Rede bei der LDK von Norika Creuzmann

Norika Creuzmann auf Platz 14 auf die grüne Landesliste gewählt

MIt einer fulminanten Rede überzeugte Norika Creuzmann 222 Delegierte (87%) auf dem digitalen Landesparteitag und gewann NRW-Platz 14 der grünen Landesliste. Zusammen mit Wibke Brems (Platz 7/ Gütersloh) und Christina Osei (Platz 21/ Bielefeld) bildet die Landtagskandidatin für den Kreis Paderborn ein starkes Frauen-Team aus OWL.  Wer Norikas Rede lieber sehen möchte, folge diesem Link.

Norikas Nominierungsrede in Siegen:

“Jeden Tag versucht in Deutschland ein Mann seine Partnerin zu töten, alle 2,6 Tage gelingt es. Femizide sind die extremste Form von geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen.  139 Frauen wurden im letzten Jahr ermordet. Eine davon, eine Mutter von drei Kindern, in meiner Stadt. Wir hätten der Frau keinen Schutz bieten können, da unser Frauenhaus wie immer voll belegt war. Es darf in NRW nicht passieren, dass Frauen in höchster Not keinen Schutz finden. Aber das ist leider Alltag.  Wie viele Kinder so ihre Mütter verloren, ist nicht bekannt.

 Für viele Frauen und Kinder in Deutschland gehört Gewalt in engen sozialen Beziehungen zum täglichen Leben. Circa 45.000 Frauen flüchten jährlich mit ihren Kindern in ein Frauenhaus. Dieser Entscheidung in höchster Not geht meistens ein langes und kaum vorstellbares Martyrium voraus. Die Kinder leiden massiv, viele sind nach den Gewalterfahrungen traumatisiert.

Indem man Femizide als solche anerkennen würde, indem man die Istanbul Konvention konsequent umsetzen würde, wäre man gezwungen ein auskömmliches Angebot von Frauenunterstützungseinrichtungen angemessen zu finanzieren. Aber,  der effektive Gewaltschutz von Frauen und ihren Kindern ist in Deutschland nach wie vor nicht gewährleistet.  Auch in Sorge – und Umgangsrechtsverfahren steht Gewaltschutz immer noch nicht an erster Stelle. Das Recht der Eltern auf Umgang steht häufig dem Kindeswohl entgegen. Kinder sind nie die Verantwortlichen, aber immer die Leidtragenden. Sie werden aus dem Blick verloren. So ist es in der Coronakrise, so ist es in der Klimakrise, so ist es im Gewaltschutz. Kinder sind Opfer, Kinder haben das Nachsehen. 

Im April ist es mir gelungen, einen kleinen, aber immens wichtigen Satz in unserem Bundestagswahlprogramm unterzubringen. Im Kapitel “zusammen leben” heißt es “Häusliche Gewalt muss in Entscheidungen über Besuchs- und Sorgerecht berücksichtigt werden”. Diese Aussage findet sich nun im Koalitionsvertrag wieder. 

In Richtung der Landesregierung kann ich nur sagen, Powerhäuser sind nicht der richtige Weg im Kampf gegen Gewalt an Frauen und Kindern, die Ausgestaltung des “Pakt gegen Gewalt” bedarf erheblicher Verbesserungen. Als langjährige Mitarbeiterin eines Frauenhauses kann ich nur mit dem Kopf schütteln.  Für den Pakt wurde eine Dunkelfeldstudie zugrunde gelegt, die jedoch keine Bedarfe erfasst. Die Ergebnisse der Bedarfsanalyse sind endlich, mit einem Jahr Verzögerung, veröffentlicht.  Hier haben wir es nun schwarz auf weiß, dass immer noch gewaltige Schutzlücken existieren, viele Frauenhäuser nach wie vor finanziell nicht abgesichert sind, die Kinder stärker berücksichtigt werden müssen. Die Landesregierung wird den Herausforderungen nicht gerecht. 

Die Istanbulkonvention unmsetzen bedeutet gleichwertiger Schutz für alle Frauen und Mädchen in ihrer gesamten Vielfalt. Die genannten Defizite sind bekannt und erfordern ein konsequentes nachhaltiges politisches Handeln. Genau hier will ich mein Wissen und meine Erfahrungen einbringen.

Ein zweiter Nationalpark für NRW

Der Schutz von Frauen und Kinder ist mir ein Herzensthema, ebenso wie der Schutz der Natur und hier vor allem der Senne. 

Der zweite Nationalpark in NRW muss endlich bei uns in Ostwestfalen-Lippe entstehen.  Klientelpolitik ohne Verantwortung für Nachhaltigkeit, Raubbau an unseren Ressourcen und Ignoranz gegenüber unserem Naturerbe, widerspricht unser grünen DNA. Die Senne ist ein Raum, in dem unser Naturerbe bewahrt werden kann. Ein Nationalpark in OWL steht für viele positive Effekte. Natürlich für Naturschutz und Umweltbildung. Aber darüber hinaus auch für eine zusammenhaltende Gesellschaft. Als Waldpädagogin versuche ich in meiner Freizeit mit Schulklassen und anderen Gruppen etwas zu bewirken, Wissen und dieses Gefühl von Verantwortlichkeit zu vermitteln – und das mit Beharrlichkeit und Nachhaltigkeit gleichermaßen. Und mit der gleichen Beharrlichkeit und der gleichen Nachhaltigkeit gehe ich Themen und Ideen in der Politik an.

Vor 75 Jahren fand die erste Sitzung des Landtags NRW im Düsseldorfer Opernhaus statt: Der damalige Ministerpräsident Amelunxen bezeichnete das neue Landesparlament als Grundstein zum neuen demokratischen Gemeinschaftsleben. Diese Demokratie gilt es damals wie heute zu verteidigen – gegen alte und neue Nazis, gegen Nationalisten und gegen Menschenverachter. Und erst wenn das gelingt, können sich die Gründerväter und -mütter unseres Bundeslandes sicher sein, dass ihre Saat aufgegangen ist und vor allem durch uns Grüne, starke Grüne, auch weiter Früchte trägt. Deswegen bitte ich euch kurz nach diesem Jahrestag um eure Stimme.”

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