Pippi Langstrumpf beschäftigt den Paderborner Integrationsrat

Pippi Langstrumpf gehört zu den Klassikern der Kinderliteratur. Ende der Vierziger Jahre löste der Oetinger-Verlag in Hamburg unter Pädagogen Streit mit dem Erstwerk von Astrid Lindgren aus. Sechzig Jahre danach sorgt „Hey – Pippi Langstrumpf, die macht, was ihr gefällt“ verlässlich für leidenschaftliche Leseratten und diverse Kontroversen. Der Integrationsrat in Paderborn beschäftigt sich mit dem Antrag, in allen Stadt- und Schulbibliotheken die Lindgren-Klassiker „Pippi Langstrumpf“ und „Die Kinder aus der Krachmacherstraße“ gegen überarbeitete Neufassungen auszutauschen.

Sonja Ergin, Eyüp Elmaci und Josef Gergis von der Liste „Integration gemeinsam Verwirklichen“ weisen bei aller Begeisterung für Lindgrens Werke in ihrer Begründung ein sensibilisiertes Sprachverständnis hin: „Die Bücher wurden aber in Zeiten geschrieben, als manche geerbte Bezeichnungen und Begriffe; ohne großes Nachdenken über ihre negative Inhalte und die damit verbundene menschen-verletzende Bilder; im Alltagsleben benutzt wurden. So wurden in den beiden Büchern Begriffe wie „Negersklave“, „Negerkönig“ und andere negative Bilder und Szenen über schwarze Mitmenschen benutzt und durch die Bücher an unseren Kindern Generation für Generation weitergegeben.  Heute wissen aber wir, welche negativen Bilder solchen Begriffe in sich tragen. Daher tragen wir alle die Verantwortung dafür, dass diese negativen Bilder nicht mehr an unseren nächsten Generationen weitergegeben werden. Außerdem bringen solche Szenen und Begriffe die Eltern in Verlegenheit, wenn sie versuchen, ihren Kindern solche Begriffe zu erklären.“ Deshalb plädiert die IGV für neue Lindgren-Bücher.

Behutsame Modifikation durch Oetinger

Der Oetinger-Verlag, der alle Rechte an den deutschen Werken Astrid Lindgrens besitzt und auch die markanten Cover (Fotos) entwickelt hat, habe im Zuge der Lindgren und Langstrumpf Jubiläen alle Neuauflagen mit Blick auf den aktuellen Sprachgebrauch behutsam angepasst, erklären die Verantwortlichen: „In allen Neuauflagen und Neuaufnahmen ab 2009 sind die Worte „Neger“ und „Zigeuner“ nicht mehr zu finden. Diese Begriffe sind heute nicht mehr zeitgemäß, entsprechen im deutschen Sprachgebrauch nicht mehr dem heutigen Menschenbild und können missverstanden werden. Sie wurden deshalb entweder gestrichen oder durch neue Formulierungen ersetzt. So wird beispielweise Pippi Langstrumpfs Papa jetzt als „Südseekönig“ bezeichnet, der die „Taka-Tuka-Sprache“ spricht.

In den 1940er Jahren, als Astrid Lindgren die „Pippi Langstrumpf“-Bücher schrieb, war in Skandinavien das Wort „Neger“ die übliche Bezeichnung für Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Wer Astrid Lindgren und ihre Werke kennt, weiß, dass sie tolerant und allem Fremden gegenüber aufgeschlossen war. Ihr Werk ist gekennzeichnet durch Liebe und Verständnis gegenüber allen Menschen und ihr humanitärer Anspruch prägt alle ihre Geschichten. Auch ihre Kinderbuchfiguren hegen keinerlei Vorurteile.

Astrid Lindgrens Erben haben sich bislang sprachbedingt gegen eine Änderung ihrer Texte ausgesprochen, dem Verlag Friedrich Oetinger aber 2009 eine zeitgemäße Anpassung gestattet.“ Soweit der Verlag.

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