Neubau Stadtverwaltung

GRÜNE BEGRÜßEN GEÄNDERTE STADTHAUSPLANUNGEN

Bürgerbeteiligung verbesserte den Entwurf – Charakter des Marienplatzes bleibt gewahrt

(Januar 2020) Die Fraktion der Grünen im Rat der Stadt Paderborn wird dem geplanten Neubau des Stadthauses grundsätzlich zustimmen. Wesentlich für die Entscheidung der Grünen ist die Zusage, ein energetisch hoch effizientes Gebäude zu planen. Zudem solle das Gebäude CO2-neutral betrieben werden. Damit ist das Gebäude nach Ansicht der Grünen fit für eine CO2 neutrale Stadt. Auch der Erhalt des Marienplatzes werde durch den geänderten Entwurf sichergestellt. Die Zustimmung sei allerdings kein Blankoscheck.

„Die Bürgerbeteiligung aus dem letzten Herbst hat dem Entwurf sehr gut getan!“, freut sich Fraktionssprecher Klaus Schröder über die Anpassungen. Es habe sich gelohnt, im Sommer eine Nachdenkpause zu beschließen. „Die Hinweise der Bürger haben gezeigt, dass es eher um Verbesserungen der Planung geht, als um grundsätzliche Ablehnung.“ Zum anderen hätten die Bürger-Anregungen Anlass gegeben, insbesondere die energetischen Eigenschaften des Gebäudes zu verbessern. „Der Bau soll entsprechend der Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen erstellt werden. Auch eine Bauweise mit Holz wird geprüft. Darüber hinaus wird das Gebäude CO2 neutral sein. Und es soll mit Photovoltaik die Möglichkeit genutzt werden, mit dem Gebäude auch Energie zu produzieren.“, so Schröder weiter.

„Wir haben in den Gesprächen darauf gedrängt, die Bürgeranregung zur Ausstattung mit Photovoltaik möglichst weitgehend umzusetzen. Nun gehen wir davon aus, dass fast die gesamte Dachfläche des Gebäudes für Photovoltaik genutzt werden kann.“, unterstreicht das grüne Mitglied im Bauausschuss Florian Rittmeier die Diskussionsergebnisse der letzten Monate. „Es ist sogar in der Diskussion, in die Fassade noch weitere Elemente zu integrieren.“

Da nicht alle Verbesserungen auch durch die Beschlusslage abgesichert seinen, wollen die Grünen das Projekt weiter kritisch begleiten. „Wir werden darauf achten, dass die Verbesserungen auch tatsächlich umgesetzt werden. Unsere Zustimmung ist kein Blankoscheck.“, betont Fraktionssprecherin Petra Tebbe.

Mit Blick auf den Marienplatz freut sie sich über die beschlossenen Änderungen am Entwurf. „Mit der Rückverlagerung der Fassade wird der Fußverkehr am Marienplatz Richtung Marienstraße wohl sogar angenehmer werden als er es heute ist.“ Denn neben der Fußgängerspur verläuft nicht länger eine Gebäudefassade, sondern die Treppenanlage, so dass Fußgänger sich weniger bedrängt fühlen als es derzeit der Fall ist.

Die Rückverlagerung stelle auch sicher, dass der Marienplatz mit seinen charakteristischen Linden erhalten bleiben könne. „ Dass dort nicht einfach eine gepflasterte Fläche entsteht, sondern der Marienplatz mit seinem Schatten spendenden Charakter erhalten bleibt, war von Anfang an unsere grüne Forderung.“, erinnert Petra Tebbe an die Historie des Entwurfs. Zu dem erlaube die Rückverschiebung des Gebäudes die Einrichtung einer Außengastronomie . Das ohnehin geplante Café könne dazu an den Marienplatz verlagert werden. „Die Gefahr dass am Marienplatz nur eine tote Verwaltungsfassade entsteht, sehen wir damit ein Stück weit gebannt.“

 

(November 2018)

ZU GROß UND ZU TEUER – 

Grüne Ratsfraktion zu Neubauplanungen zwischen Marienplatz und Abdinghof

Die grüne Ratsfraktion im Paderborner Rat hat den geplanten Neubau der Stadtverwaltung zwischen Marienplatz und Abdinghof in der Ratssitzung am 15. November abgelehnt. Nach Ansicht der Grünen wurde versucht, zu viele Einrichtungen und Ämter unterzubringen, so dass der Bau insgesamt zu groß und zu teuer geraten sei. Der außerdem geplanten Sanierung der Gebäude am Franz-Stock Platz (Gebäudeteile A und B) wollen die Grünen hingegen zustimmen.

2016 sei beschlossen worden, die Gebäudeteile C und Ca, also die städtischen Gebäude am Marienplatz zu überplanen. „Damals war die Rede von einem Bürgerzentrum mit weiteren Dienstleistungen und Einzelhandelsflächen”, berichtet Fraktionssprecher Dr. Klaus Schröder. Beim Beschluss des städtebaulichen Wettbewerbs haben die Grünen dann schon darauf drängen müssen, dass der Einzelhandel überhaupt noch berücksichtigt werde. „Wir haben damals klargestellt, dass wir keine reine Verwaltungsfassade zum Marienplatz wollen, damit der Platz lebendig bleibt.“, so Schröder weiter. „Nun sehen wir, dass der Neubau Richtung Marienplatz nichts weiter bietet, als den Haupteingang zu einem Verwaltungsgebäude. Nennenswerter Einzelhandel ist nicht vorgesehen, der Eingang zum geplanten Café ist ganz unten am Platz.“ 

Ämter bringen keine wirklichen Impulse für die Innenstadt

Die Grünen erwarten anders als der Bürgermeister vom Neubau auch keinen wirklichen Impuls für die Paderborner Innenstadt. An Publikumsmagneten seien vor allem das Einwohnermeldeamt, das Familien-Service-Center, die BOSS-Wache, die Kinder- und die Computerbibliothek, das Café, die Touristeninformation und der PaderSprinter geplant. „Nichts davon ist neu in der Innenstadt und außer dem Einwohnermeldeamt kann auch alles gut bleiben, wo es ist“, macht die Sprecherin Petra Tebbe deutlich. „Die im neuen Gebäude laut Planung untergebrachten Ämter, wie das Liegenschafts- oder das Rechnungsprüfungsamt versprechen ebenfalls nicht viel Publikumsverkehr.“ Ähnliches gelte für die zu sanierenden Gebäude am Abdinghof.  „Das im Wettbewerbs-Entwurf architektonisch-reizvoll innen offen gestaltete Bürgerzentrum, soll anscheinend gar nicht so offen umgesetzt werden. Zusätzlich notwendige Säulen und massive Balustraden zerstören die Transparenz“, kritisiert Tebbe zudem an dem von der Verwaltung  so gelobtem Bürgerzentrum.

Den Hauptteil des Gebäudes würden nun sieben Ämter, das Dezernat III und die Verwaltung der Stadtbibliothek einnehmen. Tebbe: „Dabei wird für die Verwaltung der Stadtbibliothek gleichzeitig das Adam und Eva Haus umgebaut.“ Für die Ämter sind zudem noch etliche Reserveflächen vorgesehen. Insgesamt, so die Grünen, habe man mit dem geplanten Gebäude zu viele Wünsche erfüllen wollen. „Wir haben den Eindruck, dass die Vorstellungen einfach aufaddiert wurden“, so Klaus Schröder. Im Ergebnis sei das Gebäude nun zu groß und zu teuer. Zudem böten ja auch die Flächen am Franz-Stock-Platz noch die Möglichkeit für Ämter in der Innenstadt. Die Sanierung dort sei schon seit Jahren überfällig.

Größere Flächen für den Einzelhandel am Marienplatz

Schröder weiter: „Wir glauben, dass die Innenstadt mehr gewinnen würde, wenn man am Marienplatz größere Flächen für den Einzelhandel schaffen würde. Das könnte man zum Beispiel über Erbpacht machen, ohne die Flächen zu verkaufen. Die Fachgeschäfte brauchen Zugpferde, die die Menschen in die Stadt locken. Und wir finden, dass das Café Ostermann viel Leben auf den Platz gebracht hat. Ein Bürgerzentrum könnte man auch Richtung Abdinghof öffnen.“ 

Für die Unterbringung der Verwaltung habe der Rat mehrheitlich vor zwei Jahren gegen die Stimmen der Grünen die Entscheidung getroffen, auf den Hoppenhof zu setzen. „Das lässt sich jetzt nicht mehr korrigieren – aber eben auch nicht mit einem zu großen Gebäude am Marienplatz.“ Gegebenenfalls seien die Grünen offen, weiter Büroflächen zu mieten. Auch wenn das im Einzelfall teurer sein möge, als ein eigenes Gebäude. „Mit dem Neubau für knapp 50 Millionen binden wir viel zu viel Kapital auf viele Jahrzehnte und dieses Geld müssen wir komplett per Kredit finanzieren.“

Neuer Bürgermeister kippte einstimmigen Alanbrooke-Beschluss

Die Grünen erinnern daran, dass in der vergangenen Wahlperiode einstimmig beschlossen worden war, die Stadtverwaltung in der ehemaligen Alanbrooke-Kaserne unterzubringen. Tebbe: „Das fanden wir gut und da haben wir Verantwortung übernommen. Wir haben uns dafür stark gemacht, dass dieser Beschluss weiter Bestand hat.“ Leider habe der Bürgermeister diese Entscheidung, die in der Bevölkerung auf viel Zustimmung gestoßen sei, nach der Kommunalwahl gekippt. Unter anderem habe es geheißen, die vom Land für den Standort Alanbrooke immerhin sogar schriftlich formulierte Förderabsicht sei nicht sicher genug.

Für das jetzt geplante Stadthaus haben wir nicht mal eine solche schriftliche Zusicherung. „Außerdem stehen für den Neubau jetzt nur noch 4,4 Millionen Förderung in Aussicht.  Das reicht gerade einmal um die zusätzlichen Schwierigkeiten für das Bauen in beengter Lage auszugleichen. Da ist wohl bei allen Fraktionen mehr erwartet worden.“ Schröder und Tebbe abschließend: „Wenn wir die Alanbrooke-Kaserne durchgezogen hätten, dann hätte im Frühjahr Baubeginn sein können.“