tschernobyl-Sperrzone noch nicht unter Kontrolle. Zwischenzeitlich kam das Feuer dem „Sarkophag“ des explodierten Atomkraftwerks gefährlich nahe. Immer wieder fachen Windböen neue Flammen an, die neben giftigem Rauch auch radioaktive Partikel in die Luft schleudern. Dies betrifft insbesondere die mobileren Radioisotope Caesium-137 und Strontium-90, von denen nach 34 Jahren immer noch knapp die Hälfte der ursprünglichen Menge vorhanden ist. Nahe der Brandherde wurde von erhöhter Strahlung berichtet, was die Löscharbeiten erschwert. Um eine Eskalation der Brände zu verhindern sind am Mittwoch den 22. April nach Angaben des Katastrophenschutzes 1200 Menschen im Einsatz gewesen. Bislang haben umliegende Siedlungen und Städte wie Kiew nach Behördenangaben wenig Radioaktivität abbekommen. Für Deutschland wird keine erhöhte Radioaktivität erwartet.

Dr. Alex Rosen, Kinderarzt und Co-Vorsitzende der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) Deutschland, blickt mit Sorge auf die aktuelle Lage: „Wir gedenken in diesen Tagen rund um den Tschernobyl-Jahrestag der vielen Millionen Opfer der größten Atomkatastrophe der Menschheitsgeschichte. Gleichzeitig sind unsere Gedanken bei den Helferinnen und Helfern, die aktuell in der Sperrzone von Tschernobyl versuchen, die Waldbrände unter Kontrolle zu bringen und den Menschen in der Ukraine, die befürchten müssen, dass ihr Land erneut von den radioaktiven Hinterlassenschaften der Atomindustrie überzogen wird.“

Der Super-GAU in Tschernobyl ist also noch lange nicht Geschichte.

Am 26. April 1986 verwandelte sich der Traum von der zivilen Nutzung der Atomkraft in einen Alptraum. Kurz nach Mitternacht explodiert im ukrainischen Tschernobyl 1500 Kilometer entfernt von Berlin, einer von vier Reaktoren. 31 Menschen sterben sofort, viele Opfer folgen. 200-mal mehr Strahlung wird freigesetzt als bei den Atombomben über Hiroshima und Nagasaki. Radioaktive Wolken wehen über Europa. Davon erfährt die Welt aber erst zwei Tage später. Darf man Gemüse essen, Kinder zum Spielen in den Sandkasten schicken? Alltägliches als Überlebensfrage. Die Bundesregierung zeigt sich im Krisenmanagement überfordert, die Bürger*innen stehen allein im radioaktiven Regen.

Lehren aus Tschernobyl – Atomausstieg jetzt!

Auch Jahrzehnte nach der Explosion des Atomkraftwerks in Tschernobyl ist es also immens wichtig, Waldbrände frühzeitig einzudämmen, damit nicht Radioaktivität freigesetzt wird. Und das besonders in einer Region die teilweise nur schwer zugänglich ist. In Zeiten der Klimakrise werden Waldbrände durch anhaltende Dürreperioden und Hitzewellen immer wahrscheinlicher. Dies erhöht noch einmal das Gefährdungspotenzial der Tschernobyl-Katastrophe – auch heute noch. Sollte sich ein nuklearer Super-GAU in Ballungszentren in Mitteleuropa ereignen – die Konsequenzen wären unabsehbar.

Bündnis 90/DIE GRÜNEN setzen sich für den Atomausstieg in Deutschland und weltweit ein und fordern eine Hinwendung zu erneuerbaren Energien mit intelligenten Speicherlösungen, Energieeinsparungen und Energieeffizienz.

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