Klaus Schröder: „Je mehr Raum die AfD gewinnt, desto weniger Raum bleibt für ein gutes Leben für alle“

Die Bürgermeisterkandidaten von CDU und FDP fehlten auf dem Rathausplatz bei der AfD-Gegenkundgebung. Übrigens nicht zum ersten Mal. Nach Martin Pantke (SPD) machte Klaus Schröder für die Grünen klar, worum es geht.  Auch Verani Kartum redete. Für die Linken sprach nicht die Bürgermeisterkandidatin, sondern Reinhard Borgmeier. 

Jetzt aber Klaus Schröder:  „Ich muss Ihnen etwas gestehen: Ich habe überhaupt keine Lust, hier zu stehen und über die AfD oder Frau von Storch zu reden.

Viel spannender fände ich es, darüber zu reden, wie wir das 1,5-Grad-Ziel von Paris noch schaffen wollen. Ich fände es viel wichtiger darüber zu sprechen, wie wir in unseren Schulen gut mit Corona umgehen. Ich fände es auch gut, darüber zu sprechen, wie wir dafür sorgen, dass Krankenschwestern und Krankenpfleger endlich den Bonus bekommen, den man ihnen versprochen hat, und nicht nur Applaus. Es wäre gut, über sicheren Radverkehr zu sprechen, über Armut, über fehlende Wohnungen. Sie hätten sicher noch andere Themen.

Wir könnten auch darüber sprechen, wie gut es ist, in einer freien Gesellschaft zu leben, wo einem der Staat nicht vorschreibt, wen man lieben darf oder welche Hautfarbe man haben darf und wo der Staat nicht befiehlt, an der Grenze auf Frauen und Kinder zu schießen. Aber damit sind wir ja doch schon wieder bei Frau von Storch und bei der AfD.

Und außerdem, das will ich auch gestehen: Ich wäre eigentlich lieber woanders. Ich würde viel lieber im Garten sitzen oder im Park. Ich würde lieber irgendwas Nettes mit meinen Kindern machen. – Oder: und das ist wahrscheinlich realistischer: Ich könnte Dinge von meiner ewig langen Wahlkampf-ToDo-Liste abarbeiten.

Und ich weiß, dass das hier ganz vielen von Ihnen ganz ähnlich geht: Es kostet Zeit und macht gar nicht so viel Spaß, sich mit der AfD auseinander zu setzen.Aber Sie stehen trotzdem hier. Weil Sie wissen und weil ich weiß, dass es nämlich nötig ist, sich mit der AfD auseinander zu setzen.

Denn wenn die irgendwann mal an die Macht kommen sollten: Dann wird es keinen Wahlkampf mehr geben und auch keine Todo-Listen dafür:

Die haben mehr als einmal gesagt, dass sie Schluss machen wollen, mit dem, was sie ‚Altparteien‘ und ‚System‘ nennen. Leute, die sowas sagen, kommen nur einmal an die Macht – und dann bleiben die.

Dann wird Armut gar nicht mehr öffentlich diskutiert, weil dann Menschen, von der Wahl ausgeschlossen werden, wenn sie auf staatliche Unterstützung angewiesen sind.

Dann wird nicht mehr über sicheren Radverkehr gesprochen, sondern wieder über die autogerechte Stadt.

Dann wird es keinen Bonus für Krankenschwestern und -pfleger geben. Weil Frauen dann sowieso nur noch Jobs machen dürfen, die dem entsprechen, was andere für ihre natürliche Rolle halten.

Dann wird nicht mehr über Corona an Schulen gesprochen. Weil dann von oben verfügt werden wird, dass Corona ja sowieso Quatsch ist.

Dann wird es keinen Klimaschutz geben. Soll der Rotmilan doch sehen, wie er mit dem neuen Klima klarkommt.

Und im Park zu sitzen – ist dann auch keine Option mehr – denn: Rasen betreten wird dann sicher auch verboten werden 

Wir sind hier, weil wir wissen, um was es geht. Je mehr Raum die AfD gewinnt, desto weniger Raum bleibt für ein gutes Leben für alle. Wir wollen nicht, dass die AfD hier die Regeln machen kann.

Und darum habe ich eine große Bitte an Sie alle. Gehen Sie am 13. September wählen! Je mehr Leute zur Wahl gehen, desto weniger wiegen die Stimmen der AfD. Und noch besser: nehmen Sie jeder und jede hier noch fünf Nichtwähler oder Nichtwählerinnen mit. Es ist mir fast egal, wen die dann wählen: Solange es nicht die AfD ist.

Vielen Dank!

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